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Bezeichnung für die
Inhaber des altägyptischen Titels tjati, deren Stellung innerhalb der
Verwaltung des alten Ägypten in etwa der des Wesirs, des obersten
Staatsbeamten, im Osmanischen Reich entsprochen haben dürfte. Das Amt des
tjati ist zum ersten Mal in der 2. Dynastie (2890-2686 v. Chr.) belegt,
später als der Titel „Kanzler von Unterägypten“, den Hemaka in Saqqara
innehatte. Es ist aber durchaus möglich, dass sich der Titel tjati
irgendwann sogar bis zum Beginn der Pharaonenzeit und zur Herausbildung der
Königstitel zurückverfolgen lässt.
Erst in der 4. Dynastie (2613-2494 v. Chr.) erhielt der Wesir seine vollen
Machtbefugnisse als Vertreter des Königs in fast allen Regierungsgeschäften
(ausgenommen waren die königlichen Aufgaben im Bereich von Militär und
Religion). In der Regel trug er noch eine ganze Reihe weiterer Titel wie z.
B. „Oberster Leiter aller Arbeiten des Königs“ und „Königlicher Kanzler von
Unterägypten“. Die Wesire der 4. Dynastie waren Königssöhne, eine Praxis,
die sich ab der 5. Dynastie (2494-2345 v. Chr.) offenbar änderte. Im
Mittleren Reich sind an verschiedenen Orten „Büros des Wesirs“ belegt, so
auch in Theben; von einer effektiven Teilung des Wesirats in je einen
Amtssitz für Oberägypten und für Unterägypten kann man jedoch erst ab der
18. Dynastie ausgehen.
Während der 2. Zwischenzeit (1650-1550 v. Chr.), einer relativ langen Zeit
schnell wechselnder Herrscher, sorgten die Wesire für die nötige Kontinuität
und bewahrten das Verwaltungssystem vor dem völligen Zusammenbruch. So ist
ein Wesir namens Anchu unter zwei verschiedenen Königen belegt (auf Papyri
und der Stele eines anderen Beamten). Langfristig wurde dadurch sicher die
Stellung des Wesirs gestärkt: Im Neuen Reich (1550-1069 v. Chr.), als die
Stabilität des Königtums wiederhergestellt war und längst wieder mächtige
Könige herrschten, übten Wesire wie Ramose und Rechmira weiterhin grossen
Einfluss aus; ausserdem scheint das Amt wieder „vererbt“ worden zu sein, so
wie in der 4. Dynastie (als der Titel von einem Prinzen an den nächsten
weitergegeben wurde).
Rechmiras Grabkapelle in Theben-West aus der zeit Thutmosis II. (1479-1425
v. Chr.) ist in diesem Zusammenhang eine kulturhistorische Quelle ersten
Ranges: Das Textprogramm der Grabwände (in drei weiteren Wesirs-Gräbern der
18. Dynastie kopiert) ernthält detaillierte Angaben über Amtseinsetzung und
Aufgabenbereich des Wesirs, während im Bildprogrannn die Darstellung des
Empfangs ausländischer Tribute und die Heerscharen ihm unterstellter
Handwerker seine Schlüsselstellung in der Verwaltung betonen.
Ab der 18. Dynastie (1550-1295 v. Chr.) gab es zwei Wesire - einen für
Unterägypten und einen für Oberägypten. Eine solche Aufteilung des Wesirats
hatte es schon vorher gegeben, einmal unter Pepi II. (2278-2184 v. Chr.) und
ein zweites Mal unter Senweseret I. (1965-1920 v. Chr.), zur festen
Institution wurde sie aber erst nach der 2. Zwiscnenzeit, vielleicht weil
damals die Aufspaltung in zwei Dynastien (mit Sitz in Theben und im Delta)
zu einer Polarisierung geführt hatte. Über den südlichen Wesir der 18.
Dynastie ist mehr bekannt als über den nördlichen; das liegt wohl v. a.
daran, dass uns aus dem thebanischen Raum wesentlich mehr archäologische und
prosopographische (d. h. über Namen, Titel und Berufe von Einzelpersonen
Auskunft gebende) Belege zur Verfügung stehen als aus dem Norden. Aber auch
in der 19. und 20. Dynastie (1295-1069 v. Chr.), als mit der Gründung der
neuen Hauptstadt Piramesse der Regierungssitz nach Norden verlegt wurde,
hielt der südliche Wesir mindestens so viel Macht in Händen wie sein
nördlicher Kollege.
Bis zur Spätzeit (747-332 v. Chr.) scheinen die Wesire an Einfluss verloren
zu haben - zumindest erwähnt der Papyrus Rylands IX, ein Dokument, das die
Geschicke einer Priesterfamilie von der Regierungszeit Psammetichs I. bis zu
Dareios I. (um 664-486 v. Chr.) schildert, keinen Wesir, obwohl es nicht an
sonstigen Hinweisen auf die Zentralverwaltung fehlt. Andererseits besassen
Wesire einige der schönsten Monumente der Spätzeit. |