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Porphyrios (234-301/05)

Porphyrios war ein Neuplatoniker und ein herausragender Schriftsteller, der als Lehrer und Philosoph nur Plotin nachsteht. Er wurde vor der Mitte des dritten Jahrhunderts n. Chr. in Tyros geboren, denn er bezeichnete sich ja selbst als Tyrer, und soll einer jüdischen Familie angehört haben. Obwohl selbst durch und durch hellenisiert und ein Heide, scheint sein Name Malkos (König) darauf hinzuweisen, dass er semitisches Blut in seinen Adern hatte. Moderne Kritiker betrachten ihn sehr richtig als den philosophisch praktischsten und sachlichsten aller Neuplatoniker.
Als ausgezeichneter Schriftsteller war er besonders berühmt aufgrund seiner Kontroverse mit Iamblichos hinsichtlich der Übel, die mit der Praxis der Theurgie einhergehen. Er wurde jedoch schliesslich zu den Ansichten seines Gegners bekehrt. Als ein geborener Mystiker folgte er, wie auch sein Meister Plotin, der reinen indischen Raja-Yoga-Schulung, die zur Vereinigung der Seele mit der Oberseele oder dem Höheren Selbst (Buddhi-Manas) führt. Er beklagt jedoch, dass er trotz all seiner Anstrengungen diesen Zustand der Verzücktheit erst mit sechzig Jahren erreichte, während Plotin ein Meister darin war. Dies rührte wahrscheinlich daher, dass Porphyrios seine gesamte Zeit Betrachtungen über den Einfluss der Philosophie auf das praktische Leben widmete, während sein Lehrer das physische Leben und den Körper mit der grössten Verachtung betrachtete und die philosophische Forschung auf diejenigen Regionen beschränkte, in denen Leben und Denken ewig und göttlich werden. „Das Ziel der Philosophie ist bei ihm die Moral", sagt ein Biograph, „wir könnten fast sagen: Heiligkeit – die Heilung der Schwächen des Menschen, das Verleihen eines reineren und kraftvolleren Lebens. Blosses Wissen, wenn es auch wahr ist, ist nicht an sich ausreichend; Wissen hat als sein Ziel Leben im Einklang mit Nous" – „Vernunft", wie der Biograph übersetzt. Da wir jedoch Nous nicht als Vernunft, sondern als Gemüt oder das göttliche ewige Ego im Menschen interpretieren, würden wir die Idee esoterisch übersetzen und sie lauten lassen: „das okkulte oder geheime Wissen hat als sein Ziel irdisches Leben im Einklang mit Nous oder unserem immerwährenden reinkarnierenden Ego". Dies wäre mit Porphyrios' Idee eher vereinbar, wie es auch mit der Esoterischen Philosophie übereinstimmt.
Von all den Neuplatonikern näherte sich Porphyrios am meisten der wahren Theosophie, wie sie jetzt von der östlichen Geheimschule gelehrt wird. Dies zeigen alle modernen Kritiker und Autoren, die über die alexandrinische Schule schreiben, denn „er vertrat die Ansicht, dass die Seele so weit wie möglich von den Banden der Materie befreit werden sollte, ... bereit sein sollte, ... den gesamten Körper zu überwinden". Er empfiehlt, Abstinenz zu üben, indem er sagt, dass „wir wie die Götter wären, wenn wir uns der pflanzlichen ebenso wie der tierischen Nahrung enthalten könnten". Er akzeptiert mit Widerstreben Theurgie und mystische Beschwörung, da diese „nicht die Macht haben, das noetische (manasische) Prinzip der Seele zu reinigen": Theurgie kann „nur den niederen oder psychischen Teil reinigen und ihn dazu befähigen, niedere Wesen wie z. B. Spirits, Engel und niedere Götter wahrzunehmen". Das gleiche lehrt Theosophie. „Beschmutze nicht die Gottheit", fügt er hinzu, „mit den nichtigen Vorstellungen von Menschen; das, was für immer gesegnet ist (Buddhi-Manas), wirst du nicht beeinträchtigen, doch du wirst dich selbst für die Wahrnehmung der grössten und wesentlichsten Wahrheiten blenden". „Wenn wir von den Angriffen böser Geister frei sein wollen, müssen wir uns von denjenigen Dingen rein halten, über die böse Geister Macht haben, denn sie greifen nicht die reine Seele an, die keine Anziehung zu ihnen hat". Dies ist wieder unsere Lehre. Die Kirchenväter hielten Porphyrios für den erbittertsten und mit dem Christentum unversöhnlichsten Feind.
Schliesslich: Porphyrios wie – Augustinus zufolge – alle Neuplatoniker „rühmten Christus, während sie das Christentum geringschätzten"; Jesus, so behaupteten sie —und dies ist auch die Ansicht der modernen Theosophie -, „sagte selbst nichts gegen die heidnischen Gottheiten, sondern wirkte mit ihrer Hilfe Wunder". „Sie konnten ihn nicht, wie seine Jünger es taten, Gott nennen, aber sie ehrten ihn als einen der besten und weisesten Menschen". Doch „selbst im Sturm der Auseinandersetzung scheint kaum ein Wort gegen das private Leben des Porphyrios geäussert worden zu sein. Sein System schrieb Reinheit vor, und ... er praktizierte sie".


 

 

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