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Irische Bauersfrau, die
grausam und rechtswidrig zu Tode gebracht wurde, nachdem sie in den Verdacht
geraten war, eine Hexe zu sein. Obgleich im Zuge der Hexenmanie des
sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts in Irland nur wenige Männer und
Frauen hingerichtet wurden, waren noch zu viktorianischen Zeiten viele
Menschen von der Furcht vor dem Übernatürlichen und insbesondere von den
Machenschaften der Feen und der „kleinen Männchen” besessen, die angeblich
Menschen entführten und an deren Stelle ihre eigenen Wechselbälger
hinterliessen.
Es geschah 1894, als die sechsundzwanzigjährige Bridget Cleary eines Tages
nicht rechtzeitig nach Hause zurückkehrte. Ihr Ehemann Michael Cleary, ein
Arbeiter, der einige Kilometer nördlich von Clonmel in Tipperary wohnte,
befürchtete Schlimmes und sprach darüber, dass seine Frau von den Feen des
nahen Kilegranach Hill entführt worden sei. Der Hügel war als Schlupfwinkel
von Hexen bekannt. Als Bridget Cleary schliesslich doch noch erschien, wurde
sie von ihrem Mann und ihrer Familie ohne weiteres beschuldigt, eine Hexe
und ein Wechselbalg zu sein. Die Ankläger der Frau ignorierten deren
Unschuldsbeteuerungen und entschieden, ein Geständnis von ihr zu erlangen.
Sie weigerte sich, irgendwelche Übeltaten zuzugeben, und so zwang man sie,
nackt auf dem Torffeuer in der Küche zu sitzen, während andere Dorfbewohner
vor den Fenstern zuschauten. Sie lehnte es noch immer ab, etwas zu gestehen,
was man ihr eingeflüstert hatte, obwohl man sie so lange peinigte, bis ihr
Körper furchtbar verbrannt war.
Schliesslich konnte Bridget Cleary es nicht mehr ertragen und warf ihrem
Mann vor, seine eigene Mutter habe sich mehr als einmal zu den Feen gesellt.
Das wurde als Beweis für Bridgets Schuld angesehen, da sie ja selbst dabei
gewesen sein musste, um darüber Bescheid zu wissen. Ohne weitere
Gewissensbisse übergoss der Mann seine am Boden liegende Frau mit Lampenöl
und setzte sie in Brand.
Der Körper der ermordeten Frau wurde in einem flachen Grab nahe dem Haus
bestattet, doch die Kunde von der brutalen Tat drang schnell bis zur
Polizei, und Michael Cleary und seine Komplizen wurden verhaftet. Man
exhumierte die Leiche und fand sie teilweise sogar bis auf die Knochen
verkohlt. Des Totschlags schuldig gesprochen, wurde Michael Cleary zu
zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Selbst während des Prozesses bestand
er darauf, dass seine Frau gegen einen Wechselbalg ausgetauscht worden sei,
und fragte seine Nachbarn: „Wussten sie denn nicht, dass das nicht meine
Frau war? Sie war zu hübsch für meine Frau, und sie war fünf Zentimeter
grösser als meine Frau.” Die Nachbarn, die den Tod von Bridget Cleary
beobachtet, aber nichts unternommen hatten, um ihn zu verhindern, wurden als
Zeugen vorgeladen, jedoch nicht angeklagt.
Vom „Feuertod von Clonmel”, wie plan die Gräueltat später nannte, wurde
überall berichtet. Bis zum heutigen Tag kann man in Clonmel Kinder im Kreis
tanzen sehen und dabei singen hören:
Bist du eine Hexe, bist du eine Fee,
Oder bist du die Frau von Michael Cleary? |