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Apollonios von Tyana war
ein wundervoller Philosoph, der etwa zu Beginn des ersten Jahrhunderts in
Kappadokien geboren wurde. Als glühender Pythagoreer studierte er unter
Euthydemos die phönizisehen Wissenschaften und unter Euxenos von Herakleia
Pythagoreische Philosophie und andere Fächer. Gemäss den Lehren dieser
Schule blieb er sein ganzes langes Leben über Vegetarier, ernährte sich nur
von Früchten und Kräutern, trank keinen Wein, trug Kleidungsstücke, die nur
aus Pflanzenfasern gefertigt waren, ging barfuss und liess sein Haar wie
alle Initiierten vor und nach ihm bis zu seiner vollen Länge wachsen.
Er wurde von den Priestern des Tempels des Aesculapius (Asklepios) in Aigai
initiiert und lernte viele der „Wunder" zur Heilung der Kranken, die der
Gott der Medizin vollbrachte. Nachdem er sich für eine höhere Initiation
vorbereitet hatte, durch ein Schweigen von fünf Jahren und durch Reisen, auf
denen er Antiochien, Ephesos, Pamphylien und andere Gebiete besuchte, reiste
er über Babylon nach Indien. Alle seine vertrauten Schüler hatten ihn
verlassen, denn sie fürchteten sich, in das „Land der Verzauberung" zu
gehen. Damis jedoch, den er auf seinem Weg traf und der zeitweilig sein
Schüler war, begleitete ihn auf seinen Reisen. In Babylon wurde er von den
Chaldäern und den Magi initiiert. So berichtet es Damis, dessen Erzählung
hundert Jahre später von einem gewissen Philostratos kopiert wurde.
Nach seiner Rückkehr aus Indien erwies er sich als wahrer Initiierter, indem
die Pestilenzen und Erdbeben, Tode von Königen und anderen Ereignisse, die
er prophezeit hatte, getreulich eintraten. Auf Lesbos weigerten sich die
Priester des Orpheus, die neidisch auf ihn waren, ihn in ihre speziellen
Mysterien einzuweihen, taten es aber einige Jahre spater dennoch. Er
predigte den Menschen von Athen und in anderen Städten die reinste und
edelste Ethik, und die Phänomene, die er hervorbrachte, waren so wunderbar
wie zahlreich und gut bezeugt. „Wie kommt es", fragt Justin der Märtyrer in
Bestürzung, „wie kommt es, dass die Talismane (telesmata) des Apollonios
Macht haben, denn sie verhüten, wie wir sehen, die Wut der Wellen und die
Gewalt der Winde und die Angriffe der wilden Tiere; und dass, während die
Wunder unseres Herrn nur durch die Überlieferung bewahrt sind, jene des
Apollonios sehr zahlreich sind und sich in gegenwartigen Tatsachen wirklich
manifestieren?" . . . . Aber eine Antwort hierauf wird leicht in der
Tatsache gefunden, dass Apollonios nach dem Überqueren des Hindukusch von
einem König zum Wohnsitz der Weisen geleitet worden war, deren Wohnsitz dort
bis zum heutigen Tag sein mag und die ihn unübertroffenes Wissen lehrten.
Seine Dialoge mit dem Korinther Menippos liefern uns in der Tat den
esoterischen Katechismus und enthüllen (falls verstanden) manch ein
wichtiges Mysterium der Natur. Apollonios war der Freund, Briefpartner und
Gast von Königen und Königinnen, und keine wunderbaren oder „magischen"
Kräfte sind besser bezeugt als seine. Am Ende seines langen und wundervollen
Lebens eröffnete er eine esoterische Schule in Ephesos und starb im Alter
von nahezu hundert Jahren. |