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Musaron Oannes, der
Annedotos, ist in den chaldäischen „Legenden", die Berosos und andere antike
Autoren überlieferten, als der „Mensch-Fisch" Dag oder Dagon bekannt. Oannes
kam als ein Reformer und Unterweiser zu den frühen Babyloniern. Er tauchte
aus dem Erythräischen Meer auf und brachte ihnen Zivilisation, Schrift und
Wissenschaften, Recht, Astronomie und Religion, lehrte sie Ackerbau,
Geometrie und die Künste im allgemeinen. Es gab Annedotoi, die nach ihm
kamen, fünf an der Zahl (und unsere Rasse ist die fünfte), „alle der Gestalt
nach wie Oannes und dasselbe lehrend", doch Musaron Oannes erschien als
erster, und dies geschah zur Regierungszeit des Ammenon, des dritten der
zehn vorsintflutlichen Könige, deren Dynastie mit Xisuthros endete, dem
chaldäischen Noah.
Oannes war „ein Tier, das mit Verstand begabt war, ... dessen Körper der
eines Fisches war, das aber einen menschlichen Kopf unter dem des Fisches
hatte und auch Füsse, ähnlich denen eines Menschen, die unter dem
Fischschwanz angefügt waren, und dessen Stimme und Sprache auch verständlich
und menschlich waren" (Alexander Polyhistor und Apollodoros). Dies gibt den
Schlüssel zur Allegorie und weist Oannes als einen Menschen und „Priester"
aus, als einen Initiierten. Layard zeigte vor langer Zeit, dass der
„Fischkopf' eine Kopfbedeckung war, die Mitra, die von Priestern und Göttern
getragen wurde. Sie war in der Gestalt eines Fischkopfes angefertigt, und
noch heute sehen wir sie in einer sehr geringfügig geänderten Form auf den
Köpfen hoher Lamas und römisch-katholischer Bischöfe. Osiris trug solch eine
Mitra. Der Fischschwanz ist die Schleppe eines langen steifen Mantels, wie
er auf einigen assyrischen Tafeln dargestellt ist, und wir sehen die Form in
dem priesterlichen Goldtuchgewand nachgebildet, das die griechischen
Priester von heute während des Gottesdienstes tragen.
Die Allegorie des Oannes, des Annedotos, erinnert an die „Drachen-" und
„Schlangen-Könige", die Nilgas, die in buddhistischen Legenden an Seen und
Flüssen die Menschen in Weisheit unterrichten und die schliesslich zum guten
Gesetz bekehrt und zu Arhats werden. Die Bedeutung ist offensichtlich. Der
„Fisch" ist ähnlich wie „Wasser" ein altes und sehr vielsagendes Symbol in
der Mysteriensprache. Ea oder Hea war der Gott des Meeres und der Weisheit,
und die Seeschlange war eines seiner Sinnbilder, wahrend seine Priester
„Schlangen" oder Initiierte waren. So sehen wir, weshalb der Okkultismus
Oannes und die anderen Annedotoi zur Gruppe jener alten „Adepten" zählt, die
„Meeres-" oder „Wasserdrachen" genannt wurden - Nagas. Das Wasser
versinnbildlichte ihren menschlichen Ursprung (da es ein Symbol der Erde und
Materie und auch der Reinigung ist), im Unterschied zu den „Feuer-Nagas"
oder den immateriellen spirituellen Wesen, seien es himmlische Bodhisattvas
oder planetarische Dhyanins, die ebenfalls als Unterweiser der Menschheit
betrachtet werden.
Die verborgene Bedeutung wird dem Okkultisten klar, sobald ihm gesagt wird,
dass „dieses Wesen (Oannes) den Tag gewöhnlich unter Menschen verbrachte und
unterrichtete; und wenn die Sonne untergegangen war, zog er sich wieder in
das Meer zurück und weilte die Nacht über in der Tiefe, denn er war
amphibisch", d. h., er gehörte zwei Ebenen an: der spirituellen und der
physischen. Das griechische Wort amphibios bedeutet „Leben auf zwei Ebenen",
von amphi, „auf beiden Seiten", und bios, „Leben". Das Wort wurde im
Altertum oft auf jene Menschen angewandt, die zwar noch eine menschliche
Gestalt trugen, sich aber durch Wissen fast göttlich gemacht hatten und
ebensosehr in den spirituellen übersinnlichen Bereichen lebten wie auf der
Erde. Oannes spiegelt sich schwach in Jonas wider und sogar in Johannes, dem
Vorläufer, die beide mit Fisch und Wasser verbunden waren. |