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Mythische Figur, die
weltweit in Sagen und Volksmärchen vorkommt und verschiedenste Bedeutung
hat. In der abendländischen und mittelöstlichen Mythologie waren Drachen
ursprünglich Wassergottheiten. Wie es oft heisst, weilten sie auf dem Grunde
des Meeres und bewachten kostbare Schätze; sie vermochten Feuer zu schnauben
sowie Donner und Blitz hervorzurufen und Regen zu bringen. Im westlichen
Kulturbereich galt der Drache meist als feindselig gegenüber Menschen und
mit den dunklen Mächten des Bösen verbunden.
Mittelalterliche Weise berichten von zahllosen Kämpfen zwischen edlen
Rittern und bösen Drachen. In der Offenbarung des Johannes kämpft Michael im
Himmel gegen ein schreckenerregendes Drachenungeheuer: Es hatte »zehn Hörner
und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen
Häuptern lästerliche Namen ... .
Im Osten hat der Drache eine positivere symbolische Bedeutung. Er galt im
allgemeinen als glücks-verheissend, stand auf besonders gutem Fuss mit
Königen und Kaisern und bewachte häufig die Kronsehätze. In China wurde er
zum Sinnbild kaiserlicher Macht. Laut Chuang-tzu stellte er die kosmische
Schwingung des Lebens schlechthin dar. Auch die Farbe der Drachen variiert
beträchtlich. In China waren sie entweder rot - die Farbe der Wissenschaft -
oder weiss - in Erinnerung an den Mond. Der vielköpfige Drache in der
Offenbarung ist ebenfalls rot, nur steht diese Farbe in der christlichen
Mythologie für grosses Unheil, für die Kräfte des Chaos und der Zerstörung.
In der altgriechischen Literatur wird der Drache erstmals in der Ilias
erwähnt, wo Agamemnon ein Schwertgehenk mit einem blauen Drachenmotiv und
einen Brustschild mit dreiköpfigem Drachenemblem trägt. Bei anderen Kulturen
gibt es gelbe, braune und schwarze Drachen. Etliche Völker haben Drachen
unterschiedlicher Gestalt, die sich oft aus mehreren Tieren zusammensetzt.
So hatte im alten Babylon ein bestimmter Drache Kopf und Hörner eines
Widders, die Vorderfüsse eines Löwen, einen Schlangenleib und Hinterbeine
wie ein Adler. Der chinesische Dichter Wang Fu schildert einen Drachen mit
dem Kopf eines Kamels, dem Geweih eines Hirsches, den Augen eines Dämonen,
den Ohren eines Stieres, dem Hals einer Schlange, dem Bauch einer Muschel,
den Schuppen eines Karpfen, den Klauen eines Adlers, den Sohlen eines Tigers
und langen Schnurrhaaren im Gesicht. Mittelalterliche Drachen hatten meist
gewaltige Rachen, glühende Augen, eine gespaltene Zunge, Adlerklauen und
Fledermausflügel. Die Drachen-Chimäre Homers vereint einen Löwen, eine
Schlange und eine Ziege in sich. Allen Drachen gemeinsam ist die ihnen
eigene schreckliche 1lacht. Als Personifikation der Urkraft mag er Menschen
gegenüber zwar das eine Mal freundlich, das andere Mal böse gestimmt sein,
aber in seiner Übernatürlichkeit und kosmischen Präsenz hat er weltweit die
gleiche Geltung. |