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Französischer Jurist und
politischer Philosoph, der eine Reihe früher und sehr einflussreicher Bücher
über das Hexenwesen verfasste. Die Veröffentlichung von Bodins Werk De la
demonomanie des sorciers im Jahre 158o war ein Markstein in der Entwicklung
des Hexenwahns des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts, denn darin
setzte sich der Autor für ein viel eifrigeres Vorgehen gegen vermeintliche
Hexen ein, die Bodins Behauptungen zufolge unter der Leitung ihres Meisters,
des Teufels, einen Angriff auf die christliche Welt planten.
Bodin kritisierte unter anderem die Verbrennung von Hexen auf langsam
brennenden Scheiterhaufen, denn dabei stürbe der verurteilte Gefangene
gewöhnlich schon nach einer halben Stunde und entginge daher weiterer
Bestrafung. Er unterstützte auch Theorien, nach denen sich Hexen in Wölfe
verwandeln könnten und in der Lage seien, durch das Potenzzaubern an Männern
Schaden anzurichten. Konfrontiert mit der offensichtlichen Unmöglichkeit der
Vorstellung, dass Hexen fliegen könnten, wartete Bodin mit einer eigenen
genialen Erklärung auf. Danach flogen Hexen nur im Geiste auf ihren Besen,
während ihre Körper zu Hause blieben, um jene, die Verdacht gegen sie
hegten, zu täuschen.
In Bodins Augen war die Hexerei von solcher Natur, dass es hier schwieriger
als bei anderen Vergehen war, das Verbrechen nachzuweisen. Deshalb sollte
den Delinquenten der übliche gesetzliche Schutz verwehrt werden; die
Befrager sollten auch rechtswidrige Verfahrensweisen anwenden, indem sie die
Aussagen kleiner Kinder heranzogen, ihre Informanten durch Zusicherung von
Anonymität ermunterten und keine Person, die einmal angeklagt worden war,
freisprachen. Ein Richter, der einer verurteilten Hexe das Leben schenkte,
sollte selbst den Tod erleiden. Bodin lieferte auch eine der ersten
juristischen Definitionen einer Hexe: „Eine, die Gottes Gesetz kennt und
versucht, durch ein Abkommen mit dem Teufel Taten zu vollbringen.”
Manche Autoritäten zogen es vor, Bodin für seine Einfalt zu verachten und
ihn dafür zu verurteilen, dass er dazu beigetragen hatte, in ganz Europa die
Angst vor dem Hexenwesen anzufachen. Andere jedoch zeigten sich von den
Fähigkeiten Bodins beeindruckt. Sie akzeptierten seine Behauptungen und
zitierten sein Buch zur Rechtfertigung der Scheusslichkeiten, die im Namen
der Kirche und des Staates an angeklagten Hexen begangen wurden. Ein
umfangreicher Teil seines berühmtesten Werkes war genauen Ausführungen über
die Mittel gewidmet, mit deren Hilfe Verdächtige befragt, gefoltert,
verfolgt und zu Tode gebracht werden konnten, und Berichte deuten darauf
hin, dass er in Fällen, mit denen er selbst zu tun hatte, sogar das Foltern
von Kindern und Invaliden billigte.
Bodin starb in seiner Heimatstadt Angers an der Pest, doch sein Buch übte
auch in den Folgejahren weiterhin einen verderblichen Einfluss aus, und das
Ansehen und die Gelehrsamkeit des Verfassers liessen dessen Rufe nach
härtester Verfolgung der Hexen, wo immer man sie fand, auch weiterhin auf
offene Ohren treffen. |