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Böhme, Jakob (1575 - 1624)

Jakob Böhme war ein grosser mystischer Philosoph und einer der hervorragendsten Theosophen des Mittelalters. Er wurde um 1575 etwa 3 km von Görlitz (Schlesien) entfernt in Alt-Seidenberg geboren und starb 1624 im Alter von fast fünfzig Jahren. In seiner Kindheit war er ein gewöhnlicher Schafhirte, und nachdem er in einer Dorfschule Lesen und Schreiben gelernt hatte, wurde er Lehrling bei einem armen Schuhmacher in Görlitz. Er war ein natürlicher Hellseher mit höchst wunderbaren Kräften. Ohne Erziehung oder Bekanntschaft mit der Wissenschaft schrieb er Werke, die sich nun als voll von wissenschaftlichen Wahrheiten erwiesen haben. Aber was er aufschrieb, so sagt er selbst, „sah ich wohl als in einer grossen Tiefe im Ewigen". Er hatte „einen tiefgehenden Blick in das Universum, wie in ein Chaos", das sich jedoch „von Zeit zu Zeit in mir eröffnete als in einem Gewächse".
Jakob Böhme war durch und durch ein geborener Mystiker und offensichtlich von einer Konstitution, die äusserst selten ist: eine jener schönen Naturen, deren materielle Hülle in keiner Weise das direkte, wenn auch nur gelegentliche Inverbindungtreten zwischen dem intellektuellen und dem spirituellen Ego behindert. Es ist dieses Ego, das Jakob Böhme, wie so viele andere ungeschulte Mystiker, fälschlich für Gott hielt. „Der Mensch muss erkennen", schreibt er, „dass sein Wissen nicht sein eigenes ist, sondern von Gott kommt, der der Seele des Menschen die Ideen der Weisheit manifestiert, in dem Masse, wie es ihm gefällt." Hätte dieser grosse Theosoph den östlichen Okkultismus gemeistert, würde er es wohl anders ausgedrückt haben. Er hatte dann gewusst, dass der „Gott", der durch sein armes ungebildetes und ungeschultes Gehirn sprach, sein eigenes göttliches Ego war, die allwissende Gottheit in ihm selbst, und dass das, was jene Gottheit herausgab, nicht bemessen war nach „dem Masse, wie es ihm gefallt", sondern nach dem Mass des Aufnahmevermögens der sterblichen, zeitweiligen Wohnung, die Es erfüllte.


 

 

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