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Die Veden sind die
heiligen Schriften der Hindus, die ältesten und auch die heiligsten
Sanskritwerke. Sie sind die „Offenbarung", „göttliches Wissen", abgeleitet
von der Wurzel vid, „wissen". Über ihre Datierung und ihr Alter sind sich
keine zwei Orientalisten einig, doch nach Angaben der Hindus selbst, deren
Brahmanen und Pandits am besten über ihre eigenen religiösen Werke
unterrichtet sein müssten, wurden sie zuerst Tausende von Jahren lang
mündlich gelehrt und dann an den Ufern des Sees Manasa-sarovara
(auszusprechen: Mansarovara) jenseits des Himalaya in Tibet
zusammengestellt. Wann geschah dies?
Während ihre religiösen Lehrer, wie Svamin Dayananda Sarasvati, für sie ein
Alter von vielen Tausenden von Jahren beanspruchen, wollen moderne
Orientalisten ihnen in ihrer gegenwärtigen Form kein höheres Alter
zugestehen als etwa zwischen 1000 und 2000 v. Chr. Jedoch so, wie sie in
ihrer endgültigen Form von Veda-Vyasa zusammengestellt wurden, ordnen ihnen
die Brahmanen selbst einmütig das Datum 3 100 Jahre v. Chr. zu, die Zeit, in
der Vyasa wirkte. Deshalb müssen die Veden so alt wie dieses Datum sein. Ihr
hohes Alter ist zudem ausreichend durch die Tatsache bewiesen, dass sie in
einer so alten Form des Sanskrit geschrieben sind - das sich von dem heute
benutzten Sanskrit erheblich unterscheidet -, dass es in der Literatur
dieser ältesten Schwester aller bekannten Sprachen, wie Professor Max Müller
sie nennt, kein vergleichbares Werk gibt. Nur die gelehrtesten der
brahmanischen Pandits können die Veden im Original lesen.
Einige Orientalisten machen geltend, dass Colebrooke die Datierung 1 400 v.
Chr. voll und ganz durch einen von ihm entdeckten Abschnitt bestätigt fand,
der auf astronomischen Daten beruht. Doch alle Orientalisten und auch die
Hindu-Pandits zeigen einmütig:
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Die Veden sind nicht
das Werk eines einzelnen - ebensowenig wie jeder einzelne Veda -,
sondern jeder Veda und nahezu jede Hymne und jeder Abschnitt ist das
Erzeugnis verschiedener Autoren.
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Die Veden sind (ob
als Sruti, „Offenbarung", oder nicht) in verschiedenen Perioden der
ethnologischen Entwicklung der indo-arischen Rasse geschrieben worden.
Was beweist dann Colebrookes Entdeckung? Sie beweist nur, dass die Veden
vierzehn Jahrhunderte vor unserer Ära endgültig angeordnet und
zusammengestellt wurden. Doch dies widerspricht in keiner Weise ihrem
hohen Alter. Ganz im Gegenteil, denn als Gegendarstellung zu Colebrookes
Textstelle gibt es einen fundierten Artikel von Krishna Sastrin Godbole
(Bombay), der auf der Grundlage rein astronomischer Daten ebenso
eindeutig beweist, dass die Veden vor mindestens 25 000 Jahren gelehrt
worden sein müssen.
Diese Aussage wird
unterstützt oder doch zumindest nicht widerlegt durch Professor Cowell, der
im Appendix VII von Elphinstones History of India sagt: „Zwischen den
verschiedenen Hymnen, die in ihrer gegenwärtigen Form jetzt als die Samhita
des Rig-Veda vereinigt sind, besteht ein Altersunterschied; aber wir haben
keine Daten, um ihr relatives Alter zu bestimmen, und eine rein subjektive
Beurteilung, ohne zuverlässige Daten, hat in anderen Fällen derart oft
fehlgeschlagen, dass wir all ihren Schlussfolgerungen in einem so neu
eröffneten Forschungsgebiet wie dem der Sanskritliteratur nur wenig trauen
können. (Die vedische Literatur ist bis heute längst nicht vollständig
gedruckt und ins Englische übersetzt worden.) Die noch unentschiedenen
Kontroversen über die Homerischen Gedichte können mit gutem Grund davor
warnen, unserem Urteil in bezug auf die noch älteren Hymnen des Rig-Veda zu
sehr zu vertrauen.
…Wenn wir diese Hymnen untersuchen, …sind sie hochinteressant in bezug auf
die Geschichte des menschlichen Denkens, denn sie gehören tatsächlich zu
einer wesentlich älteren Phase als die Gedichte Homers oder Hesiods.
Die vedischen Schriften sind alle in zwei grosse Abteilungen eingeteilt,
eine exoterische und eine esoterische Karma-kanda, die „Abteilung der Taten
oder Werke“, ist der Name der exoterischen Abschnitte, während Jnana-kanda,
„die Abteilung des (göttlichen) Wissens“ bzw. die Upanishaden, als
esoterisch eingestuft werden. Beide Abteilungen gelten als Sruti oder
Offenbarung. Jeder Hymne des Rig-Veda ist der Name des Sehers oder Rishis
vorangestellt, dem sie offenbart wurde. Allein aufgrund des Zeugnisses
dieser Namen (wie Vasishtha, Visvamitra, Narada usw.), die allesamt Menschen
gehören, die in verschiedenen Manvantaras und sogar Zeitaltern geboren
wurden, wird deutlich, dass zwischen den Perioden ihrer Abfassung
Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende vergangen sein müssen. |