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Behexen einer Person oder
eines Tieres durch einen Blick. In der Vergangenheit war die Macht des bösen
Blicks sehr gefürchtet. Häufig bezichtigte man angebliche Hexen, dass durch
solche „Betörung”, Verletzungen oder gar der Tod hervorgerufen wurden. Zu
den bekannteren Prozessen gegen Personen, die angeblich einen
hypnotisierenden Blick ausgesandt hatten, zählen die Verfahren gegen Janet
Wishart, eine der Hexen von Aberdeen, gegen Elizabeth Device, die zu den
Hexen von Pendle gehörte, und gegen Bridget Bishop, eine der Hexen von
Salem.
Hinweise auf den bösen Blick sind in der Bibel, in den Schriften von Vergil
und in anderen Quellen der antiken Welt zu finden. Der englische Dämonologe
William Perkins war sich offensichtlich bewusst, dass diese Überlieferung
antike Ursprünge hatte. Er schrieb im späten sechzehnten Jahrhundert:
Es ist eine alte, allgemein anerkannte Meinung, dass bei boshaften und
übelgesinnten Menschen mit den Strahlen aus dem Auge schädliche und
bösartige Geister hervorkommen, die die Luft verpesten und nicht nur die
vergiften oder töten, mit denen sie täglich Umgang haben, sondern andere,
deren Gesellschaft sie oft suchen, wie stark, welchen Alters oder welchen
Aussehens sie auch immer sind.
Jeder, der schielte, ungleichmässige, tiefliegende oder verschiedenfarbige
Augen oder eine andere Anomalie ähnlicher Art zeigte, konnte wegen Behexens
mit dem bösen Blick angeklagt werden, besonders dann, wenn man ihn dabei
ertappt hatte, wie er eine Person anstarrte oder ihr einen strengen Blick
zuwarf. Bei Menschen mit stechend blauen oder grünen Augen war es angeblich
besonders wahrscheinlich, dass sie über die Macht des bösen Blicks
verfügten.
Abergläubische Menschen ergriffen einst bis ins einzelne ausgedachte
Massnahmen, um sich vor der Wirkung des bösen Blicks zu schützen (siehe
Hexenkugel). Kinder und Vieh, besonders Schweine, waren angeblich über die
Massen anfällig gegen solchen Zauber und mussten daher Amulette oder mit
Inschriften versehene Ringe tragen, um die Bedrohung abzuwehren. Eine
Gegenmassnahme war das Tragen einer Kordelschnur, die man beim Hersagen von
Namen der Macht mit Knoten versehen hatte. Als Amulette benutzte man
Korallenstücke, rote Bänder und Halsketten aus Blättern des Zehrkrautes, des
Bittersüssen Nachtschattens, des Waldnachtschattens oder Ketten aus blauen
Perlen.
Glaubte man trotz dieser Vorsichtsmassnahmen, dass ein durch den bösen Blick
hervorgerufener Zauber noch immer wirkte, dann konnte man versuchen, das
Unheil mit Beschwörungen abzuwenden. Im Notfall spuckte das Opfer deni
Schuldigen ins Auge. War durch den bösen Blick ein Tier ums Leben gekommen,
dann wurde dessen Kadaver verbrannt. Das sollte dem Schuldigen heftige
Schmerzen bereiten. Nadeln in das Bildnis einer Person zu stecken, die unter
dem Verdacht stand, über die Macht des bösen Blicks zu verfügen, sollte den
Zauber ebenfalls brechen. Auch das Zeichen des Kreuzes, die „Fica”, bei der
der Daumen zwischen die ersten beiden Finger der Faust gesteckt wird, oder
die "Teufelshörner", bei denen man die beiden mittleren Finger der Hand und
den Daumen nach unten hielt, und die in Richtung des Verdächtigen gezeigt
wurden, konnten den gleichen Effekt haben.
Wenn all das nichts half, dann suchte man Zuflucht bei einer weissen Hexe,
die dann meist einen ihrer Gegenzauber aussprach. Ein solcher Spruch aus dem
mittelalterlichen England lautete beispielsweise so:
Drei Betrüger hast du betrogen
Das Herz, das böse Auge und die üble Zunge. Drei Betrüger sollen deine
Entschädigung sein, Vater, Sohn und der Heilige Geist oder
Gottes Name.
In Anbetung der fünf Wunden unseres
Herrn.
Von einem auffallend ähnlichen Gegenzauber wurde im zwanzigsten Jahrhundert
in Spanien berichtet:
Drei haben dir Böses getan. Drei müssen weg.
Wer sind die drei Wesen der Heiligen Dreifaltigkeit?
Vater, Sohn und der Heilige Geist. Schäfer, der zur Quelle kam, Nimm weg den
bösen Blick
Von dem, auf den du ihn gerichtet hast.
Ganz anders war das Verfahren, mit dem die schottischen Hexen das Problem
lösten: „Geh zu einer Furt, die die Toten und die Lebenden überschreiten,
nimm Wasser davon, giesse es in ein Coggie – Trinkgefäss - mit drei Ringen
über einen Crosset - mittelalterliche Münze - und versprenge dann das Wasser
über das Opfer des bösen Blicks.”
Der Glaube an die Macht des bösen Blicks hat sich bis in die heutige Zeit
erhalten, in der man eine solche Fähigkeit oftmals Zigeunern und Wahrsagern
zuschreibt. In den dreissiger Jahren gab es über keinen geringeren als den
spanischen König Alfons XIII., der 1931 ins Exil ging, weitverbreitete
Gerüchte, die besagten, dass der König seine Feinde schädigen könne, indem
er ihnen einfach den bösen Blick schicke. |