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Xisuthros oder Ziusudra
war Berosos zufolge der letzte der zehn Könige von der Dynastie der
göttlichen Könige und der „Noah" Chaldäas. Wie also Vishnu dem Manu
Vaivasvata die kommende Sintflut voraussagt, ihn vorher warnt und ihm
gebietet, eine Arche zu bauen, in der er und sieben Rishis gerettet werden,
so sagt der Gott Ea dasselbe dem Xisuthros vorher und befiehlt ihm, ein
Schiff auszurüsten und sich selbst mit wenigen Auserwählten zu retten.
Diesem Beispiel folgend, wiederholt der Herr Gott von Israel nahezu 800 000
Jahre später Noah gegenüber die Warnung. Welches ist also die ursprüngliche
Geschichte?
Die Geschichte des Xisuthros, die mittlerweile aus den assyrischen Tafeln
entziffert ist, bekräftigt das, was Berosos, Apollodoros, Abydenos und
andere über die chaldäische Sintflut berichten. Die Tafel XI von G. Smith
Chaldean Account of Genesis beinhaltet jeden Punkt, der in den Kapiteln
sechs und sieben der Genesis behandelt wird: die Götter, die Sünden der
Menschen, den Befehl, eine Arche zu bauen, die Flut, die Zerstörung der
Menschen, die Taube und den Raben, die von der Arche ausgesandt werden, und
schliesslich den Berg der Rettung in Armenien (Nisir-Ararat) – alles ist
vorhanden. Die Worte „der Gott Ea hörte, und seine Leber war erzürnt, weil
seine Menschen seine Reinheit verdorben hatten", und der Bericht über die
Vernichtung all seiner Nachkommen wurden auf Steintafeln eingeritzt, viele
Tausende von Jahren bevor die Assyrer sie auf ihre gebrannten Ziegel
kopierten, und selbst diese gehen dem Pentateuch mit hoher Sicherheit
zeitlich voraus, den Esra kaum vier Jahrhunderte v. Chr. „aus dem Gedächtnis
aufschrieb".
Laut Alexander Polyhistor berichtet Berosos in der Geschichte von den zehn
Königen folgendes: „Nach dem Tod des (neunten Königs) Ardates regierte
dessen Sohn Xisuthros achtzehn Saren lang (1 Saros entspricht 3 600 Jahren).
In seiner Zeit ereignete sich eine grosse Sintflut." Xisuthros wurde von
seiner Gottheit vor dem bevorstehenden Kataklysmus in einer Vision gewarnt.
Die Gottheit wies ihn an, eine Arche zu bauen, seine Verwandten zusammen mit
all den verschiedenen Tieren, Vögeln usw. in sie hineinzubringen und sich
den ansteigenden Wassern anzuvertrauen. Xisuthros gehorchte der göttlichen
Warnung, und es wird geschildert, dass er genauso handelte wie Noah viele
tausend Jahre nach ihm. Er sandte vom Schiff Vögel aus, die zu ihm
zurückkehrten; dann sandte er sie ein paar Tage später nochmals aus, und sie
kehrten mit Schlamm an ihren Füssen zurück; doch beim dritten Mal kamen sie
nicht mehr zu ihm zurück. Xisuthros strandete schliesslich auf einem hohen
Berg in Armenien, stieg herab und errichtete den Göttern einen Altar. Erst
hier weichen die polytheistischen und die monotheistischen Legenden
voneinander ab. Nachdem Xisuthros die Götter angebetet und ihnen für die
Rettung gedankt hatte, verschwand er, und seine Begleiter „sahen ihn nicht
mehr". Die Geschichte teilt uns mit, dass Xisuthros und seine Familie
aufgrund seiner grossen Frömmigkeit entrückt wurden, um mit den Göttern zu
leben, wie er selbst den Überlebenden mitteilte. Denn obwohl sein Körper
gegangen war, war seine Stimme in der Luft zu hören. Die Stimme setzte sie
von dem Ereignis in Kenntnis und ermahnte sie, nach Babylon zurückzukehren
und Tugend, Religion und die Götter gebührend zu achten. Dies ist
verdienstvoller, als Weinstöcke zu pflanzen, vom Saft der Trauben betrunken
zu werden und den eigenen Sohn zu verfluchen. |