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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Gehörnter Gott

Heidnische Gottheit, die von vielen vorchristlichen Gesellschaften verehrt und später dem Teufel gleichgesetzt wurde, der angeblich auf Hexensabbaten Hof hielt. Im Gegensatz zur Grossen Göttin, die den Sommer und die damit verbundenen positiven Dinge verkörperte, repräsentierte der Gehörnte Gott den Winter. So beschwor seine Erscheinung - der einem Hirschgeweih ähnelnde Kopfschmuck, das Tierfell und die Klauenftisse - den Gedanken an die Jagd und das Töten zur Nahrungsbeschaffung herauf.
In der Steinzeit, in der die durchschnittliche Lebenserwartung ganze vierzehn Jahre betrug und nur wenige unserer Vorfahren die Geschlechtsreife erreichten, verehrten die Stämme ihre besten Jäger und stellten sie in Höhlenzeichnungen, die sich überall in Europa finden, mit Tierfellen und Hörnern angetan, dar. Besonders betont wurden bei diesen Abbildungen die Geschlechtsteile der Jäger. Diese Zeichnungen stellen wahrscheinlich die Anfänge der Tradition des Gehörnten Gottes dar. Als sich später die Landwirtschaft entwickelte, behielt der Gehörnte Gott sein Ansehen, wurde zum Symbol der Fruchtbarkeit und sorgte durch die rituelle Vereinigung mit der Grossen Göttin dafür, dass die Feldfrüchte gediehen und Menschen und Vieh sich vermehrten. Mit der Zeit wurden die Hörner zu einem Sinnbild göttlicher Macht - Moses schmückte seinen Altar zu Ehren Jehovas mit messingverkleideten Hörnern, und Jahrhunderte später schuf Michelangelo eine Sitzstatue des Moses, der zum Zeichen seines göttlichen Status ein Paar Hörner auf dem Kopf trägt.
Etwa i000 Jahre v. Chr. brachten die Kelten ihre Version des Gehörnten Gottes mit auf die britischen Inseln. Die seltsame Figur mit erigiertem Penis, die in den Kalkhügel bei Cerne Abbas geschnitten ist, wird allgemein als eine Darstellung des Cerne oder Cernunnos, des Gehörnten Gottes, angesehen. Nachweise der frühen Verehrung des Gehörnten Gottes finden sich überall: Als beispielsweise der Altar der Kathedrale Notre-Dame-de-Paris gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts instand gesetzt wurde, fand man darunter einen viel älteren Altar, der neben dem Namen Cernunnos eine geschnitzte Figur dieser heidnischen Gottheit zeigte. Der Gehörnte Gott hatte in der christlichen Lehre jedoch keinen Platz, und so wurde er von einem mächtigen fruchtbarkeitsfördernden Wohltäter in eine Gestalt des Bösen umgewandelt, deren Anhänger den Tod verdienten.
In welchem Masse die frühen Glaubensvorstellungen die Entwicklung des Hexenwesens beeinflusst haben, ist umstritten; die meisten Experten argumentieren, dass es keinerlei Verbindung zwischen den beiden Erscheinungen gibt und dass der bezug, den die Anhänger des heutigen Wicca-Kults zur Vergangenheit herstellen, eine Fiktion ist. Der Gehörnte Gott indes überdauerte als Kultfigur länger als die Grosse Göttin, und es erscheint denkbar, dass der von vielen Hexen beschriebene Satan zumindest seine äussere Erscheinung mit den Klauenfüssen und den Hörnern - wenn wahrscheinlich auch nicht ausschliesslich - dem Vorbild der heidnischen Gottheit verdankt.

 

 

 

 

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