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Britischer Okkultist, der
sich selbst zum „König der Hexen” ernannte und das Wiederaufleben der „Alten
Religion” im zwanzigsten Jahrhundert förderte. Gardner behauptete, Nachkomme
einer Grizell Gardner zu sein, die 164o im schottischen Newburgh als Hexe
verbrannt wurde. Sein Interesse am Okkulten entwickelte sich in den vielen
Jahren, die er bei seiner Arbeit im Tee- und Gummihandel und als
Staatsbeamter im Fernen Osten verbrachte. 1937 trat er in den Ruhestand und
liess sich in Christchurch in der Nähe von Bournemouth nieder, wo er Kontakt
zu einer ortsansässigen Gruppe von Rosenkreuzern aufnahm. Später machte er
die Bekanntschaft des bekannten Okkultisten Aleister Crowley, der Gardner
zur gegebenen Zeit in den mystischen Ordo Templi Orientis einführte. Dieser
Orden erhob den Anspruch, die geheime Magie der Tempelritter wiederentdeckt
zu haben.
Gardner trat einem Hexenzirkel in New Forest bei und veröffentlichte 1949
ein Buch, das detailliert über einige der Geheimnisse berichtete, in die man
ihn dort eingeweiht hatte. Ein weiteres Buch von ihm mit dem Titel
Witchcraft Today folgte 1954. Es rief grosses Interesse hervor, und so
traten viele Menschen mit ihm in Verbindung, um mehr über dieses Thema zu
erfahren. Später siedelte Gardner auf die Isle of Man über, wo er ein Museum
der Magie und des Hexenwesens leitete und sein Wissen über frühe magische
und okkulte Praktiken weitergab. Später erschienen weitere Bücher wie The
Meaninn of Witchcraft und The Book of Shadows. Letzteres ist ein Text, der
im einzelnen die geheimen Riten beschreibt, die die Zirkelneulinge von Hand
abschreiben mussten.
Nach Gardners Auffassung, der in dieser Hinsicht von den Schriften der
Anthropologin Margaret Murray beeinflusst war, liess sich das moderne
Hexenwesen direkt von vorgeschichtlichen Kulten herleiten. Damit standen die
alten Fruchtbarkeitsgötter, bekannt als Gehörnter Gott und die Grosse
Göttin, die verschiedentlich auch Aradia und von eingeweihten Anfängern bei
einem Geheimnamen genannt wird, im Mittelpunkt der Verehrung.
Einmal im Monat zelebrierten die Teilnehmer von Gardners Hexenzirkeln unter
freiem Himmel ihre Magie. Die Zeremonien, darunter die Geisselung und der
fünffache Kuss, wurden stets nackt abgehalten. Sex spielte - zur
geheuchelten Empörung der allgemeinen Presse - bei vielen Zeremonien zu
Ehren der Gottheiten eine herausragende Rolle. Auf dem Höhepunkt dessen, was
Gardner den „Grossen Ritus” nannte, vereinigten sich der Hohepriester und
die Hohepriesterin vor anderen Mitgliedern des Hexenzirkels. Zu den
Requisiten, die die Gardnerschen Hexen benutzten, gehörten das Pentagramm,
der Zauberstab, das Hexenmesser, ein Schwert und ein Horn, mit dem sie die
Geister riefen.
In ganz Grossbritannien, in Europa und in den USA wurden zahlreiche
Hexenzirkel nach Gardners Vorbild gegründet. Obwohl inzwischen beugt,
leitete der „König der Hexen” bis zu seinem plötzlichen Tod, der ihn auf
einem Passagierschiff vor der afrikanischen Küste ereilte, einen Zirkel auf
der Isle of Man. Danach entspann sich unter der Anhängerschaft eine
unziemliche Auseinandersetzung darüber, wer als leitende Hexe für die
nächste Generation Gardners Nachfolge antreten sollte. Aus diesem Kampf ging
als Sieger Alex Saunders hervor.
Gardners Ruf erlitt nach dem Tod des Okkultisten einigen Schaden, als sich
herausstellte, dass dessen akademische Qualifikationen wahrscheinlich
gefälscht waren. Zudem behaupteten einige Personen, dass Gardner entgegen
seinen eigenen Erklärungen die mystische alte Religion, die man Wicca
genannt hatte, nicht wiederbelebt, sondern erfunden habe. |