|
Das Wort Kabbalist ist
abgeleitet von dem hebräischen Ausdruck (Qblh), Kabbala, der eine
ungeschriebene oder mündliche Überlieferung bezeichnet. Ein Kabbalist ist
ein Student „geheimer Wissenschaft", jemand, der die verborgene Bedeutung
der Schriften mit Hilfe der symbolischen Kabbala interpretiert und dadurch
die wirkliche Kabbala erklärt. Die ersten Kabbalisten unter den Juden waren
die Tanaim. Sie traten etwa zu Beginn des dritten Jahrhunderts vor der
christlichen Ära in Jerusalem in Erscheinung. Die Bücher Hesekiel, Daniel,
Henoch und die Offenbarung des Johannes sind rein kabbalistisch. Die geheime
Lehre der Kabbala ist mit jener der Chaldäer identisch und enthält zugleich
viel von der persischen Weisheit oder „Magie".
Die Geschichte erhascht vom 11. Jahrhundert an flüchtige Eindrücke von
berühmten Kabbalisten. Das Mittelalter und selbst unsere eigene Zeit sah
eine ungeheure Anzahl höchst gelehrter und verständiger Menschen, die
Studenten der Kabbala (oder Qabbalah) waren. Die berühmtesten von ihnen
waren Paracelsus, Heinrich Khunrath, Jakob Böhme, Robert Fludd, die beiden
Van Helmonts, der Abt Johannes Trithemius, Cornelius Agrippa, Kardinal
Nikolaus Cusanus, Jeröme Cardan, Papst Sixtus IV. und christliche Gelehrte
wie Raimundus Lullus, Giovanni Pico della Mirandola, Guillaume Postel, der
grosse Johannes Reuchlin, Dr. Henry More, Eugenius Philalethes (Thomas
Vaughan), der gelehrte Jesuit Athanasius Kircher, Christian Knorr (Baron)
von Rosenroth; dann Sir Isaac Newton, Leibniz, Lord Bacon, Spinoza usw., die
Liste ist nahezu unerschöpflich. Wie Isaac Myer in seiner Qabbalah bemerkt,
haben die Ideen der Kabbalisten die europäische Literatur beträchtlich
beeinflusst. „Über die praktische Kabbala veröffentlichte der Abbé de
Villars (ein Neffe von de Montfaucon) im Jahre 1670 seinen berühmten
satirischen Roman Le comte de Gabalis, auf den Pope seinen Rape of the Lock
gründete. Kabbalismus durchzog die mittelalterlichen Gedichte sowie den
Rosenroman und durchdringt die Schriften Dantes."
Nicht zwei von den Kabbalisten waren sich jedoch einig über den Ursprung der
Kabbala, des Sohar oder des Sefer Jezira. Einige legen dar, die Kabbala
rühre von den biblischen Patriarchen, von Abraham oder gar von Set her,
andere sagen, sie komme aus Ägypten, wieder andere, sie stamme aus Chaldäa.
Das System ist sicherlich sehr alt; aber wie all die übrigen Systeme, seien
sie religiös oder philosophisch, leitet sich die Kabbala direkt von der
ursprünglichen Geheimlehre des Ostens her - über die Veden, die Upanishaden,
Orpheus, Thales, Pythagoras und die Ägypter. Was auch immer ihre Quelle ist,
ihre Grundlage ist auf jeden Fall mit jener all der anderen Systeme
identisch, vom Totenbuch bis hinab zu den späteren Gnostikern. Unter den
frühesten Interpreten der Kabbala in der Theosophischen Gesellschaft waren
die besten Dr. S. Pancoast aus Philadelphia und G. Felt; unter den neuesten
sind es Dr. W. Wynn Westcott, S. L. MacGregor Mathers und einige andere. |