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Triratna oder Ratnatraya,
die „Drei Juwelen", ist der technische Ausdruck für die bekannte Formel
„Buddha, Dharma und Samgha". Heute wird Dharma als „religiöses Gesetz" und
Samgha als die „Priesterschaft" interpretiert, doch aus der Sicht der
Esoterischen Philosophie ist dies eine sehr freie Wiedergabe. Die Worte
„Buddha, Dharma und Samgha" sollten wie in den Tagen Gautamas, des Herrn
Buddha, ausgesprochen werden: „Bodhi, Dharma und Samgha", und ihre Bedeutung
sollte als „Weisheit, ihre Gesetze und ihre Priester" wiedergegeben werden.
Hierbei sind die Priester als „spirituelle Vertreter" oder Adepten zu
verstehen. Da Buddha jedoch als personifizierter „Bodhi" auf Erden
betrachtet wurde, als ein wahrer Avatara des Adi-Buddha, wurde Dharma im
Laufe der Zeit als sein eigenes besonderes Gesetz angesehen und Samgha als
seine eigene besondere Priesterschaft.
Nichtsdestoweniger haben die Uneingeweihten der späteren (jetzt modernen)
Lehren ein grösseres Mass an natürlicher Intuition gezeigt als die
eigentlichen Interpreten des Dharma, die buddhistischen Priester. Das Volk
sieht das Triratna in den drei Statuen des Amitabha, des Avalokitesvara und
des Maitreya-Buddha - d. h. in „Grenzenlosem Licht" oder Universaler
Weisheit, einem unpersönlichen Prinzip, das die richtige Bedeutung von
Adi-Buddha ist; im „Höchsten Herrn" der Bodhisattvas, Avalokitesvara; und in
Maitreya-Buddha, dem Symbol des irdischen und menschlichen Buddha, des „Manushya-Buddha".
Folglich würden, selbst wenn die Uninitiierten diese drei Statuen „die
Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft" nennen, doch alle
Anhänger des wahren philosophischen Buddhismus - die Eitel (Sanskrit-Chinese
Dictionary) als „atheistisch" bezeichnet - den Ausdruck „Triratna" richtig
erklären.
Der Philosoph der Yogachara-Schule würde zutreffend sagen: „Dharma ist keine
Person, sondern eine unbedingte und elternlose Wesenheit, die die
spirituellen und materiellen Prinzipien des Universums in sich vereint,
während aus Dharma durch Emanation Buddha hervorging (vielmehr
,reflektierter` Bodhi). Dieser ist die schöpferische Energie, die in
Verbindung mit Dharma den dritten Faktor in der Trinität hervorbrachte: ,Samgha`,
der die umfassende Gesamtheit allen wirklichen Lebens ist." Samgha ist also
nicht das - und kann es nicht sein -, was jetzt darunter verstanden wird:
die eigentliche „Priesterschaft", denn diese ist nicht die Gesamtheit allen
wirklichen Lebens, sondern nur die des religiösen Lebens. Die wirkliche
ursprüngliche Bedeutung des Wortes Samgha bezieht sich allein auf die Arhats
oder Bhikshus, auf die „Initiierten", d. h. auf die wirklichen Vertreter des
Dharma - des göttlichen Gesetzes und der Weisheit, die als ein reflektiertes
Licht aus dem einen „grenzenlosen Licht" zu ihnen kommt. Dies ist seine
philosophische Bedeutung.
Und doch, weit entfernt davon, die Gelehrten der westlichen Nationen
zufriedenzustellen, scheint diese Bedeutung sie nur zu irritieren. So
äussert E. J. Eitel hierzu: „Auf diese Weise ist das Dogma von einem
Triratna, das aus drei ursprünglichen Glaubensartikeln hervorgegangen ist
und einst in der Vorstellung von drei Personen, einer Trinität in der
Einheit, gipfelte, zu einer metaphysischen Theorie von der Evolution dreier
abstrakter Prinzipien degeneriert"! Und wenn einer der fähigsten
europäischen Gelehrten jedes philosophische Ideal dem groben
Anthropomorphismus opfern will, was kann der Buddhismus mit seiner subtilen
Metaphysik dann von seiten der unwissenden Missionare erwarten? |