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Buddha Siddhartha (621 543 v. Chr.)

Siddhartha ist der Name, der Gautama, dem Prinzen von Kapilavastu, bei seiner Geburt gegeben wurde. Er ist eine Abkürzung von Sarvarthasiddha und bedeutet die „Verwirklichung aller Wünsche". Gautama, was „auf Erden (gau) der Siegreichste (tama)" bedeutet, war der Priestername der Sakya Familie, der von den Vorfahren ererbte Königsname der Dynastie, zu der Gautamas Vater, der König Suddhodana von Kapilavastu, gehörte. Kapilavastu war eine alte Stadt, die der Geburtsort des grossen Reformers wurde; sie wurde noch zu seinen Lebzeiten zerstört. Im Titel Sakyamuni bedeutet die zweite Komponente, muni: einer, der „mächtig ist in Güte, Zurückgezogenheit und Schweigen"; das vorangehende S'ilkya ist der Familienname.
Jeder Orientalist oder Pandit kennt die Geschichte von Gautama, dem Buddha, dem vollendetsten der sterblichen Menschen, den die Welt je gesehen hat, auswendig, doch keiner von ihnen scheint die esoterische Bedeutung zu vermuten, die seiner vorgeburtlichen Biographie zugrunde liegt, also die Bedeutung der volkstümlichen Überlieferung. Der Lalitavistara erzahlt die Geschichte, verzichtet aber darauf, die Wahrheit anzudeuten. Die 5 000 Jtitakas oder Ereignisse früherer Geburten (Reinkarnationen) werden wörtlich statt esoterisch verstanden. Gautama, der Buddha, ware nicht ein sterblicher Mensch gewesen, ware er nicht vor seiner letzten Geburt schon durch Hunderte und Tausende von Geburten gegangen. Der detaillierte Bericht über diese Geburten und die Aussage, dass er in ihnen seinen Weg aufwarts durch jedes Stadium der Transmigration erarbeitet hat, vom niedrigsten beseelten und unbeseelten Atom und Insekt hinauf zum höchsten oder dem Menschen, illustriert lediglich den bekannten okkulten Aphorismus: „Ein Stein wird eine Pflanze, eine Pflanze ein Tier und ein Tier ein Mensch." Jedes menschliche Wesen, das jemals existiert hat, hat dieselbe Evolution durchlaufen. Doch der verborgene Symbolismus in der Aufeinanderfolge dieser Wiedergeburten (Jdtakas) enthalt eine vollkommene Geschichte der vor-und nachmenschlichen Evolution auf dieser Erde und ist eine wissenschaftliche Darlegung natürlicher Tatsachen. Eine Wahrheit, die nicht verschleiert ist, sondern klar und offen zutage tritt, ist aus der Terminologie der Geburtsgeschichten ersichtlich: Sobald Gautama die menschliche Form erreicht hatte, begann er damit, in jeder Persönlichkeit die ausserste Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit und Güte zu entfalten.
Buddha Gautama, der vierte der Sapta (Sieben) Buddhas und der Sapta-tathagata, wurde gemass der chinesischen Zeitrechnung im Jahre 1024 v. Chr. geboren; gemass den singhalesischen Chroniken jedoch am 8. Tag des zweiten (oder vierten) Mondes im Jahr 621 vor unserer Zeitrechnung. Er floh in der Nacht des 8. Tages des zweiten Mondes im Jahr 597 v. Chr. aus dem Palast seines Vaters, um ein Asket zu werden. Nachdem er sechs Jahre in asketischer Meditation in Gaya verbracht hatte, erkannte er, dass physische Selbstqualerei ein nutzloses Mittel ist, um Erleuchtung zu erlangen. Er entschied sich deshalb, einen neuen Weg einzuschlagen, bis er den Zustand von Bodhi erreichte. Er wurde in der Nacht des 8. Tages des zwölften Mondes im Jahr 592 ein vollstandiger Buddha und trat schliesslich im Jahr 543 in Nirvaria ein, gemass dem südlichen Buddhismus. Die Orientalisten haben sich jedoch für einige andere Daten entschieden.
Der gesamte Rest ist allegorisch. Er erreichte den Zustand des Bodhisattvas auf Erden, als er in der Persönlichkeit namens Prabhapala war. Tushita steht für einen Ort auf diesem Globus, nicht für ein Paradies in den unsichtbaren Regionen. Dass seine Wahl auf die akya-Familie und seine Mutter Maya fiel, die „die reinste auf Erden" war, steht im Einklang mit der typischen Geburtsgeschichte eines jeden Heilands, Gottes oder vergöttlichten Reformers. Die Überlieferung, dass er in Gestalt eines weissen Elefanten in den Schoss seiner Mutter eintrat, ist eine Anspielung auf seine angeborene Weisheit, denn der Elefant dieser Farbe ist ein Symbol jedes Bodhisattvas. Die Aussagen, dass bei Gautamas Geburt das neugeborene Baby sieben Schritte in vier Richtungen tat, dass eine Udumbara -Blume in all ihrer seltenen Schönheit erblühte und dass die Naga -Könige sofort darangingen, „ihn zu taufen", sind allesamt Allegorien in der Ausdrucksweise der Initiierten.
Samtliche Ereignisse seines edlen Lebens werden in okkulten Zahlen angegeben, und jedes sogenannte wunderbare Ereignis – das von Orientalisten so beklagt wird, da es die Erzahlung verwirre und es unmöglich mache, die Wahrheit von der Dichtung zu befreien – ist lediglich die allegorische Verschleierung der Wahrheit. Wer im Symbolismus bewandert ist, wird dies verstehen, wahrend es für viele europaische Gelehrte schwerverstandlich sein mag. Jede Einzelheit der Erzahlung zwischen seinem Tod und der Verbrennung ist ein Kapitel von Tatsachen, geschrieben in einer Sprache, die studiert werden muss, bevor sie verstanden wird; anderenfalls wird ihr toter Buchstabe in absurde Widersprüche führen. Zum Beispiel soll Buddha, nachdem er seine Schüler an die Unsterblichkeit des Dharmakaya erinnert hatte, in Samadhi übergegangen sein und sich in Nirvana verloren haben –aus dem niemand zurückkehren kann. Und doch wird trotz alledem geschildert, wie der Buddha den Deckel des Sarges aufbricht und aus ihm heraustritt; wie er mit gefalteten Handen seine Mutter Maya grüsst, die plötzlich in der Luft erschienen war, obwohl sie sieben Tage nach seiner Geburt gestorben war usw. Da Buddha ein Chakravartin war (einer, der das Rad des Gesetzes dreht), konnte sein Körper bei seiner Verbrennung von gewöhnlichem Feuernicht verzehrt werden. Was geschah? Plötzlich brach ein Flammenstrahl aus dem Svastika auf seiner Brust hervor und verwandelte seinen Körper in Asche.
Aus Platzgründen verzichten wir auf weitere Beispiele. Dass Gautama, der „Buddha", unbestreitbar einer der wahren HEILANDE der Welt war, geht zur Genüge aus der Tatsache hervor, dass auch der fanatischste orthodoxe Missionar nicht die geringste Beschuldigung gegen sein Leben und seinen persönlichen Charakter vorbringen kann; er müsste schon hoffnungslos verblendet sein und nicht die geringste Rücksicht auf historische Wahrheit nehmen. Ohne irgendeinen Anspruch auf Göttlichkeit zu erheben, seinen Anhangern eher erlaubend, in Atheismus zu verfallen, als in den erniedrigenden Aberglauben an Devas oder Götzenanbetung, ist Buddhas Wandeln im Leben vom Anfang bis zum Ende heilig und göttlich. Wahrend der 45 Jahre seiner Mission ist es tadellos und rein wie das eines Gottes –oder wie das letztere sein sollte. Er ist das vollkommene Beispiel für einen göttlichen, gottahnlichen Menschen. Er erreichte Buddhaschaft – d. h. vollstandige Erleuchtung –allein durch sein eigenes Verdienst und aufgrund seiner eigenen individuellen Anstrengungen, da anzunehmen ist, dass kein Gott bei der Ausübung von Güte und Heiligkeit irgendein persönliches Verdienst hat.
Esoterische Lehren behaupten, dass er Nirvana entsagte und das DharmakayaGewand aufgab, um als „Buddha des Mitleids" in der Reichweite des Elends auf dieser Welt zu bleiben. Die religiöse Philosophie, die er ihr hinterliess, hat über 2 000 Jahre lang Generationen guter und selbstloser Menschen hervorgebracht. Seine Religion ist die einzige vollkommen blutlose unter all den bestehenden Religionen. Tolerant und liberal, lehrt sie universales Mitleid und Güte, Liebe und Selbstlosigkeit, Genügsamkeit und Zufriedenheit mit dem eigenen Los, wie auch immer es aussehen mag. Keine Verfolgungen und Zwangsbekehrungen durch Feuer und Schwert haben jemals Schande über sie gebracht. Kein Donner und Blitz speiender Gott hat ihre reinen Gebote beeintrachtigt. Und wenn der einfache, menschliche und philosophische Kodex des taglichen Lebens, den uns der grösste bisher bekannte Menschheitsreformer hinterliess, jemals von der Menschheit insgesamt angenommen werden sollte, dann in der Tat würde der Menschheit ein Zeitalter des Segens und Friedens dämmern.


 

 

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