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Der Fall eines
Poltergeistes, der einen Beiklang von Hexerei hatte und 1851 in Frankreich
zu einem berühmten Prozess führte. Die Sache begann 185o, als ein argloser
vierzigjähriger Schäfer namens Felix Thorel mit dem Cure von Cideville,
einem kleinen Dorf in der Normandie, in Streit geriet. Pater Tinel, der Cure,
hatte entdeckt, dass sich eines seiner Gemeindemitglieder wegen einer
Erkrankung von einer Weissen Hexe behandeln liess, und schlug vor, dass der
Mann statt dessen zu einem Arzt gehen solle. Als die weisse Hexe dann wegen
Ausübung des Heilberufes ohne Lizenz verhaftet wurde, nahm man automatisch
an, dass der Cure die Person angezeigt habe. Die angebliche weisse Hexe
wollte sich für die erlittene Unbill rächen und warb dafür Thorel an. Thorel
drohte in der Öffentlichkeit, den Cure in Schwierigkeiten zu bringen, und
kurz nachdem er zwei Schüler des Geistlichen berührt hatte, begannen die
beiden Jungen über unheimliche Geschehnisse im Pfarrhaus zu klagen.
Der Aussage der Jungen zufolge wurde der Hausfrieden durch lautes Pochen
gestört, das seltsamerweise auf Befehl lauter wurde und, wenn man es
wünschte, den Rhythmus bestimmter Lieder wiedergab. Als die Jungen aus dem
Haus gebracht wurden, gab es weitere seltsame Erscheinungen, bei denen sich
Haushaltgegenstände durch die Räume bewegten, Tische angehoben und Türen
zugeschlagen wurden. Den Hausbewohnern wurden die Bettdecken weggezogen,
Leuchter und Messer flogen durch die Luft, und durch die Korridore blies ein
starker Luftzug.
Pater Tinel forderte von Thorel eine Entschuldigung für diese Störungen, und
einer der jüngeren Zöglinge im Pfarrhaus identifizierte den Mann als die
Geistergestalt, die ihn zwei Wochen lang verfolgt hatte. Thorel schien
Freude daran zu haben, sich mit seiner neu entdeckten übernatürlichen
Fähigkeit zu brüsten, und nachdem er einen der Jungen ein weiteres Mal
berührt hatte, traten die Poltergeisterscheinungen wieder auf. Thorel war
allerdings weniger erfreut, als man ihn aus seinem Dienst entliess und Pater
Tinel ihn mit seinem Spazierstock schlug. Er wandte sich ans Gericht, um den
Kleriker wegen Beleidigung zu verklagen.
Nicht weniger als vierunddreissig Zeugen, darunter der Bürgermeister, der
Gutsherr, mehrere Geistliche und der Marquis von Mirville, ein geachteter
Okkultist aus Paris, bestätigten den Richtern, dass die Störungen durch den
Poltergeist von Cideville echt waren. Sie stimmten alle darin überein, dass
die Jungen diese Erscheinungen nicht hervorgerufen haben konnten, und dem
Gericht blieb nichts anderes als der Schluss übrig: „Was immer die Wurzel
sein mag für die ungewöhnlichen Erscheinungen, die im Pfarrhaus von
Cideville auftraten - aus der Gesamtheit der erbrachten Zeugenaussagen wird
deutlich, dass die Ursache der Tatsachen unbekannt bleibt.” Thorels
Verfahren wurde eingestellt, weil er ja vorgeführt hatte, dass er ein Hexer
war, und daher den Cure kaum beschuldigen konnte, ihn dessen bezichtigt zu
haben. Es mag allerdings ein Trost für ihn gewesen sein, als die Eltern der
Jungen, die sich in Pater Tinels Obhut befanden, beschlossen, den Cure von
der Fürsorge für ihre Kinder zu entbinden. |