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Thot

Einer der geheimnisvollsten und am wenigsten verstandenen Götter ist Thot, dessen besonderer Charakter sich völlig von dem aller anderen alten Gottheiten unterscheidet. Während Osiris, Isis, Horus und die übrigen Gottheiten vielfach miteinander in Beziehung stehen und teilweise austauschbar sind, so dass ihre Individualität fast verlorengeht, bleibt Thot von der ersten bis zur letzten Dynastie nahezu unverändert. Er ist der Gott der Weisheit und hat Autorität über alle anderen Götter. Er ist der Aufzeichner und der Richter. Sein Ibis-Kopf, die Feder und die Tafel des himmlischen Schreibers, der die Gedanken, Worte und Taten der Menschen aufzeichnet und sie auf der Waage wiegt, lassen den Vergleich mit dem Typus der esoterischen Lipikas zu. Sein Name erscheint als einer der ersten auf den ältesten Monumenten. Er ist der lunare Gott der ersten Dynastien und der Meister des Kynokephalos - des hundeköpfigen Affen, der in Ägypten ein lebendiges Symbol und eine Erinnerung an die dritte Wurzelrasse war.
Als „Herr von Hermupolis" vereint Thot Janus, Hermes und Merkur. Er ist mit dem Atef und der Mondscheibe gekrönt und trägt das „Auge des Horus", das dritte Auge, in der Hand. Er ist der griechische Hermes, der Gott der Gelehrtheit, und Hermes Trismegistos, der „dreimal grosse Hermes", der Schutzherr der Naturwissenschaften und der Schutzherr und die wahre Seele des okkulten esoterischen Wissens.
J. Bonwick, F. R. G. S., beschreibt sehr treffend: „Thot ... hat eine mächtige Wirkung auf die Imagination ... in diesen verwickelten und doch schönen phantastischen Bildern des Denkens und des Moralempfindens aus jener schattenhaften Vergangenheit. Vergeblich fragen wir uns, wie denn der Mensch in der Kindheit dieser Welt der Menschheit, in der Primitivität der angeblich erst beginnenden Zivilisation, von solch einem himmlischen Wesen wie Thot hat träumen können. Die Linien sind so feinfühlend gezogen, so innig und geschmackvoll verwoben, dass wir ein Bild zu betrachten scheinen, das von dem Genius eines Milton entworfen und mit der Kunstfertigkeit eines Raphael ausgeführt wurde." Wahrhaftig, es lag etwas Wahrheit in der alten Redensart „die Weisheit der Ägypter". ... „Wenn die Gattin des Chephren, des Erbauers der zweiten Pyramide, eine Priesterin des Thot war, wie sich herausgestellt hat, so erkennen wir, dass die in ihm inbegriffenen Ideen bereits vor 6 000 Jahren festgehalten wurden".
Gemäss Platon „war Thot-Hermes der Entdecker und Erfinder der Zahlen, der Geometrie, der Astronomie und der Wissenschaft". Proklos, der Schüler des Plotin, sagt über diese geheimnisvolle Gottheit: „Er herrscht über jede Art von Zustand, der uns aus diesem sterblichen Wohnsitz zu einer mit dem Verstand fassbaren Essenz führt, und regiert die verschiedenen Heerscharen von Seelen." Mit anderen Worten, Thot war als der Registrator und Aufzeichner des Osiris in Amenti, der Gerichtshalle der Toten, eine psychopompische Gottheit. Iamblichos deutet an, dass „das Kreuz mit einem Henkel (das Tau), das Thot in seiner Hand hält, nichts anderes war als das Monogramm seines Namens". Neben dem Tau tragt Thot als das Urbild des Merkur den Schlangenstab, das Emblem der Weisheit, den Stab, der zum Merkurstab wurde. Bonwick sagt: „Hermes war in einem mystischen Sinn die Schlange selbst. Er gleitet wie jenes Geschöpf geräuschlos, ohne erkennbare Anstrengung durch den Lauf der Zeitalter. Er ist ... ein Vertreter des gestirnten Himmels. Doch er ist der Feind der schlechten Schlange, denn der Ibis verschlang die Schlangen Ägyptens".


 

 

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