|
Spitzname von Anne
Bodenham, der Assistentin des berühmten Arztes und angeblichen Zauberers Dr.
John Lamb. Die Tatsache, dass sie nicht bei ihrem Ehemann, sondern in Lambs
Haus lebte, war Gegenstand eines aufsehenerregenden Skandals. Obwohl
weitgehend ungelernt, erwarb sich Anne Bodenharn einige Grundkenntnisse von
Dr. Lambs Magie. In dem Bestreben, aus diesem Wissen Kapital zu schlagen,
veröffentlichte sie nach dessen Tod ein kleines Buch, das Zauberformeln
enthielt. Die Verbindung zu dem verstorbenen Arzt hatte ihr den Ruf einer
„weisen Frau” eingebracht. Diese Reputation nutzte sie aus, liess sich in
dem Dorf Fisherton Anger nieder und bot ihre Dienste als Wahrsagerin und
Kräuterkundige feil. Befragte sie jemand nach der Zukunft, dann warf sie für
den Preis von drei Schillingen verschiedene Kräuter ins Feuer, das in der
Mitte eines magischen Kreises brannte, worauf die Geister erschienen und die
Antwort auf ihre Fragen gaben.
Ein Mann namens Mason bestätigte Anne Bodenhams Fähigkeiten mit seiner
Beschreibung, wie sie die Geister erweckt hatte, damit sie seine Fragen über
einen Prozess beantworteten, den er gegen seinen Schwiegervater anstrengen
wollte. Seinen Angaben zufolge zog sie mit einem Stab einen magischen Kreis
und legte in diesen Kreis ein gewisses Buch:
Danach legte sie ein grünes Glas auf das Buch und stellte in den Kreis einen
irdenen Topf mit Kohlen, in den sie etwas hineinwarf, das einen sehr
ekelhaften Geruch verursachte ... und indem sie so Beelzebub, Tormentor,
Satan und Luzifer herbeirief, erhob sich plötzlich ein Wind, der das Haus
erbeben liess. Und alsdann flog die Hintertür auf, und es kamen fünf Geister
... die aussahen wie abgerissene Jungen, einer grösser als der andere, und
im Haus umherliefen; und die Hexe warf Brotkrumen auf den Boden, die die
Geister aufhoben, und sie sprangen öfter über die Kohlenpfanne mitten im
Kreis, und ein Hund und eine Katze, die der Hexe gehörten, tanzten mit
ihnen.
Anne Bodenhams Verderben begann durch ihre Verbindung mit der Familie
Goddard. Die verstörte Ehefrau von Richard Goddard, die fürchtete, dass ihre
Töchter sie vergiften wollten, schickte ihre junge Magd Ann Styles zu Anne
Bodenham, um etwas Arsenik zu holen, das sie ihren Kindern zugedacht hatte.
Als die Nachricht von der Intrige an die Öffentlichkeit kam, nahm Ann Styles
einige Stücke vom Familiensilber der Goddards an sich und floh. Als man sie
später ergriff, versuchte sie sich zu retten, indem sie alle Schuld an der
Affäre auf Anne Bodenham abwälzte. Ann Styles sagte aus, sie sei in die
Dienste des Teufels gelockt worden, nachdem die Bodenham sich in eine
schwarze Katze verwandelt und sie dann überredet habe, mit ihrem eigenen
Blut einen Pakt mit dem Teufel zu unterzeichnen, und das Mädchen in den
Finger gestochen habe, um ihren Federkiel zu befeuchten. Zur Belohnung für
den Verkauf ihrer Seele an den Teufel habe sie von einem Kobold eine
Silbermünze geschenkt bekommen.
Der Prozess gegen Anne Bodenham stützte sich im wesentlichen auf Ann Styles'
Aussage. Besonders vernichtend war die Entdeckung eines Mals am Finger des
Mädchens, das angeblich von der Wunde herrührte, die die Bodenham ihr beim
Unterzeichnen des Pakts beigebracht habe, sowie die starken Anfälle, unter
denen Ann Styles litt, als sie den „schwarzen Mann ohne Kopf' beschrieb, der
gedroht habe, ihre Seele zu holen. Immer, wenn man Anne Bodenham in den
Gerichtssaal brachte, schien Ann Styles in einen tiefen Dämmerzustand zu
fallen, aus dem sie erst erwachte, wenn die Angeklagte gegangen war. Als
Bestätigung der Schuld fand man an deren Körper zwei Hexenmale. Der Prozess
erregte grosses Aufsehen, und wie John Aubrey berichtete, „machte die
Zuschauermenge einen solchen Lärm, dass weder der Richter den Gefangenen
noch der Gefangene den Richter hören konnte; doch die Worte wurden von Herrn
R. Chandler von einem zum anderen weitergegeben, und mitunter zeichnete man
sie nicht genau auf.”
Anne Bodenham beteuerte bis zuletzt ihre Unschuld und weigerte sich, ihren
Anklägern und den Kerkeraufsehern zu vergeben. Sie wurde 1653 in Salisbury
gehängt. Ihre Bitte, man möge ihr etwas Bier geben, damit sie betrunken sei,
wenn die Zeit für ihre Hinrichtung käme, wurde abgelehnt. |