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Das Wort Zodiak ist
abgeleitet von zodion, einer Verkleinerungsform von zoon, „Tier"
(„Lebewesen"). Es hat eine zweifache Bedeutung und kann sich auf den
feststehenden, gedachten oder auf den beweglichen, natürlichen Tierkreis
beziehen. „In der Astronomie", so sagt die Wissenschaft, „ist der Zodiak ein
imaginäres Band am Himmel, 16° oder 18° breit, durch dessen Mitte der Pfad
der Sonne (die Ekliptik) verläuft." Er enthält die zwölf Konstellationen,
die die zwölf nach ihnen benannten Tierkreiszeichen bilden. Das
Zodiakallicht ist die langgezogene, leuchtende, dreieckförmige Erscheinung,
die fast in der Ekliptik liegt, mit ihrer Basis auf dem Horizont und ihrer
Spitze in grösserer oder geringerer Höhe, und die nur während der Morgen-
und Abenddämmerung zu sehen ist. So wie die Beschaffenheit dieses Lichtes
der Wissenschaft völlig unbekannt ist, waren der Ursprung und der wirkliche
Sinn und die okkulte Bedeutung des Zodiak für alle, mit Ausnahme der
Initiierten, ein Mysterium, und das sind sie noch heute. Die Initiierten
bewahrten ihre Geheimnisse gut.
Zwischen dem chaldäischen Astronomen und dem modernen Astrologen liegt bis
heute eine weite Kluft. Die Astrologen irren, mit den Worten Al Bumasars,
„zwischen den Polen und himmlischen Angelpunkten, mitten unter
Exzentrischen, Zentren, Konzentrischen, Kreisen und Epizykloiden" umher und
beanspruchen vergeblich mehr als nur weltliches menschliches Können. Doch
einige von ihnen, von Tycho Brahe und Kepler in ihrer Eigenschaft als
Astrologen bis hinab zu den modernen Zadkiels und Raphaels, haben es
verstanden, aus solch dürftigem okkultem Stoff, über den sie seit Ptolemaios
verfügten, eine wundervolle Wissenschaft zu machen. Der eigentliche
astrologische Zodiak ist ein imaginärer Kreis, der in der Ebene des Äquators
die Erde umgibt und dessen Anfangspunkt bei 0' Aries (Widder) genannt wird.
Der Kreis ist in zwölf gleiche Abschnitte eingeteilt, die
„Tierkreiszeichen'', von denen jedes 30° des Raumes umfasst. Auf ihm wird
die Rektaszension himmlischer Körper gemessen.
Der bewegliche oder natürliche Zodiak ist eine Aufeinanderfolge von
Konstellationen, die ein Band von 47° in der Breite bilden und nördlich und
südlich der Ebene der Ekliptik liegen. Die Präzession der Äquinoktien (das
Vorrücken der Tagundnachtgleichen) wird durch die „Bewegung" der Sonne durch
den Raum verursacht, die die Konstellationen sich mit einer Geschwindigkeit
von 501/3 Winkelsekunden pro Jahr entgegen der Reihenfolge der Zeichen
scheinbar fortbewegen lässt. Eine einfache Rechnung zeigt, dass bei dieser
Geschwindigkeit die Konstellation Taurus (Stier, hebräisch Alef) auf das
erste Tierkreiszeichen zu Beginn des Kali-Yuga fiel und dass folglich der
Äquinoktialpunkt in dieser Konstellation lag. Zu diesem Zeitpunkt markierte
ferner Leo (Löwe) die Sommersonnenwende, Scorpio (Skorpion) das
Herbstäquinoktium und Aquarius (Wassermann) die Wintersonnenwende. Und diese
Tatsachen bilden den astronomischen Schlüssel für die Hälfte der religiösen
Mysterien der Welt - das christliche System mit eingeschlossen.
In Indien und Ägypten war der Zodiak seit unermesslichen Zeitaltern bekannt,
und das Wissen der Weisen (Magier) dieser Länder im Hinblick auf den
okkulten Einfluss der Sterne und Himmelskörper auf unsere Erde war weit
grösser, als die weltliche Astronomie jemals zu erreichen hoffen kann. Wenn
selbst heute, da die meisten Geheimnisse der Asuramayas und der Zoroaster
verloren sind, noch vollauf gezeigt wird, dass Horoskope und
Individualastrologie weit davon entfernt sind, auf Dichtung zu beruhen, und
wenn Männer wie Kepler und sogar Sir Isaac Newton glaubten, dass Sterne und
Konstellationen das Schicksal unseres Globus und seiner Menschheiten
beeinflussen, so bedarf es keiner grossen Anstrengung, zu glauben, dass
Menschen, die in alle Mysterien der Natur ebenso wie in die Astronomie und
Astrologie eingeweiht waren, genau wussten, in welcher Weise Nationen, die
Menschheit, ganze Völker ebenso wie Individuen, von den sogenannten
„Tierkreiszeichen" beeinflusst werden. |