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Hexenwesen, Hexerei, Magie
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Bavent, Madeleine Etwa 1607 –1647

Französische Nonne, die 1647, während der Herrschaft Ludwigs XIV., in Rouen als Hexe vor Gericht gestellt wurde. Sie war als Waise bei ihrem Onkel und ihrer Tante aufgewachsen, arbeitete von ihrem zwölften Lebensjahr an als Gehilfin bei einer Frau, die Kleidung für das örtliche Kloster herstellte, und war für ihr tief religiöses Wesen bekannt. In ihren Jugendjahren zog sie mit ihrer Schönheit die Aufmerksamkeit „Pater Bontemps”, eines Franziskanermönchs, auf sich, der kam, uni Madeleine und den übrigen Angestellten die Beichte abzunehmen. Er wurde Madeleines Geliebter.
Kurze Zeit später trat Madeleine in das einige Kilometer von Rouen entfernte Franziskanerkloster von Louviers ein, wo sie unter die Obhut des obersten Priesters, Pater Pierre David, kam. Pater David hatte etwas ungewöhnliche Vorstellungen über die Führung eines Klosters. Uni nach seinen Worten die Unschuld von Adam und Eva nachzuempfinden, bestand er darauf, dass die Nonnen zu ihren Gebeten nackt in die Kapelle kämen, und förderte nach Aussagen von Madeleine Bavent lesbische Beziehungen zwischen den Frauen, wobei er versicherte, dass jedes Tun entschuldbar sei, wenn der Heilige Geist die Seele erleuchtet habe.
Pater David, der Madeleine niemals wirklich verführte, obwohl er sich nach deren Worten „gewissen Liebkosungen und gegenseitiger Masturbation” hingab, starb 1628. Seinen Platz nahm Pater Mathurin Picard ein, der Davids Vorstellungen unterstützte und das Zelebrieren der Sexualität zum zentralen Thema des Dienstes der Nonnen an Gott machte. Madeleine als die Hübscheste unter den Nonnen wurde zur Königin dieses unorthodoxen Hexenzirkels ernannt und spielte - als Astarot angesprochen - die Hauptrolle in den verschiedenen orgiastischen Ritualen, die der als ein Gott namens Dagon verkleidete Picard ersonnen hatte. Solche Zeremonien erreichten ihren Höhepunkt, wenn Madeleine nackt auf den Altar gelegt wurde und Picard dann eine „Messe” auf ihrem Leib las, ehe er sie verführte, was jedoch nach Madeleines Angaben gegen deren Willen geschah.
Die Beteiligung an Picards Zeremonien blieb nicht ohne Folgen, und Madeleine brachte ein Kind zur Welt; allerdings ist unklar, was aus dem Kind wurde. Picard und andere ausgewählte Personen verführten auch mehrere andere Nonnen, die sie angeblich durch Liebestränke betört hatten, für die Leichenteile und Menstruationsblut verwendet worden sein sollten. Ein oder zweimal in der Woche fanden Hexensabbate statt, an denen Picard, dessen Gefährten, der Kaplan Pater Thomas Boulle, einige Nonnen und eine Ansammlung von Laien und angeblich auch Dämonen teilnahmen. Während der Rituale verspeiste man mitunter Menschenfleisch, und Madeleine wurde vergewaltigt oder anderweitig verführt. Auch ein vermeintlicher Dämon in Gestalt einer schwarzen Katze, die oft in ihrer Zelle lag und auf sie wartete, tat ihr Gewalt an.
Als Picard 1642 starb, nahm Boulle seinen Platz ein und arbeitete die Aktivitäten des Hexenzirkels in ganz ähnlicher Weise weiter aus. Die Nonnen jedoch begannen, offen Symptome dämonischer Besessenheit zu zeigen und ausserhalb der Klostermauern unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen. Neben anderen Äusserungen anormalen Verhaltens erschreckten die Schwestern Beobachter mit einer nicht abreissenden Flut von Obszönitäten und Blasphemien, mit der Demonstration des Abscheus vor geweihten Gegenständen und Sakramenten, mit lästerlichen Flüchen während der Gebete und mit dem Entblössen ihrer Geschlechtsteile in unanständigster Manier. Andere zeigten nahezu übermenschliche Stärke, doch stritten alles Wissen um die Geschehnisse während dieser „Anfälle” ab, wenn sie sich davon erholt hatten.
Das ungewöhnliche Leben der Nonnen von Louviers war ernsthaft bedroht, als eine der Nonnen, Schwester Anne, auf Madeleine eifersüchtig wurde und sie 1643 öffentlich beschuldigte, mit dem Teufel verkehrt zu haben. In einer Welle von psychosexueller Hysterie behaupteten mindestens vierzehn von vierundfünfzig Nonnen, sie seien vom Teufel besessen, und bezichtigten Madeleine Bavent, sie behext zu haben. Madeleine selbst erwiderte, dass, wenn sie schuldig sei, das gleiche dann für Schwester Anne und auch für die Mutter Oberin gelte.
Es wurden öffentliche Gottesdienste zum Zwecke der Teufelsaustreibung abgehalten. Die Nonnen zeigten sich der Lage schnell gewachsen; sie stellten Symptome von Hysterie zur Schau und bekamen Anfälle. Die sterblichen Überreste von Pater Picard wurden exhumiert und exkommuniziert.
Der Bischof von Evreux, der die Schwere des Skandals einzuschätzen wusste, liess Madeleine festnehmen und auf Hexenmale untersuchen. Man konnte jedoch keine sehen und unterwarf sie der Nadelprobe, um das Teufelsmal, einen schmerzunempfindlichen Punkt an ihrem Körper, zu finden. Wieder fand man nichts. Trotz des Mangels an derartigen „Beweisen” wurde Madeleine als Hexe angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt.
Madeleine Bavent wurde - vielleicht um zu verhindern, dass sie weitere schädigende Behauptungen aufstellte - in einer dumpfigen unterirdischen Zelle im Kloster der Ursulinerinnen in Rouen eingekerkert. Hier erhielt sie nur unzureichende Nahrung und wurde von den Gefängniswärtern und den Dienern des Bischofs regelmässig sexuell missbraucht. Ihre Selbstmordversuche schlugen fehl, und Madeleine legte vor dem Bischof ein volles Geständnis ab.
Nach Madeleines Geständnis wurde Pater Boulle, den man 1644 wegen des Vorwurfs der Hexerei verhaftet hatte, wegen Behexung der Nonnen zum Tode verurteilt. Nach der Folter wurde er auf einem Rost durch die Strassen von Rouen gezogen und dann am 21. August 1647 bei lebendigem Leib verbrannt. Seine Asche wurde in alle Winde verstreut. Die sterblichen Überreste von Pater Picard wurden öffentlich verbrannt, ebenso ein weiterer Geistlicher mit Namen Duval, nachdem Madeleine Bavent auch ihn in den Fall hineingezogen hatte. Das Kloster wurde geschlossen, die Nonnen in ein anderes geschickt.
Das Geständnis erleichterte Madeleine Bavents Lage nur wenig. Obwohl ein Zeuge zugab, dass er bezüglich der schwarzen Messen gelogen hatte, hielt man Madeleine weiterhin in Einzelhaft. Sie starb vierzigjährig, noch ehe das Jahr vergangen war.

 

 

 

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