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Schon Georg Agricola
(1494-1555), der als Begründer der Montanwissenschaft gilt, betont, dass das
Vorhandensein dämonischer Berggeister durch die Erfahrung bestätigt werde.
In seinem Werk „De animantibus subterraneis“ (Von den Lebewesen unter Tage,
1549), in dem er von verschiedenen Tieren handelt, spricht er in einer
besonderen Gruppe von den Dämonen, d. h. den Berggeistern, die er damit
gleichsam in einen naturkundlichen Zusammenhang stellt.
In Schneeberg im Erzgebirge kennt er einen Dämon, „der, mit einer schwarzen
Kutte bekleidet, in der Grube St. Georg einen Arbeiter vom Boden hochhob und
in eine höhergelegene Strecke jener gewaltigen, einst silberreichen Höhlung
versetzte, nicht ohne ihn übel zuzurichten“. Hier ist wohl das Vorbild des
Bergmönchs zu sehen, der in der Erzähltradition der Bergwerkssagen eine
bedeutende Rolle spielt.
Andere Bergwerksdämonen besitzen mehr die Gestalt von Zwergen und werden
meist in Bergmannstracht mit Kittel, Kapuze, Arschleder vorgestellt; meist
necken sie die Bergarbeiter und sind hilfreich. Der solitär auftretende
Bergmönch ist boshaft, menschenfeindlich und stiftet Schaden, wo er kann. Er
ist meist von übermenschlicher Grösse. Man kennt ihn im Harz, im Erzgebirge,
in Sachsen und in Siebenbürgen. In den oberschlesischen Gruben trug der
Berggeist den Namen „Skarbnik“, Schatzhüter. Er begegnet als Steiger,
Bergmann oder Männlein. Er liegt vor Ort am Gestein, auch als Maus. Sein
Verhalten ist ambivalent. Manchmal grausam, er ist aber öfter freigiebig,
leutselig, warnt und hilft.
Die Gestalt und Bekleidung des Berggeistes als Mönch ist vor allem vor dem
Hintergrund, „dass der Bergmönch fast nur in evangelischen Bergbaugebieten
bekannt ist“ recht ungewöhnlich. Es liegt nahe, Kapuze und Kutte des
Bergmönchs aus der älteren Bergmannstracht (Kittel und Kapuze, die einer zur
Arbeit geschürzten Kutte eines Mönchs ähnlich war) herzuleiten. In den
Bergstädten des Oberharzes ist der anthropomorphe Dämon als Mönch gewandet
und wird auch so benannt, wenn er in anderer Gestalt erscheint.
Durch Luther wird der Bergmönch (wie fast alle dämonischen Gestalten des
Volksglaubens) diabolisiert. Luther, der an einen persönlichen und sehr
realistischen Teufel glaubte, wurzelt damit ganz in den Vorstellungen seiner
Zeit, wenn er alles Unglück und negative Erscheinungen des Menschenlebens
dem Wirken des Teufels zuschreibt. Olaus Magnus übernimmt diese Vorstellung
und bildet den Berggeist folgerichtig mit den Attributen des Teufels ab.
In der „Bergchronik“ von H. Hake ist 1583 die Rede von einem „Bergteuffel,
den die Bergleut dass Berg Mänlein nennen, in einer gestalt eines grossen
Mönchs“. Diese Kontamination verschiedener Benennungen und
Vorstellungsweisen ist für den Volksglauben typisch; sie zeigt, wie unklar
der Phänotyp des Dämons ist und wie er jeweils nur in der aktuellen
Situation realisiert wird.
Unter dem Einfluss der „Deutschen Sagen“ der Brüder Grimm (1816/18), wo von
dem „Berg-Mönch im Harz“ erzählt wird, der den Knappen nie versiegendes Öl
für ihre Lampen schenkt, wandelt sich der Charakter des Bergmönchs von einem
ursprünglich grausamen Dämon zu einer freundlichen Gestalt. In den nach 1816
erscheinenden Sagensammlungen treten neue Motive zur Gestalt des Bergmönchs
hinzu, und es ist eine Entmythisierung festzustellen; im 19. Jh. ist er
nicht mehr allein ein Grubengeist, sondern ein universaler Dämon. |