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Englischer Alchimist,
Geograph und Mathematiker, der zum berühmtesten Zauberer des
elisabethanischen Zeitalters wurde. Dee verfasste Schriften zu verschiedenen
Themen, darunter zur Logik, Astrologie, Naturphilosophie, Schifffahrtskunde
und zum Kalender. Er gehörte zu den schöpferischsten Gelehrten seiner Zeit
und war Mitbegründer des Trinity College der Universität Cambridge. Der
Zauberei wurde er das erstemal 1546 beschuldigt, als er einen mechanischen
Käfer baute, der als Bühnenrequisit für eine Aufführung von Aristophanes'
Stück „Der Friede” gedacht war. In Belgien und Frankreich eignete er sich
bei Autoritäten wie Cornelius Agrippa von Nettesheim weiteres Wissen an.
Besonders faszinierend war für ihn das zwischen Wissenschaft und Magie
liegende Reich der Erfindungen.
Eduard Vl. gewährte dem jungen, doch bereits über die Landesgrenzen hinaus
geachteten Dee eine Pension, die dieser gegen die Pfründe von Uptonupon
Severn eintauschte. Später wurde Dee Astrologe bei Maria I. und erstellte
für sie und ihren zukünftigen Gemahl Philipp II., König von Spanien,
Horoskope. 1555 entzweite er sich jedoch mit seiner königlichen Gebieterin,
als er - wahrscheinlich wegen seiner Freundschaft mit deren Feindin,
Prinzessin Elisabeth - beschuldigt wurde, er habe sie mit Hilfe der Magie
töten wollen. Weitere Anklagepunkte lauteten, er habe durch Hexerei den Tod
von Kindern bewirkt und besässe Hausgeister. Es gelang ihm, einem
Schuldspruch wegen Hochverrats zu entgehen, doch die Sternkammer schickte
ihn ins Gefängnis, wo er zwei Jahre blieb. Unter Elisabeth I. gewann er dann
die königliche Gunst zurück, und die neue Herrscherin beriet sich mit ihm
bezüglich des günstigsten Datums für ihre Krönung im Jahre 1559. Sie
unterstützte ihn mehrmals mit Geldgeschenken, um seine Forschungen auf dem
Gebiet der Alchimie zu fördern. Man hält es auch für wahrscheinlich, dass
Dee für die Königin als Spion tätig war.
1563 veröffentlichte Dee seine umstrittene Schrift Monas Hieroglyphia, die
die mystische Wissenschaft der Zahlenkunde erörterte. Dee hatte das Buch in
seinem Geheimkode verfasst, und nur Personen, die er ins Vertrauen zog,
erfuhren von ihm, wie der Text entschlüsselt werden musste. 1577 bestellte
ihn die Königin nach Windsor, wo sie sich von ihm den Ursprung des
Halleyschen Kometen erläutern liess, dessen Erscheinen in jenem Jahr
erwartet wurde.
1581 tat sich Dee mit Edward Kelly zusammen, der sein Interesse am Okkulten
teilte. Zusammen führten sie zahlreiche Untersuchungen zu Themen wie der
Kristallomantie und der Nekromantie durch. Dee interessierte sich besonders
für die Möglichkeit, mit der Welt der Geister in Verbindung zu treten, und
sei es auch nur, um seine intellektuelle Neugier zu befriedigen. Dee und
Kelly erklärten, Gespräche mit Engeln gehabt zu haben, wozu ihnen Dees
berühmte Kristallkugel verholfen habe, die Elisabeth I. bat untersuchen zu
dürfen. Dee selbst war nicht in der Lage, die mit der Kugel herbeigerufenen
Wesen zu sehen, doch er notierte die Beschreibungen, die ihm Kelly lieferte,
der allein die Engel sehen konnte.
Die beiden Gelehrten und ihre Ehefrauen reisten weit umher und waren
mehrmals Gäste des Königs von Polen, des Kaisers Rudolf II. von Böhmen und
des Zaren des Russischen Reichs. 1589 schliesslich trennten sich Dee und
Kelly - zwei Jahre, nachdem Dee nur zögernd einer Abmachung zugestimmt
hatte, nach der sich beide ihre Ehefrauen teilen sollten, worauf Kellys
übernatürliche Gesprächspartner angeblich bestanden hatten. Als Dees Frau
sich über die Zweifelhaftigkeit der Abmachung äusserte, antwortete Dee ihr
recht kläglich: „Es gibt kein anderes Mittel ... wir müssen es also tun.”
1595 erhielt Dee, obgleich kein Günstling von Elisabeth I. mehr, den Posten
des Direktors am Manchester College. Während sich Dee in Manchester
aufhielt, befasste er sich auch mit der vermeintlichen Besessenheit der
Kinder von Nicholas Starkie. Seine Versuche, das Kristallsehen weiter zu
erforschen, blieben erfolglos, da er keinen Assistenten mit den Fähigkeiten
seines früheren Gefährten Kelly finden konnte.
1604 verlor Dee sein Amt in Manchester. Angesichts des aufkommenden
Hexenwahns fürchtete er vielleicht um sein Wohlergehen und suchte bei Jakob
I. um eine öffentliche Widerlegung seines Rufs als Magier nach. Das war eine
Enttäuschung für Dee, der über die Bezeichnung „Magier” tief verärgert war
und darauf bestand, trotz seines Interesses für die Magie stets ein
pflichtbewusster Christ gewesen zu sein. Man unternahm jedoch nichts gegen
den inzwischen gealterten Gelehrten. Trotz der vielen ausserordentlichen
Leistungen, die er in seinem Leben vollbracht hatte, starb Dee im Alter von
einundachtzig Jahren als armer Mann. Er wurde in seinem Heimatort Mortlake
beerdigt. |