|
Eigentlich Edward
Alexander Crowley, britischer Okkultist, der sich selbst als Great Beast
bezeichnete und seinen Ruf als der „böseste Mensch der Welt” pflegte. Er
wurde in Leamington Spa als Sohn eines Predigers der Plymouth Brethren
geboren und in Malvern, Tonbridge und am Trinity College in Cambridge
ausgebildet. Später beschäftigte er sich mit ritueller Magie und gab sich
Drogen und Sexorgien hin, organisierte seine eigenen Hexenzirkel und
etablierte sich als vielleicht bekanntester und am meisten verurteilter
Satanismus-Praktiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Er verkündete: „Tu was du
willst - das soll das ganze Gesetz sein.” Er weihte sein Leben der okkulten
Praxis, wobei er glaubte, ein Kanal für die Kommunikation mit dem
Obernatürlichen zu sein, und reiste überall in der Welt umher, um in die
Geheimnisse einer ganzen Reihe mystischer Wissenszweige einzudringen. Zu den
Titeln, die er sich selbst verlieh, gehörten Earl of Boleskine, Graf Syareff
und Prinz Chioa Khan.
Nachdem Crowley die Universität Cambridge 1898 verlassen hatte, trat er dem
Hermetic Order of the Golden Dawn bei, wo er ein treuer Anhänger des
Sektenführers Samuel Liddel Mathers wurde. Zwei Jahre später jedoch
entzweite er sich mit Mathers. Nach dem Ausschluss Crowleys aus der Gruppe
rechneten beide Männer in einer „Psychokrieg-Kampagne“ miteinander ab. Wie
verlautete, schickte Mathers einmal einen Sukkubus gegen Crowley aus, doch
Crowley überlistete ihn und verwandelte das Wesen in eine hässliche alte
Frau ohne all die Reize, die ihn hätten verführen können.
Nach seiner Heirat mit der Schwester Gerald Kellys, eines Künstlers, der dem
Golden Dawn angehörte und einmal der Präsident der Royal Academy werden
sollte, besuchte Crowley Ägypten und trat dort mit einem Geist mit Namen
Aiwaz in Verbindung, der ihm verschiedene Regeln und Gesetze diktierte, die
die Basis seines Werkes Book of the Law bilden sollten. Nach Crowleys Worten
war im Jahre 1904 mit dem Anbruch des dritten Zeitalters der Menschheit, dem
Zeitalter des Horus, zu rechnen, in dem die alten „Sklavenreligionen” wie
das Christentum durch neue Glaubensbekenntnisse des Vergnügens ersetzt
würden. 1907 gründete er seinen eigenen Orden Astrum Argentum, um seine
Ideen in die Praxis umsetzen zu können. Seiner Ehefrau wurde Crowleys
grenzenloses sexuelles Verlangen zu viel; sie begann zu trinken und liess
sich schliesslich von ihrem Mann scheiden. Sie und auch Crowleys zweite Frau
beendeten ihr Leben in der Irrenanstalt, mindestens fünf seiner Geliebten
begingen Selbstmord.
1912 wurde Crowley zum Leiter der britischen Sektion des deutschen Ordo
Templi Orientis ernannt, der zwanglos auf der Sexualmagie der Tempelritter
basierte. Während des ersten Weltkrieges verlegte er seine Aktivitäten in
die USA und gründete dann 1920 in Cefalü auf Sizilien die Abtei Thelema.
Hier praktizierte er zusammen mit zwei seiner zahlreichen Geliebten, der
Deutschschweizerin Leah Hirsig und der Französin Ninette Shumway und oft
auch in Gesellschaft von Freunden und Ordensschülern seine Sexualmagie, die
auch den Gebrauch von Drogen einschloss. Die Räume seiner Villa, die ein
Weltzentrum für okkulte Studien werden sollte, waren mit Wandgemälden
geschmückt, die den Gehörnten Gott und andere Gottheiten darstellten. In der
britischen Presse wurden regelmässig Geschichten über die in der Villa
abgehaltenen bizarren Sexzeremonien ausgewalzt, und als Crowley eine
Autobiografie veröffentlichte, entrüstete man sich noch mehr. Die
Erzählungen über Crowleys Exzesse widerten die Leser in seinem Heimatland an
und faszinierten sie gleichzeitig. Einmal soll er im Namen Jesu Christi eine
Kröte getauft, das Tier dann gekreuzigt und sich dann an dessen Todesqualen
geweidet haben.
Schliesslich wurde Crowley aus Sizilien ausgewiesen, und man beeilte sich,
in seiner Villa die berüchtigten Malereien von den Wänden zu waschen. Das
„Great Beast” setzte jedoch seine Studien des Okkulten fort und
veröffentlichte Bücher zu diesem Thema, darunter auch The Magick in Theory
and Practice, verkaufte Zaubertränke und leitete neue Hexenzirkel.
In seinen letzten Lebensjahren verfiel Crowley immer mehr; er kämpfte gegen
seine Drogenabhängigkeit und starb schliesslich im Alter von zweiundsiebzig
Jahren in einer Pension in Hastings, Sussex. Bei seinem Begräbnis sangen
einige seiner Anhänger ihm zu Ehren und setzten ihn mit Pan gleich. |