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Kräutermedizin

Heiltradition, die in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung mit der Hexerei, Astrologie und Alchemie in Zusammenhang stand. Sie geht bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück, in dem der chinesische Kaiser Shen-nung ein grundlegendes Werk über Kräuter mit dem Titel Pen Tsao verfasste. Darin pries er die Heilkräfte von Ginseng, Zimt und Maulbeerbaumrinde. Die alten Ägypter schätzten Olivenöl, Nelken, Myrrhe und Rizinusöl hoch und besassen profunde Kenntnisse von ätherischen Ölen zu Heilzwecken und zum Einbalsamieren. Im alten Griechenland kannte man ebenfalls den Wert der Kräutermedizin. In der Naturgeschichte des Plinius wird die Kräuterkunde auf den grossen Arzt Hippokrates zurückgeführt. Wahrscheinlich aufgrund der heidnischen Vorstellungen und vielen Hinweise auf die Heilkundegottheiten Apollo und Asklepios, die vom alten Griechenland in die mittelalterliche Welt einflossen, wurde ein Grossteil des Kräuterwissens im Mittelalter als unchristlich abgetan und mit Hexerei und Magie gleichgesetzt. In England vereinte Nicholas Culpeper in seinem Werk The English Physician Enlarged 1653 Astrologie, Magie und Kräuterkunde miteinander, und der Schweizer Kräuterkundige und Alchemist Paracelsus ordnete Pflanzen nach der Farbsymbolik der Blüten. Paracelsus war aber auch von der Heilkraft solcher Metalle wie Quecksilber und Antimon überzeugt. Merkwürdig mutet die mittelalterliche Auffassung an, bestimmte Kräutermischungen würden magische Kräfte verleihen. Ein Rezept von 1600 etwa gibt an, wie Olivenöl, Rosenwasser und Ringelblumen zusammenzumischen sind, um den Blick für Feen zu schärfen: »Die Rosen und Ringelblumen sind nach Osten hin zu pflücken, und das nötige Wasser sollte reines Quellwasser sein. Man gebe das gereinigte Öl in eine Phiole und füge Stockrosenknospen, Ringelblumenblüten, die Spitzen von wildem Thymian, junge Haselsprossen und Gras von einem Feenthron hinzu. Der Thymian muss in der Nähe eines Hügels gesammelt werden, wo sich Feen aufzuhalten pflegen. Die Flasche ist sodann drei Tage in die Sonne zu stellen, damit die Zutaten gut durchziehen. Hierauf stelle man sie zu fernerem Gebrauch fort ...« Inzwischen ist die Kräuterkunde in die moderne Naturheilkunde inkorporiert; yvunderliche Volksrezepturen wie die oben angegebene sind längst nicht mehr gebräuchlich in der Kräutermedizin. Doch sind viele der heutigen Naturheilkundler der Meinung, dass die Schulmedizin ungerechte Vorurteile gegen die Anwendung alter Heilmittel hege, und von Zeit zu Zeit werden noch immer Beschuldigungen wie »Hexenkünste« oder »Aberglauben»» erhoben. Die moderne Erbin der Kräutermedizin ist die wissenschaftlich fundierte Phythotherapie.

 

 

 

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