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Die ägyptische
Bezeichnung deneg wurde anscheinend unterschiedslos für Pygmäen
(proportionierter, genetisch bedingter Zwergwuchs) und für Zwerge
(pathologische, disproportionierte Gestalt) verwendet, obwohl die
Einstellung der alten Ägypter zu diesen beiden Arten von Zwergwuchs sehr
unterschiedlich war.
Die zweite, pathologische Form des Zwergwuchses scheint relativ häufig
gewesen zu sein; sie entsteht durch eine Fehlentwicklung der Knochen, die
nicht richtig hart werden, was zu einer Verkümmerung führt (Achondroplasia).
Solche Skelette sind mehrfach belegt, daneben gibt es zahlreiche
Darstellungen in Relief und Plastik. Eine besonders auffallende Plastik ist
die Gruppenstatue des Zwergs Seneb und seiner Familie aus der späten 4. oder
frühen 5. Dynastie. Seneb hatte verschiedene Ämter inne: Er war Vorsteher
aller Zwerge des Palasts, oberster Aufseher der Königskleidung und Priester
der Totenkulte von Chephren (2589-2566 v. Chr.) und Djedefra (2566-2558 v.
Chr.). Seine Statue stellt ihn sitzend mit gekreuzten Beinen neben seiner
Frau dar; sie ist von normaler Gestalt. Seine Kinder stehen direkt vor ihm
und verdecken dadurch geschickt den Bereich, den normalerweise seine Beine
eingenommen hätten.
Nach seinen Titeln, seinem Grab und seiner Grabausstattung zu schliessen,
war Seneb reich und angesehen. Das war nicht ungewöhnlich - viele
zwergwüchsige Ägypter übten offensichtlich qualifizierte und
verantwortungsvolle Tätigkeiten aus. Im Grab des Mereruka aus dem Alten
Reich sind sie als Goldschmiede dargestellt; andere Darstellungen zeigen sie
im Umgang mit Tieren, bei der Feldarbeit und als Unterhalter hoher Beamter.
Senebs Ehe mit einer Hofdame und Priesterin ist nur ein Beispiel dafür, dass
zwergwüchsige Männer nicht zwangsläufig Frauen mit ähnlichen Verwachsungen
ehelichen mussten. Die Ägypter hatten offenbar kein Vorurteil Zwergen
gegenüber, denn es gab einige Götter, allen voran Bis, die Anzeichen von
Zwergwuchs aufwiesen.
Pygmäen scheinen dagegen weniger wohlwollend behandelt worden zu sein,
sicher auch deshalb, weil sie überwiegend Ausländer waren. Sie wurden im
allgemeinen aus dem tropischen Afrika importiert und dienten als
„Gottestänzer“, Tempeltänzer oder Akrobaten im Dienst des Gottes Ra.
Das Grab des Harchuf in Qubbet el-Hawa aus dem Alten Reich trägt als
Wandinschrift die Kopie eines Briefes des jungen Königs Pepi II. (2278-2184
v. Chr., 6. Dynastie) an seinen Expeditionsleiter Harchuf, der gerade aus
dem südlichen Sudan zurückkam. Darin ermahnt er ihn, sorgfältig auf den
Tanzzwerg aufzupassen, den er von dort mitbrachte. Der König wird zitiert
mit den Worten: „Meine Majestät freut sich auf diesen Pygmäen mehr als auf
die Geschenke aus dem Bergwerksland [Sinai] und aus Punt“ |