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Englische Aristokratin,
Ehefrau des mächtigen Humphrey, des Herzogs von Gloucester, deren Stellung
als eine der einflussreichsten Frauen in England durch Anklagen wegen
Hexerei ruiniert wurde. Die Wurzeln des Skandals waren in einer Verschwörung
der politischen Feinde des Herzogs zu finden. An ihrer war der Kardinal
Henry Beaufort. Ihm hatte der Herzog, der als Lord Protector die
Regentschaft für seinen minderjährigen Neffen Heinrich Vl. führte, das
Bistum zu nehmen versucht. Beaufort und andere suchten nach einer
Möglichkeit, den Herzog von Gloucester zu stürzen, und 1441 bezichtigten sie
vereint die Herzogin - die sich als ehemalige Geliebte des Herzogs während
dessen erster Ehe ihre eigenen Feinde geschaffen hatte - der Hexerei.
Der Hauptanklagepunkt lautete, dass Eleanor Cobham beabsichtigt habe, durch
Zauberei und Hexerei den König zu vernichten, um so ihren Gemahl auf den
Thron zu bringen. Die Nebenklagen beschuldigten sie unter anderem, die
Zuneigung ihres Mannes durch Behexung mit Hilfe von Liebestränken gewonnen -
ein Anklagepunkt, den man zugunsten schwerwiegenderer Behauptungen fallen
liess - und versucht zu haben, durch Magie ihre eigene politische Zukunft
vorauszusehen. Als Komplizen mit ihr angeklagt waren Thomas Southwell von
Westminster, Pater John Hun, der geachtete Oxforder Gelehrte Roger
Bolingbroke und die als Hexe von Eye bekannte Margery Jourdemain. Sie alle
hatten die Herzogin mit fachmännischen Kenntnissen auf dem Gebiet der
schwarzen Künste ausgestattet, über die diese selbst nicht verfügt hatte.
Beweismaterial, das die Anklagepunkte unterstützen sollte, wurde in Form
eines Wachsbildes beigebracht, das angeblich auf Anordnung der Herzogin als
Ebenbild des Königs angefertigt worden war.
Im darauffolgenden Prozess erlebten sämtliche Angeklagte eine gnadenlose
Verfolgung durch die Richter, die bis auf den letzten Mann Feinde des Hauses
Gloucester waren. Bolingbroke, einer der begabtesten Gelehrten seiner Zeit,
wurde unter der Folter gezwungen, die Anschuldigungen gegen die Herzogin zu
unterstützen. Nach seiner Verhaftung wurde er gezwungen, angetan mit seiner
Zaubererkleidung und umgeben von seinen „Werkzeugen der Magie", darunter
einem Zeremoniendegen und einem mit Schwertern und Kupferbildern
geschmückten Stuhl, in London am St. Paul's Cross zu stehen, während seine
Verbrechen vor einer feindseligen Menge vorgelesen wurden. Bolingbroke
selbst gab zu, der Herzogin beim Vorhersagen ihrer Zukunft behilflich
gewesen zu sein, bestritt jedoch, dass in ihren Handlungen Verrat eine Rolle
gespielt habe. Das Gericht war nicht geneigt, dem zu folgen: In Erwägung der
hohen Stellung der Herzogin sahen die Richter in der Aufforderung an
Bolingbroke, ihren künftigen gesellschaftlichen Rang vorauszusagen, eine
unausgesprochene Bedrohung für das Leben des Königs. Bolingbroke wurde
gehängt, geschleift und gevierteilt. Sein Kopf wurde auf der London Bridge
zur Schau gestellt, und seine Gliedmassen als ernste Warnung an andere
Gelehrte vor der Nachahmung solcher Taten an die Städte Oxford, Cambridge,
Hereford und York gesandt.
Thomas Southwell warf das Gericht vor, an schwarzen Messen teilgenommen zu
haben, die den Tod des Königs herbeiführen sollten. I)er Angeklagte starb
jedoch noch vor seiner Verurteilung in den Kerkern des Tower. John Hun wurde
begnadigt, doch Margery Jourdain, die man bereits 1430 aufgrund einer
geringeren Anklage der Hexerei für schuldig befunden hatte, wurde als die
Herstellerin des Wachsbildes identifiziert und wegen Hochverrats und Hexerei
in Smithfield verbrannt. Es hiess auch, dass Margery Jourdain den
Liebestrank geliefert habe, mit dem sich Eleanor Cobham angeblich die
Zuneigung des Herzogs gesichert hatte.
Wegen ihrer gesellschaftlichen Verbindungen blieb die Herzogin von der
Folter verschont, doch man zwang sie dennoch, die Anklagepunkte gegen sie zu
bestätigen - obgleich sie beteuerte, dass das Wachsbild dazu gedient habe,
ihre Chancen auf die Geburt eines Kindes zu verbessern und nicht etwa den
Tod des Königs zu verursachen. Sie entging der Todesstrafe, wurde jedoch
dazu verurteilt, öffentlich Busse zu tun und dazu barfuss und barhäuptig,
mit einer schweren Kerze in den Händen, durch die Strassen von London bis zu
einer bestimmten Kirche zu gehen. Nach drei Bussgängen verbrachte sie den
Rest ihres Lebens zunächst in Chester, dann in Peel Castle auf der Insel Man
im Gefängnis. Der Herzog von Gloucester sorgte dafür, dass ihre Unterkunft
dort stets bequem und gut ausgestattet war, doch am Ende geriet auch er in
eine politische Intrige. Er starb 1447 auf mysteriöse Weise, wenige Tage
nachdem man ihn wegen des Verdachts verhaftet hatte, einen Aufstand gegen
Heinrich VI. geplant zu haben. |