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Schottischer Schullehrer
aus Saltpans bei Edinburgh, mitunter auch als John Cunningham ausgewiesen,
der in dem Prozess von 1590 gegen die bekannten Hexen von Berwick verwickelt
war. John Fian wurde als Anführer eines Hexenzirkels identifiziert, dessen
Mitglieder angeblich ein Komplott zur Ermordung Jakobs VI. von Schottland
geschmiedet hatten, und am a6. Dezember jenes Jahres wegen Hexerei und
Hochverrats verhaftet. Ihm wurde zur Last gelegt, im Auftrag des treulosen
Grafen von Bothwell als Sekretär für die Hexenzirkel Südschottlands
gearbeitet und Aufzeichnungen über alle gemacht zu haben, die an den Treffen
teilnahmen.
Die Einzelheiten der Anklage gegen Dr. Fian waren überaus bizarr. Er sollte
eine Verschwörung angezettelt haben, um Jakob auf einer Reise nach Dänemark,
wohin der König zu seiner zukünftigen Gemahlin unterwegs war, mitsamt seinem
Schiff untergehen und ertrinken zu lassen; er sollte auch einen Pakt mit dem
Teufel geschlossen haben, um sich an einem Arbeiter zu rächen, mit dem er
sich überworfen hatte; er sollte in der Kirche von North Berwick den Teufel
angebetet und sich im Trancezustand auf verschiedene Berge tragen lassen
haben; er sollte Gräber ausgeraubt haben, um sich das nötige Beiwerk für
eine Reihe von Zaubereien zu verschaffen; er sollte sich Zugang zu Häusern
verschafft haben, deren Türschlösser er angeblich durch blosses Anhauchen
geöffnet hatte; er sollte mittels Zauberei durch die Luft geflogen sein,
Stürme heraufbeschworen, Horoskope gelegt und mit Hilfe einer Zauberformel
eine Witwe verführt haben. Angeblich hatte man ihn nachts gesehen, wie er,
um seine Taten auszuführen, auf einem mit lodernden Zauberkerzen
geschmückten Pferd dahinritt. Seine Magie war jedoch nicht unfehlbar: Durch
einen Zauber, der eigentlich aufeine gewisse junge Dame zielte, hatte er
angeblich eine Kuh dazu gebracht, sich in ihn zu verlieben.
Die Anklagepunkte mögen lachhaft gewesen sein, doch die Behandlung, der man
John Fian unterwarf, war es ganz sicher nicht. Zunächst wurde ihm ein Seil
um den Hals gelegt, an dem der Folterknecht den Angeklagten mit groben
Rucken hin und herzerrte. Als man Fian eine Stunde so misshandelt hatte,
ohne ihm ein Geständnis entlocken zu können, legte man ihm die berüchtigten
spanischen Stiefel an, mit denen seine Beine dreimal hintereinander
zusammengequetscht wurden, ehe der Lehrer das Bewusstsein verlor. Dieses
Abgleiten in die Unempfindlichkeit wurde als Trick des Teufels angesehen,
damit der Delinquent weiterer Pein entginge, und so untersuchte man Fians
Körper auf irgendwelche vorhandenen Zaubermittel. Die Folterer entdeckten in
der Zunge des Angeklagten zwei Nadeln (die sie wahrscheinlich selbst dorthin
gesteckt hatten). Zu diesem Zeitpunkt legte John Fian im Beisein von König
Jakob ein volles Geständnis ab und bekannte sich zu allem, ganz gleich, was
ihm seine Befrager zur Last legten.
Einem Bericht zufolge winkte dem gemarterten Lehrer in der folgenden Nacht
das Glück: Es gelang ihm angeblich, aus dem Gefängnis zu fliehen und sich
nach Saltpans durchzuschlagen. Angesichts seiner schrecklichen
Beinverletzungen ist es allerdings fraglich, wie er seine Flucht
bewerkstelligen konnte. Es ging aber das Gerücht, der Graf von Bothwell habe
die Gefängniswärter bestochen und dann in Saltpans darauf bestanden, dass
Fian sein Geständnis widerriefe, das seine, des Grafen, eigene Verstrickung
in den Fall zu enthüllen drohte. Er überliess Fian auch eine Droge, die
diesem helfen sollte, weitere Folterungen zu ertragen. Was immer in Wahrheit
vorgefallen sein mochte — der König schlug angesichts der Flucht des
Gefangenen Alarm, und es dauerte nicht lange, bis Fian wieder eingefangen
und ins Gefängnis zurückgebracht wurde.
Bei einem zweiten Erscheinen vor dem König schien Fian neuen Mut gefasst zu
haben; er zog sein Geständnis zurück und gab an, dass er es nur abgelegt
habe, um sich weitere Qualen zu ersparen. Dieser Widerruf wurde
verständlicherweise nicht günstig aufgenommen. Entschlossen, den Angeklagten
zu überführen, griff die Obrigkeit, die den Teufel als Ursache der neu
erwachten Entschlossenheit vermutete, zu einer aussergewöhnlichen
Foltermethode, die man eigentlich meist mit der Inquisition und den Ländern
des Nahen Ostens in Verbindung brachte. Mit einer „Turkas” genannten Zange
wurden die Fingernägel des Angeklagten zerbrochen und abgezogen, worauf man
jeweils zwei Nadeln in voller Länge bis zum ersten Fingerglied und weiter in
die blutüberströmten Nagelbetten trieb, was qualvollste Schmerzen bereiten
musste. Es ist unvorstellbar, dass sich Fian auch jetzt noch weigerte
zuzugeben, dass er ein Hexenmeister sei. Die Folterknechte legten ihm
nochmals die spanischen Stiefel an; Fians Beine wurden dabei so gequetscht,
dass „Blut und Mark in grosser Menge hervorspritzten, wodurch sie [die
Beine] für immer unbrauchbar wurden”. Fian lehnte es noch immer ab, mit
seinen Peinigern zu kooperieren.
Obwohl sich das Gericht in der unangenehmen Situation befand, kein
Geständnis des Angeklagten vorweisen zu können, beschloss es mit König
Jakobs Unterstützung, die Anklage durchzusetzen. Man scheute auch nicht
davor zurück, die Todesstrafe zu verhängen, um an Fian ein Exempel zu
statuieren. An einem der beiden letzten Samstage des Januar 1591 wurde der
Verurteilte auf dem Castle Hill in Edinburgh stranguliert und dann als
Hexenmeister verbrannt. Dr. John Fians Widerstand angesichts der grausamsten
Folterungen bleibt vielleicht der bemerkenswerteste Zug eines
bemerkenswerten Falles. |