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Ithyphallisch

Der Ausdruck ithyphallisch bezeichnet Götter, die männlich und hermaphroditisch sind, z. B. die bärtige Venus, Apollon in Frauenkleidern, den Erzeuger Ammon, den embryonischen Ptah usw. Doch der Phallus, der in der indischen und der ägyptischen Religion so in die Augen fällt und gemäss unseren gezierten Vorstellungen so anstössig ist, war in der frühesten Symbologie weit mehr mit einer anderen und viel reineren Vorstellung als der der geschlechtlichen Zeugung verknüpft. Wie von manch einem Orientalisten gezeigt wurde, drückte er Auferstehung, das Auferstehen vom Tode ins Leben aus. Selbst die andere Bedeutung hatte nichts Anstössiges an sich: „Diese Bilder symbolisieren nur in einer sehr ausdrucksstarken Art die schöpferische Kraft der Natur, ohne obszöne Absicht", schreibt Mariette, und er fügt hinzu: „Es ist nur eine andere Art und Weise, um himmlische Zeugung auszudrücken, die den Verstorbenen veranlassen sollte, in ein nettes Leben einzutreten."
Christen und Europäer urteilen sehr hart über die phallischen Symbole der Alten. Den nackten Göttern und Göttinnen und ihren Zeugungssymbolen und Skulpturen werden in unseren Museen geheime Abteilungen zugeteilt, dieselben Symbole haben wir aber im geistlichen und weltlichen Bereich angenommen und beibehalten: Die Liebesfeste in der frühen Kirche – die Agapen – waren so rein (oder so unrein) wie die phallischen Feste der Heiden. Die langen Priestergewänder der römischen und griechischen Kirche und das lange Haar der letzteren, die Weihwedel mit heiligem Wasser und vieles andere zeugen noch davon, dass der christliche Ritualismus in mehr oder weniger modifizierter Form den gesamten Symbolismus des alten Ägypten erhalten hat. Was den Symbolismus einer rein weiblichen Natur betrifft, müssen wir bekennen, dass aus der Sicht eines jeden unparteiischen Archäologen die halbnackte Garderobe unserer kultivierten Damen der Gesellschaft viel eher die Anbetung des weiblichen Geschlechts verrät als die Reihen von yoniförmigen Lampen, die entlang den Strassen zu Tempeln in Indien angezündet werden.


 

 

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