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In der Esoterischen
Philosophie unterscheidet sich der Begriff Nirmanakaya vollkommen von der
populären Bedeutung, die ihm allgemein beigelegt wird, sowie von den
Vorstellungen der Orientalisten. Einige Orientalisten nennen den
Nirmanakaya-Köper „Nirvana mit sterblichen Resten" (Schlagintweit usw.),
wahrscheinlich in der Annahme, dass er eine Art von nirvanischem Zustand
ist, in dem Bewusstsein und Form beibehalten werden. Andere sagen, er sei
einer der Trikea (drei Körper) und besitze die „Macht, jegliche
Erscheinungsform anzunehmen, um Buddhismus zu verbreiten". Ferner sagen sie,
dass „er der inkarnierte Avatara einer Gottheit ist" und so fort.
Demgegenüber sagt die Esoterische Philosophie, dass das Wort Nirmanakaya
zwar wörtlich als „geformter Körper" übersetzt werden kann, dass der
Nirmanakaya aber ein Zustand ist. Seine Gestalt ist die des Adepten oder
Yogins, der in jenen nachtodlichen Zustand eintritt oder ihn wählt und ihn
damit dem Dharmakaya oder absoluten nirvanischen Zustand vorzieht. Er tut
dies, weil der letztere Kea ihn für immer von der Welt der Form trennt und
ihm einen Zustand selbstsüchtiger Seligkeit verleiht, an dem kein anderes
Lebewesen teilhaben kann, so dass der Adept von der Möglichkeit
ausgeschlossen ist, der Menschheit und selbst den Devas zu helfen. Als ein
Nirmanakaya lässt der Mensch jedoch nur seinen physischen Körper hinter
sich. Er behält jedes andere „Prinzip" ausser dem kamischen - denn dieses
hat er während seines Lebens für immer aus seiner Natur vertrieben, und es
kann in seinem nachtodlichen Zustand niemals wieder aufleben. So wählt der
Adept, anstatt in selbstsüchtige Seligkeit einzugehen, ein Leben der
Selbstaufopferung, eine Existenz, deren Lebenszyklus nur endet, um den
Adepten zu befähigen, der Menschheit unsichtbar, jedoch in sehr wirksamer
Weise zu helfen.
Ein Nirmanakaya ist also nicht, wie allgemein angenommen wird, der Körper,
„in dem ein Buddha oder ein Bodhisattva auf Erden erscheint", sondern
wahrhaftig jemand, der während des Lebens wahrscheinlich ein Chutuktu oder
ein Chubilghan, ein Adept oder ein Yogin war und seitdem ein Mitglied jener
unsichtbaren Schar geworden ist, die zu allen Zeiten innerhalb der
karmischen Grenzen über die Menschheit wacht und sie beschützt. Während er
oft fälschlich für einen „Geist", einen Deva oder für Gott selbst gehalten
wird, ist ein Nirmanakaya immer ein schützender, mitleidsvoller, ein wahrer
Schutzengel für den, der seiner Hilfe würdig wird. Welche Einwände auch
immer gegen diese Lehre vorgebracht werden mögen und wie sehr sie auch
geleugnet wird - denn sie ist wahrhaftig bisher niemals in Europa
veröffentlicht worden, und da sie deshalb den Orientalisten unbekannt ist,
muss sie notwendigerweise „ein Mythos moderner Erfindung" sein -: niemand
wird so anmassend sein zu sagen, dass diese Vorstellung, der leidenden
Menschheit um den Preis der eigenen fast endlosen Selbstaufopferung zu
helfen, nicht eine der grossartigsten und edelsten ist, die jemals aus dem
menschlichen Gehirn entwickelt wurden. |