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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Chelmsford, Hexen von

In den historischen Berichten über das englische Hexenwesen rangiert die Stadt Chelmsford, Essex, auf einem der vorderen Plätze. Sie war Schauplatz wiederholter Ausbrüche der Hexenmanie, die diese Gegend von der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts an hundert Jahre lang in ihrer Gewalt hatte.
Der Schrecken nahm seinen Anfang im Juli 1566. Das erste urkundlich erwähnte Opfer des Hexengesetzes von 1563 und damit die zentrale Figur im ersten wichtigen Hexenprozess in England war Agnes Waterhouse, eine dreiundsechzigjährige Bauersfrau aus Hatfield Peverel. Agnes Waterhouse gestand, durch Zauberei und mit Unterstützung ihres Hausgeistes, einer Katze, die sie Sathan nannte, den Tod eines Mannes namens William Fynee verursacht zu haben. Vor Sir Gilbert Gerard, den obersten Vertreter der Anklagebehörde, gebracht, konnte sie zu ihrer Verteidigung nur wenig vorbringen und wurde als erstes von allzu vielen Opfern in der Gegend um Chelmsford zum Tod am Galgen verurteilt. Die Tatsache, dass kein Geringerer als Sir Gilbert Gerard über den Fall zu Gericht sass, liess den Prozess zu einem Präzedenzfall werden, an dessen Verfahrensweise sich viele spätere Richter gebunden fühlten. Die Zulassung unbestätigter Geständnisse, von Geisterbezeugungen, Zeugenaussagen von Kindern und die Anerkennung des Teufelsmals als Schuldbeweis setzten einen Massstab für viele Jahrzehnte, die noch kommen sollten.
Agnes Waterhouse war nicht die einzige Angeklagte. Neben ihr standen ihre Tochter Joan und Elizabeth Francis, die ebenfalls in Hatfield Peverel wohnten, vor Gericht. Elizabeth Francis war die erste Angeklagte, die man bezichtigte, unter anderem den Sohn eines William Auger krankgemacht und später eine Frau namens Mary Cocke mit einem Zauber belegt zu haben, deren Gesundheit sich dann in ähnlicher Weise verschlechtert habe. Elizabeth Francis kam relativ glimpflich davon: Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und musste mehrmals am Pranger stehen. Im Jahre 1579 wurde sie jedoch wegen Mordes an Alice Poole durch Hexerei angeklagt; man befand sie für schuldig, und sie wurde gehängt.
Elizabeth Francis gestand, im Alter von zwölf Jahren die Anfangsgründe der schwarzen Künste von ihrer Grossmutter erlernt zu haben. Von dieser Mother Eve genannten Frau, die zu dieser Zeit schon lange tot war, hatte sie Sathan, ihren weissgefleckten Katzen-Hausgeist, geerbt, den sie nach langen Jahren treuen Dienstes wiederum an Agnes Waterhouse weitergegeben habe. Durch Sathan sei Elizabeth Francis in den Besitz einer Schafherde gelangt und habe fast einen reichen Ehemann namens Andrew Byles an der Angel gehabt. Als Byles sich am Ende weigerte, sie zu heiraten, habe sie Sathan angewiesen, seinen Reichtum zu vernichten und Byles dann den Tod zu schicken, der dann auch bald eingetreten sei. Die Katze habe ihr später einen anderen Ehemann, Christopher Francis, gesucht, doch sei dann die Geburt eines Kindes nicht willkommen gewesen, und Sathan habe das Kind getötet. Ebenfalls auf Elizabeths Bitte habe die Katze, in eine Kröte verwandelt, ihren Mann lahm gemacht, indem sie sich in dessen Schuh versteckt und seinen Fuss berührt habe. Als die Katze dann bei Alice Waterhouse gewesen sei, habe sie den Tod von deren Feind William Fynee herbeigeführt, indem sie diesem eine zehrende Krankheit gebracht habe. Sathan habe auch verschiedene andere, unwesentliche Übeltaten vollbracht, die grösstenteils gegen das Vieh jener gerichtet waren, die Agnes Waterhouse Unrecht getan hätten.
Die achtzigjährige Joan Waterhouse sass vor allem wegen der Behauptungen eines zwölfjährigen Mädchens auf der Anklagebank, das ihr die Schuld an der Erkrankung seines rechten Armes und Beins gab. Der Höhepunkt der Aussage war die detaillierte Beschreibung eines schwarzen Hundes, hinter dem sich angeblich Sathan verbarg. Joan Waterhouse wurde jedoch freigesprochen.
Ein weiterer Ausbruch des Hexenfiebers kam 1S79 über Chelmsford, als Elizabeth Francis und drei andere vor John Southcote und Sir Thomas Gawdy, zwei angesehenen Richtern des Obersten Gerichts, erschienen. Bei der Beweisfindung ging man im wesentlichen wieder von den Aussagen der Angeklagten aus. Ellen Smith wurde schuldig gesprochen, durch Hexerei den Tod eines vierjährigen Mädchens herbeigeführt zu haben, und auch Alice Nokes wurde wegen ähnlicher Anschuldigungen zum Tode verurteilt und kam am Ende des Verfahrens zusammen mit Elizabeth Francis und Ellen Smith an den Galgen. Margery Stanton, die vierte Angeklagte, wurde von dem Verdacht, sie habe Vieh sterben lassen, freigesprochen.
Drei Jahre später fand in Chelmsford der berüchtigte Prozess gegen die Hexen von St. Osyth statt, bei dem es mehr Todesurteile gab. Ein weiterer Massenprozess folgte 1589, bei dem neun Frauen und ein Mann hauptsächlich wegen Mordes durch Hexerei vor Gericht standen. Der Prozess von 1589 gipfelte in der Hinrichtung von vier der Angeklagten, von denen drei - Joan Prentice, Joan Cony und Joan Upney - innerhalb von zwei Stunden nach dem Schuldspruch gehängt wurden. Vielleicht in der Hoffnung, in ihrer letzten Stunde begnadigt zu werden, gestanden die drei Frauen an der Hinrichtungsstätte ihre Verbrechen. Wie in zahlreichen vorausgegangenen Fällen, so gab es auch hier viele vernichtende Aussagen von Kindern, und die Anklage drehte sich um die Ausführung von Morden mit Hilfe von Hausgeistern. 1610 wurde in Chelmsford Katherine Lawrett aus Colne Wake in Essex angeklagt, durch Hexerei ein wertvolles Pferd umgebracht zu haben, das einem Francis Plaite gehörte.
Die Tatsache, das Chelmsford als Schauplatz von Hexenprozessen bereits traurige Berühmtheit erlangt hatte, trug viel dazu bei, den Bezichtigungen Matthew Hopkins', des selbsternannten obersten Hexenriechers, Glaubwürdigkeit zu verleihen. 1645 beschuldigte er ortsansässige Frauen, woraus sich eines der entsetzlichsten Beispiele der Hexenverfolgung des siebzehnten Jahrhunderts entwickeln sollte. Dieser vierte Massenprozess gegen vermeintliche Hexen in der Chelmsforder Gegend begann mit der Folter der körperlich behinderten Hexe Elizabeth Clarke aus Manningtree, der Tochter einer Hexe, die am Galgen gestorben war. Sie gestand, Hausgeister zu halten und sechs oder sieben Jahre lang mit dem Teufel geschlechtlich verkehrt zu haben. Sie zog fünf andere Frauen in den Fall hinein, die wiederum weitere Namen nannten; am 29. Juli 1645 wurden dann insgesamt zweiunddreissig Frauen vor das Grafschaftsgericht gebracht.
Die meisten der Beschuldigten wurden aufgrund ihrer Geständnisse angeklagt, die man ihnen beim Schwemmen und durch Schlafentzug abgezwungen hatte: Auf Hopkins' Anweisung liess man sie stundenlang ohne Pause im Schneidersitz auf einem Hocker sitzen oder bis zur Erschöpfung hin und herlaufen. Rebecca West, eine Verdächtige, wurde zu dem Geständnis „überredet”, sie habe den Teufel geheiratet; sie bezichtigte auch ihre Mutter Ann West - die früher einmal wegen Hexerei im Gefängnis gesessen hatte -, eine Hexe zu sein. Die anderen lieferten Beschreibungen von Kobolden, die Katzen, Mäusen und Eichhörnchen ähnelten. Um dem zusammengetragenen „Beweismaterial” mehr Gewicht zu verleihen, behauptete Hopkins, den Hausgeistern der Clarke aufgelauert zu haben, und berichtete gesehen zu haben, wie sich fünf von ihnen materialisiert und die Gestalt einer Katze mit Namen Holt, eines beinlosen Spaniels mit dem Namen Jarmara, eines Windhundes, der Vinegar Tom geheissen habe, eines kaninchenartigen Wesens mit Namen Sack and Sugar und eines Iltis mit Namen Newes angenommen hätten.
Die Frauen, die angeklagt waren, mittels Hexerei und/oder durch Geister getötet zu haben, hatten gegen Hopkins und dessen genaue Kenntnis der Hexengesetze nur geringe Chancen. Sie wurden unter Robert Rich, Graf von Warwick, und Sir Harbottle Grimston verurteilt, die für die Hopkinsschen Thesen höchst empfänglich waren. Nur eine der Angeklagten sprach man von allen Vorwürfen frei; neunzehn von den anderen Beschuldigten, darunter auch Elizabeth Clarke, wurden für ihre Verbrechen gehängt.

 

 

 

 

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