|
Engländerin, die zu einer
Gruppe Verdächtiger gehörte, die 1673 in Morpeth (Northumberland) wegen
Hexerei vor Gericht kamen. Der Fall von Morpeth ist wegen der Fülle von
Einzelheiten, die sich um die Anschuldigungen rankten, und auch deshalb
interessant, weil er in den Augen einiger Fachleute die Existenz eines
locker organisierten Systems von Hexenzirkeln andeutet, das sich während des
siebzehnten Jahrhunderts über ganz Northumberland erstreckte.
Im Mittelpunkt des Prozesses gegen Anne Forster stand die Aussage der Anne
Armstrong, einer Dienstmagd aus Stockfieldon Tyne, die behauptete, von der
Forster durch Hexerei dazu gebracht worden zu sein, sie, die Forster, eine
Nacht vor Weihnachten zum Hexensabbat zu tragen. Ihren eigenen Worten
zufolge hatte Anne Armstrong die Angeschuldigte zum erstenmal gesehen, als
man sie zu ihr geschickt hatte, um ein paar Eier zu kaufen. Nach dieser
Begegnung habe sie viel unter Ohnmachtsanfällen gelitten; auch habe ein
Bettler sie gewarnt, dass die Forster eine Hexe sei und auf ihrem Geist wie
auf einem Pferd reite.
Weihnachten nahte, und Anne Armstrong traf Anne Forster noch einmal. Diesmal
habe ihr die Hexe einen Zaum über den Kopf geworfen, worauf der Magd alle
Widerstandskraft dahingeschwunden sei. Später habe sie die mit
übergeschlagenen Beinen auf ihr sitzende Forster zu deren Gefährten nach
Riding Mill Bridge tragen müssen, wo die Hexen ihre Sabbate abgehalten
hätten. Dabei hätte sie sich die Komplizen der Forster, zu denen auch einige
gehörten, die sie kenne, genau ansehen können. Am beeindruckendsten sei ein
„grosser schwarzer Mann auf einem kastanienbraunen Gallowaypferd [gewesen],
den sie, wie sie glaube, ihren Beschützer nannten”. Die Mitglieder des
Hexenzirkels hätten ihr befohlen, für sie zu singen, während sie tanzten und
sich damit amüsierten, sich von einer Gestalt in eine andere zu verwandeln.
Anne Baites, eine Hexe aus Morpeth, habe sich in schneller Folge in eine
Katze, einen Hasen, einen Windhund und in eine Biene verwandelt, um dem
Teufel zu gefallen. Statt ihre Gestalt wirklich zu wechseln, schlüpfte die
Genannte wahrscheinlich nur in die Rollen verschiedener Tiere, während sie
bei einem rituellen Paarungstanz vom Meister des Hexenzirkels verfolgt
wurde. Am Ende der Zusammenkunft habe sie, die unglückliche Anne Armstrong,
die Forster wieder nach Hause tragen müssen.
Anne Armstrongs Aussage zufolge gab es zahlreiche Treffen zwischen Anne
Forster und deren Gefährten; manchmal habe die Forster sie als Reittier
benutzt, doch auch andere Hexen hätten ähnliche Dienste von ihr, Anne
Armstrong, gefordert. Anne Armstrong zeigte sich bei der Beschreibung von
Einzelheiten der Zeremonien, die sie angeblich beobachtet hatte, recht
geschwätzig und erinnerte sich dabei besonders an ein Bankett, an dem nicht
weniger als fünf Hexenzirkel mit je dreizehn Hexen teilgenommen hätten. Über
der Versammlung habe ein Seil von der Decke herabgehangen, und die Hexen
hätten daran gezogen, um jede gewünschte Speise zu bekommen, die dann durch
Zauberei hergestellt worden sei. Die Dienstmagd schilderte auch, wie sich
die Hexen ehrerbietig vor einem gewissen grossen Stein verbeugt und während
dieser Huldigung das Vaterunser rückwärts gebetet hätten.
Anne Armstrong erhob weitere schwere Beschuldigungen gegen Anne Forster und
die anderen Hexen, die ihre Zauberkunst benutzt hätten, uni ihre Feinde und
deren Vieh zu schädigen; sie habe von den Missetaten erfahren, als sich die
Hexen damit vor dem Teufel gerühmt hätten. Mary Hunter und Dorothy Green
hätten einen Zauber gegen John Marchs Stute geschickt, worauf das Tier
gestorben sei. Diese Bezichtigung entsprach dem, was John March selbst
erzählt hatte, der beschrieb, wie sein Pferd eines Abends von einer Schwalbe
gequält, dann krank geworden und vier Tage später tot gewesen sei. Elizabeth
Pickering aus Wittingstall indes behauptete, dass Anne Forster durch Magie
den Tod eines Nachbarkindes hervorgerufen habe. Die übrigen Verbrechen, die
man Anne Forster zur Last legte, waren eher unbedeutend.
Anne Forster und die anderen angeklagten Hexen wiesen Anne Armstrongs
Beschuldigungen zurück, und den nicht ganz schlüssigen Prozessberichten nach
scheinen alle freigesprochen worden zu sein - obwohl man zwei der Frauen für
kurze Zeit ins Gefängnis sperrte. Anne Armstrong selbst mag eine Zeitlang
ein williges Mitglied des Hexenzirkels gewesen sein, der in dieser oder
anderer Form existiert haben kann, doch viele andere Vorfälle, die sie
angeblich miterlebt hatte, gingen wohl mehr auf ihre Phantasie als auf die
Wirklichkeit zurück. |