|
Nutzung der Magie, um
Geheimnisse zu erfahren, die mit gewöhnlichen Mitteln nicht enthüllt werden
können. Seit es die Vorstellung von Göttern, Dämonen und anderen
spirituellen Wesen gibt, haben Männer und Frauen diese zu Rate gezogen, um
zu bestimmten Kenntnissen zu gelangen, die nicht jedem zugänglich waren.
Einige der frühesten Gesetze, die gegen Zauberer und Hexen erlassen wurden,
richteten sich auch gegen solche Aktivitäten, die ohne weiteres die
Stabilität eines Staates bedrohen konnten. Einen Wahrsager über die
Lebenserwartung eines Herrschers zu befragen, konnte dem Frager eine Anklage
wegen Verrats und das Todesurteil einbringen, wie es 1213 im Falle des
englischen Einsiedlers Peters des Weisen geschah, nachdem er unklugerweise
den Tod König Johanns 1. vorausgesagt hatte. Gewöhnlichere Anfragen nach dem
Versteck verborgener Schätze und nach anderen Dingen wurden als weniger
gefährlich betrachtet, und so wurde man für diese Art von Magie viele
Jahrhunderte lang nur relativ milde bestraft.
Als Wahrsager konnte man immer Geld verdienen; viele Menschen, die wegen
Hexerei angeklagt waren, hatten sich lediglich des Versuches schuldig
gemacht, auf die Fragen, die ihnen arme wie reiche Mitbürger stellten,
Antworten zu geben, und hatten die Informationen nur zu gern für ein paar
Münzen an sie verkauft. Sehern in der antiken Welt gestand man einen
gewissen Status zu. In späteren Jahrhunderten war es für Könige, Generäle
und selbst für prominente Gestalten der Kirche ganz selbstverständlich, in
Krisenzeiten einen Wahrsager zu Rate zu ziehen. Viele hervorragende Gelehrte
wie John Dee waren berühmt für ihre Fähigkeit des Kristallsehens; sie
protestierten jedoch energisch dagegen, allein deshalb als Zauberer oder
Hexen abgestempelt zu werden.
Nichtsdestoweniger waren manche Autoritäten der Meinung, dass Divination
nichts anderes als ein Aspekt des Hexenwesens und von anderen
Beschäftigungen mit der Geisterwelt, denen die Hexen angeblich nachgingen,
nicht zu unterscheiden sei. William Perkins argumentierte 16o8, dass
jegliches Wissen, zu dem man durch Divination komme, vom Teufel selbst
verliehen werde. Entgegenhaltungen der Angeklagten, sie kommunizierten nur
mit „guten” Geistern, wurden als Verteidigung nicht akzeptiert. In der
Praxis jedoch waren Anklagen wegen Divination nur selten der Grund für die
Verfolgung Verdächtiger, wurden allerdings häufig als Beweis dafür in
Betracht gezogen, dass eine bestimmte Person eine praktizierende Hexe war.
Es gab verschiedene Möglichkeiten und Mittel, mit denen Wahrsager, Zauberer
und Hexen Geheimnisse der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu
enthüllen suchten. Sie reichten vom Beschauen der Eingeweide rituell
geopferter Frauen und Kinder und dem Handlesen bis zum Würfeln,
Interpretieren des Vogelfluges, „Lesen” aus Zahlen, Beobachten der
Wasseroberfläche oder der Figuren, die von Flammen erzeugt wurden, und zum
Anhören der Verdauungsgeräusche des Magens. Ungewöhnlichere Mittel sollen
das Erwecken von Toten zwecks Befragung zu anstehenden Problemen oder die
Inanspruchnahme der Hilfe eines Dämons gewesen sein, wozu man sich
vorzugsweise zunächst in den Schutz eines magischen Kreises begab. In
vergangenen Zeiten bedeutete die Anschuldigung, eine Hexe oder eine andere
Person habe die Toten erweckt, jedoch mehr als das harmlose Erforschen der
Zukunft, da sich nur diejenigen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen
hatten, eine solche divinatorische Fähigkeit anmassen konnten. |