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Lange Zeit stand das
baskische Gebiet in den Pyrenäen in dem Ruf, eine Brutstätte des Hexenwesens
zu sein, denn es war geographisch abgelegen von den Kulturen Spaniens und
Frankreichs und rief in beiden Ländern den Argwohn der Obrigkeit gegenüber
seinen Bewohnern hervor. Die Basken waren von der keltischen Kultur, die
dreitausend Jahre zuvor in Spanien und Frankreich geherrscht hatte, relativ
unberührt geblieben. Ähnlich geschützt war das Land auch vor der Invasion
der Römer unter Julius Cäsar gewesen, und so hatte es seine eigene Sprache
und sein Volksbrauchtum erhalten. Als dann das Christentum zu ihnen
gelangte, verbanden die Basken den neuen Glauben mit ihrem alten, und es
geschah, dass die Priester sonntags christliche Gottesdienste abhielten und
an Wochentagen die Riten für ihre älteren Götter leiteten.
Die Region wurde bereits im vierzehnten Jahrhundert offiziell als ein
Zentrum des Hexenwesens erwähnt. Damals standen die Dorfzauberer weithin in
dem Ruf, sich für ihre böswilligen Absichten gegenüber anderen der Magie zu
bedienen und Eigentum, Vieh und Ernte zu vernichten. Die katholischen
Gemeinden waren angeblich bekannt dafür, dass sie von ihren Priestern
verlangten, sich Mätressen zu halten wahrscheinlich um sie von den
Tändeleien mit einheimischen Frauen abzubringen. In einigen Gebieten, in
denen Kulte der Totenverehrung blühten, war christlichen Bischöfen die
Durchreise untersagt. Andere huldigten „La Dama”, einer mysteriösen
Berggöttin, von der man glaubte, sie habe aus einer früheren Religion
überlebt.
So war es denn unvermeidlich, dass die Inquisition ihr besonderes Augenmerk
auf die spanischen Basken richtete. Sie schleuste Spione ein und sandte
unbarmherzige Untersuchungsbeamte aus und hatte so wenig Mühe,
Beweismaterial zu erbringen, das die anfängliche Hypothese stützte, die
Gegend werde von den Horden des Satans beherrscht. Zahllose Angeschuldigte
machten detaillierte Geständnisse über Beziehungen zu Teufeln und Dämonen
und über andere Dinge. In den meisten Berichten hiess es, der Teufel
erscheine in Gestalt eines Ziegenbocks und manchmal als Maultier, obwohl er
mitunter auch die Gestalt eines Menschen annehme.
Im frühen siebzehnten Jahrhundert folgten die Franzosen dem Beispiel auf
ihrer Seite der Grenze und schickten 16o8 den Richter Pierre de Lancre nach
Bearn in die Region Pays de Labourd, uni die Verehrer der „heidnischen”
Götter auszurotten. Das tat er mit erschreckendem Eifer, wobei er für sich
in Anspruch nahm, innerhalb von vier Monaten sechshundert Hexen aus diesem
Landstrich hingerichtet zu haben. Das bekannteste unter Lancres Opfern war
der junge Geistliche Pierre Bocal, unter dessen Anleitung Gerüchten zufolge
christliche und nichtchristliche Zeremonien veranstaltet wurden. Die
Tatsache, dass Bocal eine Ziegenkopfmaske trug, wenn er die alten Götter der
Baskenregion anbetete, reichte als Beweis für seine Schuld aus, und so wurde
er 1609 im Alter von siebenundzwanzig Jahren bei lebendigem Leib als Hexer
verbrannt.
Die Hexenjäger behaupteten, die Gegend sei zu einem Versteck für die Dämonen
geworden, die die Missionare im fernen Osten ausgetrieben hätten. Es wurde
berichtet, dass sich in Bordeaux zwölftausend Hexen zu einem Hexensabbat
versammelt hätten, während es bei anderen derartigen Treffen angeblich gar
einhunderttausend gewesen seien. In vielen Fällen erlangte man Geständnisse
von Kindern, die Hunderte Menschen mit Behauptungen belasteten, sie hätten
an Sabbaten teilgenommen, schwarze Messen abgehalten, seien durch die Luft
geflogen, hätten Leichen gegessen, Feinde ermordet, Zaubersalben hergestellt
und sexuelle Beziehungen zum Teufel gehabt.
Am Ende war die Schlächterei in der Baskenregion, besonders unter de Lancre,
zu viel für die einheimische Bevölkerung. Als fünftausend Fischer von ihrer
Fahrt nach Neufundland zurückkehrten und entdeckten, dass viele ihrer
Nächsten umgekommen waren, rasten sie vor Zorn, und es gab weiteren
Verdruss, als de Lancre drei Priester verbrennen liess. De Lancre sah sich
zu dem Schluss veranlasst, die ganze Region sei vom verderblichen Einfluss
des Hexenwesens angesteckt, doch es gelang selbst ihm nicht, einen
Völkermord von solchem Ausmass auszuführen. |