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Ursprünglich war ein
Rabbi ein Lehrer der geheimen Mysterien, der Kabbala, später wurde jeder
Levit der priesterlichen Kane ein Lehrer und ein Rabbiner. W. Westcott gibt
die Reihe der kabbalistischen Rabbis folgendermassen an:
Akiba
Rabbi Akiba war der Autor eines berühmten kabbalistischen Werkes, das Das
Alphabet des Rabbi Akiba genannt wurde und das jeden Buchstaben als Symbol
einer Idee und Sinnbild eines Gefühls behandelt. Das Buch Henoch war
ursprünglich ein Teil dieses Werkes, das am Ende des achten Jahrhunderts
erschien. Es war keine rein kabbalistische Abhandlung.
Simeon ben Jochai (gest. um 70-80 n. Chr.)
Um den Namen Simeon ben Jochai ranken sich das Mysterium und die Dichtung
über den Ursprung der Kabbala als ein Geschenk der Gottheit an die
Menschheit. Die Überlieferung besagt, dass die Kabbala eine göttliche
Theosophie war, die von Gott zuerst einer Gesellschaft von Engeln gelehrt
wurde, und dass Adam einige kurze Einblicke in ihre Vollkommenheit gewährt
wurden; dass die Weisheit von ihm auf Noah überging; von diesem auf Abraham,
von dem die Ägypter seiner Zeit einen Teil der Lehre lernten. Moses erhielt
eine Teilinitiation in seinem Geburtsland, und diese wurde durch direkte
Verbindung mit der Gottheit vervollkommnet. Von Moses ging sie auf die
siebzig Älteren des jüdischen Volkes über, und von diesen wurde das
theosophische System von Generation zu Generation weitergegeben. Vor allem
David und Salomon wurden Meister dieser verborgenen Lehre.
Es wurde kein Versuch unternommen - so die Überlieferung —, das heilige
Wissen zu Papier zu bringen, bis zu dem Zeitpunkt der Zerstörung des zweiten
Tempels durch Titus, als Rabbi Simeon ben Jochai aus dem belagerten
Jerusalem entkam und sich in einer Höhle verbarg, in der er zwölf Jahre
blieb. Hier wurde er, der bereits ein Kabbalist war, von dem Propheten Elias
weiter unterwiesen. Hier lehrte Simeon seine Jünger, und seine Hauptschüler,
Rabbi Elieser und Rabbi Abha, brachten jene Lehren zu Papier, die in
späteren Zeitaltern als der Sohar bekannt und in Spanien durch Rabbi Moses
de Leon um 1280 zweifellos erneut veröffentlicht wurden. Um den Ursprung der
Legende hat unter den gelehrten Rabbis Europas jahrhundertelang ein
erbitterter Streit getobt, und es erscheint völlig hoffnungslos zu erwarten,
dass jemals eine genaue Entscheidung über die Frage getroffen wird, welcher
Teil des Sohar, wenn überhaupt einer, so alt wie Simeon ben Jochai ist.
Gabirol, Salomo ben Jehuda (1020 - 1070)
Ibn Gabirol, ein berühmter hebräischer Rabbi, verfasste die Hymne Keter
Malchut oder „Königliches Diadem", die etwa im Jahre 1050 erschien. Dieses
wunderschöne Gedicht, das die kosmischen Lehren des Aristoteles darstellt,
bildet heute noch einen Teil des jüdischen Sondergottesdienstes für den
Abend vor dem grossen jährlichen Versöhnungstag. Dieser Autor ist auch als
Avicebron bekannt.
Moses Maimonides (1135 - 1204)
Moses Maimonides war ein berühmter hebräischer Rabbi und Autor, der den
Gebrauch von Zaubern und Amuletten verdammte und gegen die kabbalistische
Verwendung der göttlichen Namen Einspruch erhob.
Isaak der Blinde (gest. 1235)
Rabbi Isaak der Blinde aus Posquières war der erste, der (um 1200) die
theosophischen Lehren der Kabbala in Europa öffentlich lehrte.
Azariel ben Menachem (um 1160)
Rabbi Azariel ben Menachem war der Autor eines Kommentars zu den zehn
Sefirot, der das älteste vorhandene rein kabbalistische Werk ist, wenn wir
den Sefer Jezira ausser acht lassen, der zwar älter ist, sich aber nicht mit
den kabbalistischen Sefirot beschäftigt. Er war der Schüler von Isaak dem
Blinden, dem angeblichen Vater der europäischen Kabbala, und er war der
Lehrer des ebenso berühmten Rabbi Moses Nachmanides.
Abulafia (1240 - 1290)
Rabbi Abulafia von Saragossa gründete eine nach ihm benannte Schule der
Kabbala. Seine Hauptwerke waren Die Sieben Pfade des Gesetzes und Der Brief
an Rabbi Salomon.
Moses de Leon (ca. 1250 - 1305)
Moses de Leon, ein jüdischer Rabbi im 13. Jahrhundert, war der Herausgeber
und erste Verleger des Sohar oder „Glanzes", des berühmtesten aller
kabbalistischen Bande, der fast als einziger zu grösseren Teilen ins
Englische übersetzt wurde. Der Sohar soll in der Hauptsache das Erzeugnis
des noch berühmteren Rabbi Simeon ben Jochai sein, der in der Regierungszeit
des Kaisers Titus lebte.
Moses de Leon wird beschuldigt, den Sohar zusammengestellt, ihn jedoch als
das wahre Werk des Simeon ben Jochai ausgegeben zu haben. Sein vollständiger
Name wird in Myers Qabbalah als Rabbi Moses ben Schemtov de Leon aus Spanien
angegeben, und derselbe Autor beweist sehr klug, dass Moses de Leon nicht
der Autor des Sohar war. Wenige werden sagen, er sei es gewesen, doch jeder
muss Moses de Leon verdächtigen, das ursprüngliche Buch des Glanzes (Sohar)
beträchtlich entstellt zu haben. Diese Sünde kann er jedoch mir den
mittelalterlichen „christlichen Kabbalisten" teilen, und besonders mit Knorr
von Rosenroth. Sicherlich kann weder Rabbi Simeon noch seinem Sohn, Rabbi
Elieser, noch seinem Sekretär, Rabbi Abba, zur Last gelegt werden, in den
Sohar rein christliche Dogmen und Lehren eingefügt zu haben, die einige
Jahrhunderte nach dem Tod der vorgenannten Rabbis von den Kirchenvätern
erfunden wurden. Dies würde die angebliche göttliche Weissagung ein wenig zu
weit treiben.
Gikatilla (1248 - 1305)
Rabbi Gikatilla war ein ausgezeichneter Kabbalist, der um 1300 wirkte. Er
schrieb die berühmten Bücher Der Nussgarten, Das Tor zu den Vokal-Punkten,
Das Mysterium des glänzenden Metalls und Die Tore der Rechtschaffenheit und
legte besonderen Wert auf die Benutzung der Gematria, des Notarikon und der
Temura.
Moses Botarel (geb. um 1480)
Rabbi Moses Botarel war der Autor eines berühmten Kommentars zum Sefer
Jezira. Er lehrte, dass durch asketisches Leben und den Gebrauch von
Anrufungen die Träume eines Menschen prophetisch gemacht werden könnten.
Moses Cordovero (1522 - 1570)
Rabbi Moses Cordovero war der Verfasser einiger kabbalistischer Werke von
beträchtlichem Ruf: Ein Süsses Licht, Das Buch der Abgeschiedenheit und Der
Granatapfelgarten. Das letztgenannte Werk ist unter dem Titel Tractatus de
Animo ex libro Pardes Rimmonim auf Latein in Knorr von Rosenroths Kabbala
Denudata veröffentlicht worden. Cordovero ist erwähnenswert, weil er der
streng metaphysischen Linie anhing und den Wunder wirkenden Zweig
ignorierte, den Rabbi Sabbatai Zevi ausübte, der dabei fast umgekommen wäre.
Isaak Luria (1534 - 1572)
Rabbi Isaak Luria, dessen Name auch Loria geschrieben und der nach seinen
Initialen auch Ari genannt wurde, gründete um 1560 eine Schule der Kabbala.
Er schrieb keine Werke, doch seine Schüler sammelten seine Lehren, und Rabbi
Chajim Vital veröffentlichte sie.
Chajim Vital (1543 - 1620)
Rabbi Chajim Vital, der grosse Erklärer der Kabbala, wie sie Rabbi Isaak
Luria lehrte, war der Autor eines der berühmtesten Werke, das Ez Chajim oder
Baum des Lebens genannt wird. Aus diesem Werk hat Knorr von Rosenroth das
Buch über die Reschit ha Gilgulim entnommen, die Revolutionen der Seelen
oder das Schema der Reinkarnationen.
Sabbatai Zevi (1626 - 1676)
Rabbi Sabbatai Zevi war ein sehr berühmter Kabbalist, der über das Dogma
hinausging und einen grossen Ruf als Thaumaturg errang, indem er durch die
göttlichen Namen Wunder wirkte. Später beanspruchte er Messiasschaft und
fiel in die Hände des türkischen Sultans Mohammed IV. Er wäre ermordet
worden, rettete jedoch sein Leben, indem er die mohammedanische Religion
annahm.
Akademie der Rabbis
Die Akademie der Rabbis war eine Lehranstalt in Babylon, die während der
frühen Jahrhunderte des Christentums am Gipfel ihres Ruhmes stand. Ihr Ruhm
wurde jedoch beträchtlich dadurch getrübt, dass in Alexandria hellenische
Lehrer wie Philo Judaeus, Josephus, Aristobulos und andere auftraten. Die
Rabbis rächten sich an ihren erfolgreichen Rivalen, indem sie von den
Alexandrinern als von Theurgen und unreinen Propheten sprachen. Doch die
alexandrinischen Anhänger der Thaumaturgie wurden nicht als Sünder oder
Betrüger betrachtet, wenn orthodoxe Juden an der Spitze solcher Schulen der
„Hasim" standen, an denen Weissagung und okkulte Wissenschaften gelehrt
wurden. Samuel war das Oberhaupt einer solchen Lehranstalt in Rama; Elisa in
Jericho. Hillel hatte eine regelrechte Akademie für Propheten und Seher, und
als Schüler der babylonischen Akademie gründete er die Sekte der Pharisäer
und der grossen orthodoxen Rabbis. |