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Magischer Gegenstand, den
eine Person direkt am Körper oder mit sich trug, um eine Bedrohung durch
Hexerei abzuwehren oder anderweitig Nutzen aus seinen übernatürlichen
Eigenschaften zu ziehen. Zu den beliebtesten neuzeitlichen Amuletten gehören
Achate und andere Edelsteine, denen man verschiedene Eigenschaften wie die
Erhaltung der Gesundheit zuschreibt. Zu den Amuletten, die die Menschen über
Jahrhunderte hinweg wegen ihrer Wirksamkeit bei der Abwehr von Hexerei und
anderem Bösen schätzten, gehörten neben einer Unmenge anderer Objekte kleine
Hufeisen, Zähne, Stücke vom Holz der Eberesche, Gegenstände aus Eisen,
Stücke von roter Schnur, Kreuze und Armreifen mit Zauberformeln.
Manche Amulette waren alltägliche, für jedermann erhältliche Gegenstände,
andere jedoch waren schon merkwürdiger: Erde von einem frischen Grab, die
als hochwirksam gegen Tuberkulose galt, oder von den Kämmen dreier Wellen
geschöpftes Wasser. Noch andere, wie etwa die Glückssteine oder
Glücksmünzen, waren aussergewöhnlich und wurden wegen ihrer schützenden
Eigenschaften im ganzen Land berühmt. In bestimmten Familien gab man sie
über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation weiter - und verlieh
sie manchmal auch gegen ein Entgelt an andere Menschen, die in Not waren.
Unter diesen zuletzt genannten Amuletten war auch das Hemd der frommen, aus
Ungarn gebürtigen Gemahlin des schottischen Königs Malcolm III., Königin
Margareta, die 1093 starb. Dieses Hemd, das die Jahre hindurch sorgfältig
erhalten wurde, galt als mächtiger Schutz gegen Behextheit und wurde 1452
für den zukünftigen König Jakob III. von Schottland, der damals noch ein
Säugling war, und 1512 wieder für Jakob V. als Wickeltuch benutzt.
Das Tragen von Amuletten wurde damals sehr in denjenigen Ländern empfohlen,
in denen das einfache Volk in der täglichen Angst umherging, Opfer des Bösen
Blicks zu werden. In ihrer Furcht vor Hexerei trugen die Menschen einst
Amulette aus kleinen Papierstücken bei sich, die mit frommen Worten wie dem
Vaterunser, dem Ave Maria oder dem Johannes-Evangelium beschrieben waren, da
man weithin glaubte, sie hielten das Böse fern. Andere legten ein Stück
Papier in ihren Schuh, auf das das Vaterunser geschrieben war. Obgleich von
dem katholischen Gottesgelehrten Thomas von Aquino gebilligt, fanden solche
Praktiken in protestantischen Ländern niemals Anklang.
Amulette - oder richtiger „Talismane”, da sie magische Kräfte wirken lassen
und nicht einfach nur das Böse abwenden sollten - wurden auch bei der
weissen Magie zu Heilzwecken benutzt. Zu ihnen gehörten seit jeher
prähistorische Pfeilspitzen aus Feuerstein und mit einem Loch versehene
Steine, die man auch ins Schlafzimmer oder in den Kuhstall gelegt haben mag,
um feindselige Geister abzuwehren. |