|
Das Wort ist von dem
angelsächsischen und niederdeutschen alf, elf abgeleitet, meint also
ursprünglich die mythischen Elfen der angelsächsischen und altnordischen
Überlieferung.
Unter der Bezeichnung Alb werden im Volksglauben sehr unterschiedliche
Vorstellungen zusammengefasst, die sich auch in der Vielzahl regionaler
Benennungen niederschlagen.
Aus der zunächst freundlichen Gestalt entwickelte sich schon früh die
Vorstellung eines heimtückischen, bedrückenden Wesens, das unter den
verschiedensten Bezeichnungen in den einzelnen Landschaften bekannt ist: in
Hessen, Franken, Thüringen, Sachsen als Alb, im Oberdeutschen
(Bayerisch-Österreichischen) als Trut, Drud, in der Schweiz als Toggell oder
Doggl, im Niederdeutschland als Mahr, im schwäbischen und alemannischen Raum
als Schrättele, Schratt (daneben auch schwäbisch Druckerle) und im
ostfriesischen und oldenburgischen Raum als Walrider, Walriderske.
Der Alb ist ein nächtlicher Druckgeist, der den sogenannten Alpdruck
(Alptraum) erzeugt. Er legt sich dem Schlafenden auf die Brust und drückt
ihn fast bis zum Ersticken. Dabei werden oft erotische Träume erlebt, die
zur Identifizierung des Alb als weiblicher Dämon (Hexe, Drud) führen. Die
Gestalt des Druckgeistes ist in keiner Weise fest umrissen. Er/Sie kann als
Gegenstand (weisse Feder), als Tier (Katze) oder in menschlicher Gestalt
(schönes Mädchen) erscheinen. Gerade die Verwandlungsfähigkeit ist
charakteristisch für den Alb.
Neben der Vorstellung, ein Mensch müsse sich aufgrund bestimmter
schicksalhafter Veranlagung in einen Alb verwandeln, gibt es den Glauben an
den Alb als Seele in Tiergestalt (Albmaus), die den Körper verlasse, um
einen anderen zu drücken. Ebenso kann es ein Wiedergänger sein, der drücken
muss, während in Osteuropa der Alb auch in Gestalt des Vampirs erscheinen
kann, der an den Brüsten von Kindern, Männern und Frauen saugt.
Die erotische Komponente des Alpdrucks ist bedeutsam. Bereits in Vintlers „Pluemen
der Tugent“ heisst es, dass der Alb die Leute minnt. In den meisten Fällen
handelt es sich um gegengeschlechtliche Begegnungen, d. h. Frauen werden von
einem männlichen, Männer (und zwar meist Junge) werden von einem weiblichen
Alb, der als nacktes junges Mädchen erscheint, heimgesucht. Oft ist auch von
Zungenküssen die Rede, und der (weibliche) Alb drückt einen Burschen so
lange, bis ein Samenerguss erfolgt.
Die Freudsche Psychoanalyse erklärt den Alptraum als „auf einem heftigen
seelischen Konflikt“ beruhend, „dessen Mittelpunkt eine verdrängte
Komponente des psychosexuellen Trieblebens bildet“. Andere rationale
Deutungen sehen Alpträume durch übermässige Belastung des Magens verursacht,
und die moderne Medizin sieht neben dem erotischen Anteil der Druckangst
diese vor allem durch Atemnot (Angina pectoris) verursacht.
Wie sich die Alb-Vorstellung im Verlaufe ihrer Entwicklung von der Antike
bis in die Moderne zahlreicher Motive bemächtigt, so zeigen auch die
Abwehrmassnahmen gegen den Alb und das Alpdrücken ihre Herkunft aus
verschiedenen kulturellen Schichten. Sie reichen von magischen Abwehrmitteln
über christliche Benediktionen bis hin zu rationalen Handlungen. Weit
verbreitet ist die Verwendung des magischen Drudenfusses oder des
Schrattengatterls, an denen der Alb nicht vorbeikommt. Als Abwehrzauber legt
sich der Schlafende einen Spiegel auf die Brust oder stellt die Schuhe
verkehrtherum an das Bett, da der Alb gezwungen ist, in die Fussstapfen
seines Opfers zu treten. Christliche Abwehrmittel sind Gebete (Albsegen),
Weihwasser, Reliquien, Kreuze (Drudenmesser) usw. Schliesslich kann man das
Kommen des Albs durch praktische Mittel verhindern, indem man das
Schlüsselloch verschliesst oder sich im Bett herumdreht, da der Alptraum
meist in der Rückenlage erlebt wird. Rationalistischer ist schon die
Empfehlung, ein Licht anzuzünden, da der Alb die Helligkeit scheut.
Da der Druckgeist gewöhnlich eine Verwandlungsgestalt ist, besteht die
Möglichkeit, ihn durch verschiedene Praktiken in seine wahre Gestalt
zurückzuverwandeln und ihn sichtbar zu machen. Man verstopft das Loch, durch
das er ins Zimmer eingedrungen ist, dann muss er sich bei Sonnenaufgang in
seiner Gestalt zeigen; ein festgehaltener Strohhalm, eine Feder, wird dann
zu einem Mädchen. Oder man verletzt den tiergestaltigen Alb, und am nächsten
Tag erscheint eine Nachbarin oder der Nachbar mit ähnlichen Verletzungen.
In manchen Fällen kann man die albende Person erlösen, indem man sie beim
Namen nennt oder ihr ein anderes Opfer (Pferd, Baum) zum Drücken überlässt.
Zweifellos handelt es sich bei der Alb-Vorstellung um ein allgemein
verbreitetes Phänomen, das bereits den Naturvölkern und in der Antike
bekannt war. Da die anthropologischen Voraussetzungen dieses physischen
Phänomens weitgehend vergleichbar sind, kann man von einer polygenetischen
Entstehung dieser Vorstellung auf einer bestimmten kulturellen
Entwicklungsstufe sprechen. |