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Magie

Magie, die grosse „Wissenschaft", wurde Devéria und anderen Orientalisten zufolge von den ältesten, zivilisiertesten und gelehrtesten Nationen „als eine geheime Wissenschaft betrachtet, die von Religion nicht trennbar ist". Die Ägypter beispielsweise waren eines der aufrichtigsten religiösen Völker, ebenso wie es die Hindus waren und noch sind. „Magie besteht aus und wird erworben durch die Anbetung der Götter", sagt Platon. Könnte dann eine Nation, die dem unwiderlegbaren Zeugnis der Inschriften und Papyri zufolge erwiesenermassen Tausende von Jahren fest an Magie geglaubt hat, eine so lange Zeit getäuscht worden sein? Und ist es wahrscheinlich, dass Generationen um Generationen einer gelehrten und frommen Hierarchie von Priestern, von denen viele ein Leben des Selbstmärtyrertums, der Heiligkeit und des Asketenrums führten, damit fortgefahren waren, sich selbst und das Volk (oder auch nur das letztere) zu täuschen, allein aus Freude, den Glauben an „Wunder" immerwährend zu erhalten? Fanatiker, so wird gesagt, werden alles tun, um dem Glauben an ihre Götter oder Idole Geltung zu verschaffen. Darauf erwidern wir: In diesem Fall hatten die Brahmanen und die ägyptischen Rech-chet-Amen oder Hierophanten nicht den Glauben an die Macht des Menschen verbreitet, die Dienste der Götter durch magische Praktiken zu befehlen. Diese Götter sind aber in Wahrheit nur die okkulten Kräfte oder Fähigkeiten der Natur, die durch die gelehrten Priester selbst personifiziert wurden und in denen nur die Eigenschaften des einen unerkennbaren und namenlosen Prinzips verehrt wurden.
Der Platoniker Proklos drückt dies in geschickter Weise wie folgt aus: „Die Priester aus alter Zeit zogen selbstverständlich in Betracht, dass sowohl zwischen natürlichen Dingen (Wesenheiten) eine gewisse Verwandtschaft und Sympathie besteht als auch zwischen manifestierten Dingen und okkulten Kräften. Sie entdeckten, dass alle Dinge in allen existieren, und errichteten aus dieser gegenseitigen Sympathie und Ähnlichkeit eine heilige Wissenschaft . . . und verwandten für okkulte Zwecke sowohl himmlische als auch irdische Natur, durch die sie, einer gewissen Ähnlichkeit zufolge, göttliche Kräfte in diesen niederen Aufenthaltsort hinabzogen." Magie ist die Wissenschaft, mit deren Hilfe Verbindungen mit überirdischen, überweltlichen Kräften aufgenommen und diese gelenkt werden können und die eine Beherrschung der Kräfte der niederen Sphären ermöglicht. Sie ist das praktische Wissen über die verborgenen Mysterien der Natur, die nur den wenigen bekannt sind, weil sie so schwierig zu erwerben sind, ohne in Sünde gegen die Natur zu verfallen.
Antike und mittelalterliche Mystiker unterteilten die Magie in drei Klassen: Theurgia, Goetia und natürliche Magie. „Theurgia ist seit langem der besondere Bereich der Theosophen und Metaphysiker", sagt Kenneth Mackenzie. Goetia ist schwarze Magie. „Natürliche (oder weisse) Magie hingegen ist mit ihren heilsamen Schwingen zur stolzen Position eines exakten und fortschrittlichen Studienfachs aufgestiegen". Die Kommentare, die von Kenneth Mackenzie hinzugefügt wurden, sind bemerkenswert. „Die streng sachlichen Wünsche moderner Zeiten haben dazu beigetragen, die Magie in Verruf zu bringen und lächerlich zu machen. ... Glaube (an das eigene Selbst) ist ein wesentliches Element in der Magie und hat lange vor anderen Ideen existiert, die seine Präexistenz voraussetzen. Es heisst, ,nur ein weiser Mensch mache einen Narren`; und die Vorstellungen eines Menschen müssen fast bis zur Verklärung erhoben werden, d. h., die Empfänglichkeit seines Gehirns muss weit über den niedrigen, elenden Zustand der modernen Zivilisation gesteigert werden, bevor er ein wahrer Magier werden kann; (denn) die Verfolgung dieser Wissenschaft setzt ein gewisses Mass an Isolation voraus und eine Verleugnung des Selbstes". Mit Sicherheit eine sehr starke Isolation, deren Erringung ein wundervolles Phänomen bildet, ein Wunder an sich.
Dabei ist Magie nicht irgend etwas Übernatürliches. Wie Iamblichos erklärt, „tun sie durch die priesterliche Theurgie kund, dass sie fähig sind, zu erhabeneren und universaleren Essenzen aufzusteigen und zu denjenigen, die über dem Schicksal etabliert sind, dem Gott und dem Demiurgen; dabei verwenden sie weder Materie, noch setzen sie darüber hinaus irgendwelche anderen Dinge voraus, ausser der Beachtung eines vernünftigen Zeitpunktes". Schon beginnen einige die Existenz subtiler Kräfte und Einflüsse in der Natur zu erkennen, von denen sie bisher nichts gewusst haben. Doch wie Dr. Carter Blake richtig bemerkt: „Das neunzehnte Jahrhundert ist nicht dasjenige, das die Entstehung neuer oder auch nur die Vervollständigung alter Methoden des Denkens verfolgt hat"; und Bonwick fügt hinzu: „Wenn auch die Alten nur wenig über unsere Art der Erforschung der Naturgeheimnisse wussten, so wissen wir noch weniger über ihre Art der Forschung".

Weisse Magie
Weisse Magie oder sogenannte „wohltätige Magie" ist göttliche Magie: frei von Selbstsucht, Liebe zu Macht, Ehrgeiz oder Profit. Sie ist nur darauf gerichtet, Gutes für die Welt im allgemeinen und für den Nachbarn im besonderen zu tun. Der geringste Versuch, die eigenen abnormen Kräfte für die Befriedigung des Selbstes zu nutzen, macht aus diesen Kräften Zauberei oder schwarze Magie.

Schwarze Magie
Schwarze Magie ist Zauberei, z. B. Nekromantie oder das Erwecken der Toten oder anderweitiger selbstsüchtiger Missbrauch unnormaler Krafte. Dieser Missbrauch kann unbeabsichtigt sein; nichtsdestoweniger ist es „schwarze Magie", wann immer irgendein Phänomen lediglich zur eigenen Befriedigung hervorgebracht wird.
 


 

 

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