|
Englische Bauersfrau, die
zusammen mit ihren Töchtern Margaret und Philippa Flower im März 1618 in
Lincoln vor Gericht stand und angeklagt war, mittels Hexerei jemanden
getötet zu haben. Joan Flower wurde als eine „grässliche, böswillige Frau”
beschrieben, die weit und breit als Hexe galt. Ihre Tochter Margaret führte
die Aufsicht über die Wäscherei in Belvoir Castle, dem Sitz von Francis,
Sechster Graf von Rutland, einem Freund Jakobs I., wo auch Joan und Philippa
häufig als Reinemachfrauen arbeiteten. Als Margaret von ihrem Posten
entlassen wurde, weil man sie verdächtigte, Essen gestohlen zu haben und
abends ausser Haus geblieben zu sein, wandten sich die beiden Mädchen
angeblich an ihre Mutter, damit sie sich durch einen Zauber am Grafen und
dessen Familie räche.
Joan Flower verfluchte also den Grafen in der Öffentlichkeit und forderte
die Mädchen auf, verschiedene Gegenstände aus dem persönlichen Besitz seiner
Familie zu beschaffen. Unter den Dingen, die ihr später gebracht wurden,
befand sich auch der rechte Handschuh des ältesten Grafensohnes Henry Lord
Rosse. Joan Flowers rieb den Handschuh am Rücken ihres Hausgeistes und legte
ihn in kochendes Wasser. Dann durchstach sie den Handschuh und vergrub ihn,
damit er seinem einstigen Besitzer Unglück bringe. Lord Rosse starb kurz
darauf, und vier oder fünf Jahre später wurden die beiden anderen Söhne des
Grafen von Krankheit heimgesucht, nachdem angeblich ähnliche Zauber gegen
sie gerichtet worden waren. Es wurden auch Federn aus dem Bett der Gräfin
besorgt und am Bauch der Katze gerieben, um den Grafen und seine Gemahlin
unfruchtbar zu machen.
Angesichts der Unglücke, die über den Grafen und seine Familie
hereingebrochen waren, kam der Verdacht der Hexerei auf, und man erinnerte
sich des Fluchs, den Joan Flower ausgesprochen hatte. Die drei Frauen, die
offensichtlich an die Wirksamkeit ihrer Taten glaubten, wurden verhaftet und
mit anderen vermeintlichen Komplizen vor Gericht gestellt. Während des
folgenden Verfahrens gestanden die Angeklagten freimütig ein, Böses gegen
die Kinder des Grafen geplant zu haben, und machten auch genaue Angaben über
verschiedene Rituale, die der Hexenzirkel auf dem Blackberry Hill im Vale of
Belvoir ausführte. Sie legten zudem Geständnisse ab, in denen sie sich zu
verschiedenen Missetaten und zum Besitz von Hausgeistern bekannten, die in
Gestalt einer Eule, eines weissen Hundes, einer weissen Maus und eines
Kätzchens mit Namen Pusse bei ihnen lebten.
Als Joan Flower schliesslich erkannte, dass sie selbst sich mit ihren
eigenen Beweisen verurteilten, zog sie ihr Geständnis zurück, steckte, um
ihre Unschuld zu beweisen, mit melodramatischer Geste ein Stück trockenes
Brot in den Mund und sprach: „Ich will daran ersticken, wenn ich schuldig
bin.” Zu ihrem Unglück erstickte sie vor dem erstaunten Gericht tatsächlich
daran. Sir Henry Hobart und Sir Edward Bromley, die Richter, zögerten nicht
lange, die fünf übrigen Frauen - die beiden Töchter der Joan Flower, Anne
Baker aus Bottesford, Eileen Greene aus Stathern und Joan Willimot aus
Goadby Marwood - der Anklage gemäss für schuldig zu befinden. Sie wurden am
ii. März 1619 in Lincoln gehängt.
Als Fussnote in dieser traurigen Angelegenheit sei noch bemerkt, dass das
Grabmal des Sechsten Grafen von Rutland, der 1 632 starb, mit
Steinschnitzereien, die seine Kinder darstellen, und dem Spruch „Durch böse
Praktiken und Zauberei in ihrer frühen Kindheit gestorben” geschmückt ist. |