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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Bury St. Edmunds, Hexen von

Die Stadt Bury St. Edmunds in Suffolk, Ostengland, war Schauplatz zweier berüchtigter Hexenprozesse. Der erste fand 1645 auf Betreiben des selbsternannten obersten Hexenriechers Matthew Hopkins statt; der zweite, urkundlich belegte Fall kani 1662 vor den späteren Lordoberrichter Sir Matthew Haie.
Der Prozess vom August 1645 erreichte seinen Höhepunkt mit der Verhaftung von fast zweihundert Verdächtigen, deren bemerkenswertester ein älterer Geistlicher namens John Lowes aus dem Dorfssrandeston war. Lowes war bei seinen Gemeindemitgliedern unbeliebt, die Hopkins eifrig Gründe dafür lieferten, den unglücklichen Pfarrer anzuklagen, der verdächtigt wurde, unpopuläre Sympathien für das Königshaus zu hegen. Hopkins liess Lowes im Wassergraben des Schlosses Framlingham schwemmen und dann peinigen, indem man ihn zwang, mehrere Tage und Nächte lang fast pausenlos hin und herzulaufen (eine Hexenprobe oder ein sogenanntes Gottesurteil, das als Hexenspaziergang bezeichnet wurde), bis sich der Angeklagte in einem solchen Wahn befand, dass er bereit war, alle Arten verbotener Praktiken zu gestehen.
Aus diesen Geständnissen ging hervor, dass er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, mehrere Hausgeister gehalten und durch Zauberei vor Harwich ein Schiff zum Sinken gebracht und dabei vierzehn Leben vernichtet sowie andere Missetaten, darunter das Verderben von Vieh, vollbracht hatte. Einen Beweis für den Untergang eines Schiffes zur fraglichen Zeit erachtete man als unnötig, und obwohl Lowes sein Geständnis widerrief, sobald er sich von den Misshandlungen erholt hatte, starb der Geistliche zusammen mit weiteren siebzehn Verurteilten am Galgen. Da er es ablehnte, die Totenmesse für sich von einem Geistlichen lesen zu lassen, musste Lowes auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte die Worte selbst sprechen. Ein weiteres Opfer von Hopkins' Aktivitäten in Bury St. Edmunds war eine Frau, die für den durch Hexerei herbeigeführten heimtückischen Mord an ihrem Ehemann verbrannt wurde.
Der zweite Prozess gegen vermeintliche Hexen in Bury St. Edmunds fand im Jahre 1662 statt; er sollte einen starken Einfluss auf die richterlichen Entscheidungen in dem späteren Verfahren gegen die Hexen von Salem haben. In dem Fall ging es uni Rose Cullender und Amy Duny, zwei Witwen aus Lowestoft, die man zahlreicher Hexereien bezichtigte; sie sollten unter anderem mehrere Kinder behext haben, von denen eines starb. Die zwei Frauen hatten angeblich eine Läuseplage herbeigeführt, Kinder krank gemacht oder ihnen Anfallsleiden geschickt, Bauernkarren umkippen und Schornsteine einstürzen lassen. Ein weiterer schlagender Beweis hing mit einer Kröte zusammen, die man im Bettzeug eines Säuglings gefunden hatte. Die Kröte war auf Anraten eines Dr. Jacob aus Yarmouth ins Feuer geworfen worden. Kurz darauf hatte man Amy Duny angeblich mit versengten Armen gesehen.
Die belastenden Aussagen der Kinder, die behaupteten, die Frauen seien ihnen selbst während des Gerichtsverfahrens als Geister erschienen und hätten bei ihnen Lähmungen und das Erbrechen von Nadeln und Nägeln verursacht, waren besonders schwerwiegend. Als zusätzlichen Beweis für Hexerei verzeichnete das Gericht, dass die Kinder unter dem unheilvollen Einfluss von Amy Duny und Rose Cullender beim Namen Jesu Christi ins Stottern gerieten, als sie aus der Bibel vorlesen sollten, und schrieen, als eine der beiden Frauen sie berührte. Es wurde zudem merkwürdigerweise von der Mutter eines der beiden Kinder behauptet, Amy Duny habe Saugwarzen entblösst, uni ihre Hausgeister zu füttern.
Angesichts einer solchen Fülle von „Beweismaterial”, das durch Haies Bemerkung am Ende des Prozesses unterstützt wurde, es gäbe in so vielen Ländern Gesetze gegen Hexerei, also müsse sie existieren, zögerten die Richter nicht, die beiden Frauen schuldig zu sprechen. Obwohl sie ihre Unschuld beteuerten, wurden sie vier Tage später gehängt. In Wirklichkeit bestand das einzige Verbrechen der beiden unglücklichen Frauen, die für ihr hitziges Gemüt bekannt waren, wahrscheinlich darin, vage Drohungen gegen ihre Nachbarn ausgestossen zu haben, nachdem man ihnen verweigert hatte, einige Kleinigkeiten zu kaufen.
Hale, der die Hexerei bereitwillig als bewiesene Tatsache akzeptierte, war mit dem Ergebnis zufrieden. Später beklagte die gerichtliche Obrigkeit die Tatsache, dass man unbewiesenen Beschuldigungen Glauben geschenkt und die eindeutig betrügerischen Aussagen einiger Zeugen zugelassen hatte. Selbst während des Prozesses wiesen einige der Anwesenden auf den Betrug hin, als ein Mädchen bei einem Test versagte, der belegen sollte, dass eine Berührung von Amy Duny das Mädchen aufschreien liess: Man verband ihr die Augen, und sie schrie ebenso laut und bekam einen Anfall, wenn jemand anderes als Amy Duny sie anfasste. Der Prozessausgang befleckte auf immer den Ruf von Sir Matthew Hale, der eine der gefeiertsten Gestalten in der englischen Rechtsprechung gewesen war.
Bury St. Edmunds war jedoch auch Schauplatz eines anderen herausragenden Prozesses in der Geschichte des englischen Hexenwesens, der 1694 stattfand und bei dem der Oberrichter Sir John Holt Mother Munnings, eine vermeintliche Hexe, entschieden von dem Vorwurf freisprach, durch Hexerei jemanden getötet zu haben.

 

 

 

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