|
Heidnische Götter
Der Ausdruck heidnische Götter wird irrtümlich so verstanden, als bedeute er
Götzen. Doch die hiermit verbundene philosophische Idee bezog sich niemals
auf etwas Objektives oder Anthropomorphes, sondern in jedem Fall auf eine
abstrakte Macht, eine Kraft oder Qualität in der Natur. Es gibt Götter, die
göttliche Planetengeister (Dhyan-Chohans) sind, oder Devas, zu denen wir
auch unsere Egos zählen. Mit dieser Ausnahme, und besonders immer dann, wenn
sie durch ein Idol oder in anthropomorpher Gestalt dargestellt sind, stehen
die Götter in den hinduistischen, ägyptischen oder chaldäischen Pantheons
symbolisch für gestaltlose spirituelle Mächte des „unsichtbaren Kosmos".
Interkosmische und kosmische Götter
Die interkosmischen Götter sind die Planetengeister, Dhyan-Chohans, Devas
der verschiedenen Grade der Spiritualität und „Erzengel" im allgemeinen. Die
kosmischen Götter sind geringere Götter, diejenigen, die mit der Bildung der
Materie in Verbindung stehen.
Lunare Götter
In Indien werden die lunaren Götter die Väter, „Pitris", oder die lunaren
Vorfahren genannt und wie die übrigen Götter in sieben Klassen oder
Hierarchien unterteilt. Auch wenn der Mond in Ägypten weniger Anbetung
erhielt als in Chaldäa oder Indien, gilt doch Isis dort als die Vertreterin
des Luna-Lunus, „des himmlischen Hermaphroditen". Es ist schon seltsam
genug: Während die modernen Menschen den Mond nur mit psychischen Störungen
und Zeugung in Verbindung bringen, haben die alten Nationen, die es besser
wussten, ihre „Weisheitsgötter" individuell und kollektiv mit ihm verknüpft.
So sind in Ägypten die lunaren Götter Thot-Hermes und Chons; in Indien ist
es Budha, der Sohn des Soma, des Mondes; in Chaldäa ist Nebo der lunare Gott
der geheimen Weisheit usw. Die Gattin des Thot, Sefech oder Seschat, die
lunare Göttin, hält einen Stab mit fünf Strahlen oder den fünfzackigen
Stern, das Symbol des Menschen, des Mikrokosmos, im Unterschied zum
siebenfältigen Makrokosmos.
Wie in allen Theogonien eine Göttin einem Gott vorangeht, sehr
wahrscheinlich nach dem Prinzip, dass das Küken seinem Ei kaum vorausgehen
kann, wurde in Chaldäa der Mond für alter und verehrungswürdiger gehalten
als die Sonne, weil, wie sie sagten, bei jeder periodischen Wiedergeburt
(oder „Schöpfung") des Universums Dunkelheit dem Licht vorausgeht. Obwohl
Osiris mit der Sonne verbunden und ein solarer Gott ist, ist er doch -ebenso
wie Dio-Nysos, der Gott von Nysa oder Nisir -auf dem Berg Sinai geboren,
denn Sin ist das chaldäo-assyrische Wort für den Mond. Nisir oder Nissa war
in Ägypten die Bezeichnung des Sinai.
Wie von vielen Autoren bewiesen worden ist, ist der Halbmond nicht
ursprünglich das Banner der Türken. Bereits vor den Mohammedanern hatten ihn
Christen zu ihrem Symbol erhoben. Zeitalterlang war der Halbmond das
Sinnbild der chaldäischen Astarte, der ägyptischen Isis und der griechischen
Diana, die alle Königinnen des Himmels waren, und er wurde schliesslich das
Sinnbild der Jungfrau Maria. „Das griechische christliche Reich von
Konstantinopel hielt ihn als sein Schutzbild. Nach der Eroberung durch die
Türken übernahm ihn der Sultan, ... und seitdem wird der Halbmond dazu
verwendet, der Idee des Kreuzes entgegenzutreten". |