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Geheimnisvolle Salbe, mit
der sich die Hexen angeblich bestrichen, um fliegen zu können. Der
Überlieferung zufolge rieben sie vor dem Flug zum Hexensabbat ihren nackten
Körper und mitunter auch den Besen oder andere Fluggeräte mit der Salbe ein,
die sie vom Teufel erhalten oder nach seinen Anweisungen hergestellt hatten.
Uneinigkeit bestand darüber, welche Körperteile damit zu bestreichen waren;
manche behaupteten, dass nur die Brüste, die Achselhöhlen und die
Geschlechtsteile oder die Stirn und die Handgelenke damit eingerieben werden
mussten, während andere darauf bestanden, dass der ganze Körper von der
Salbe bedeckt sein musste. Jean de Nynauld schrieb 16is, dass man die Haut
mit der Salbe rieb, bis sie rot war, damit die Mischung tiefer eindringen
konnte.
Als Zutaten für das Gemisch, das man gewöhnlich als schwarz oder dunkelgrün
beschrieb, wurden verschiedentlich gekochtes und eingedicktes Babyfett,
Fledermausblut, Russ und Stücke von Eisenhut, Pappelblättern, Farn,
Nieswurz, Schierling und Tollkirsche genannt. 1608 schrieb Francis Bacon,
dass „die Salbe, die die Hexen verwenden, aus dem Fett von Kinderleichen,
die man aus ihren Gräbern geholt hat, aus dem Saft des Sellerie, aus
Tollkirsche und Fingerkraut gemacht sein soll, die man mit dem Mehl von
feinem Weizen mischt”. Zieht man die Giftigkeit einiger Zutaten in Betracht,
dann war die Salbe vielleicht wirksam genug, um die Person, die sie
anwendete, in Phantasieträume zu versetzen und sie glauben zu machen, dass
sie wirklich flog.
Reginald Scot missbilligte 1584 in einer Schrift den Gedanken, dass Hexen
wirklich fliegen könnten, bot nichtsdestoweniger aber eine detaillierte
Rezeptur für Flugsalbe an, die ihm ein Experte für solche Mixturen
überlassen hatte:
Das Fett von kleinen Kindern, kochen es mit Wasser in einem ehernen Gefäss,
bewahren das dickste von dem auf, was gekocht am Boden zurückbleibt, was sie
aufheben und behalten, bis die Gelegenheit günstig ist, es zu verwenden. Sie
tun ferner Eleoselinum, Aconitum, Farnwedel, Pappelblätter und Russ dazu.
Ein anderes Rezept für denselben Zweck ... Sium, Acarum vu!gare,
Pentaphyllon, das Blut von Fledermäusen, Solarium somnifcrum und Öl. Sie
stampfen all dies zusammen, und dann reiben sie alle Teile ihres Körpers
übermässig, bis er rot aussieht und sehr heiss ist, so dass die Poren
geöffnet sind und ihr Fleisch lösbar und locker ist. Sie tun hierzu entweder
Fett oder statt dessen Öl, dass die Kraft der Salbe innerlich besser
eindringen kann und somit wirksamer ist. Dadurch - sagt er - scheinen sie in
einer Vollmondnacht durch die Luft getragen zu werden, zu schmausen, zu
singen, zu tanzen, zu küssen, sich zusammenzutun und miteinander zu buhlen -
sagt er -, mit solch jungen Leuten, wie sie es am meisten lieben und sich
wünschen: Denn die Kraft ihrer Phantasie ist so heftig, dass fast der
gesamte Teil des Gehirns, in dem das Gedächtnis sitzt, voll von solchen
Einbildungen ist.
Beim Verhör durch die Befrager gestanden relativ wenige Hexen den Gebrauch
von Flugsalbe offen ein. 1664 beschrieb Elisabeth Style, eine der Hexen von
Somerset, wie sie und ihre Gefährtinnen, wenn die Zeit für den Hexensabbat
nahte, „ihre Stirnen und Handgelenke mit einem Öl einreiben, das ihnen der
Geist bringt, und das einen groben Geruch hat”, während Anne Bishop, ihre
Mitstreiterin im Hexenzirkel, davon sprach, geflogen zu sein, nachdem ihre
Stirn „mit einer in Öl getauchten Feder bestrichen” worden sei. Ähnliche
Geständnisse zwang man einer kleinen Zahl angeklagter Hexen auch in anderen
Teilen Europas ab, darunter in Belgien, Schweden und Frankreich. Es gab
allerdings Hexen, die behaupteten, auch ohne jegliche Flugsalbe fliegen zu
können.
In seiner Abhandlung De la lycanthropie, die 1615 erschien, führte Jean de
Nynauld eine Anzahl Rezepturen zur Herstellung von Flugsalbe an und
erörterte ausführlich deren Gebrauch. Unter den anekdotenhaften Belegen, die
seine Behauptung stützen sollten, dass Flugsalbe tatsächlich wirke, war eine
merkwürdige Geschichte, die ihm angeblich ein Frankfurter Arzt im Jahre 1603
erzählt hatte. Der Arzt hatte seine Tante im Verdacht, eine Hexe zu sein. Er
beobachtete sie heimlich dabei, wie sie Salbe auf ihre Haut rieb, bevor sie
sich zu einem nächtlichen Flug aufmachte. Als sie fort war, probierte er ein
wenig von der Salbe und fand sich dann wieder, wie er auf einem Kalb über
den Nachthimmel zu einem Hexensabbat sauste. Als Strafe für seine
Tollkühnheit, an dem Sabbat teilgenommen zu haben, setzte ihn das Kalb auf
dem Heimweg im Rhein ab, wo ihn ein freundlicher Müller vor dem Ertrinken
retten musste. |