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Altes Ägypten, Pharaonen
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Tempel

Gebäude oder Gebäudekomplex, von den alten Ägyptern als „Haus“ einer oder mehrerer Gottheiten angesehen. Der wichtigste Teil eines ägyptischen Tempels war das Allerheiligste mit dem Schrein, in dem das Götterbild aufbewahrt wurde. Sämtliche Tätigkeiten des Tempels drehten sich uni dessen Gottheit, die dem Götterbild einwohnte, und der Tempel selbst war die Bühne für diesen Kult, aber nie ein Versammlungsort für Gläubige, da das Volk keinen Zutritt hatte.
Unsere heutige Vorstellung von einem ägyptischen Tempel krankt an zwei entscheidenden archäologischen Mängeln:

 

  1. Es gibt kaum erhaltene Tempel aus der Zeit vor den Neuen Reich, denn die Ägypter errichteten ihre Tempel immer wieder am selben heiligen Ort, wobei sie frühere Bauten entweder abrissen, überbauten oder wiederverwendeten.

  2. Die meisten unterägyptischen Kultstätten wie der Ptah-Tempel von Memphis und das Sonnenheiligtum von Heliopolis sind im Laufe der Jahrhunderte weitgehend abgetragen worden, so dass weder von ihren Grundrissen noch von ihrer Dekoration heute noch viel zu sehen ist.

 

 Infolgedessen basiert unser heutiges Bild vom ägyptischen Tempel fast ausschliesslich auf oberägyptischen Tempeln ab dem Neuen Reich (1550- 1069 v. Chr.). Die komplexeste der noch vorhandenen oberägyptischen Tempel-Anlagen ist der Amun-Tempel von Karnak, der am besten erhaltene Bau der Horus-Tempel von Edfu aus der Ptolemäerzeit (332-30 v. Chr.).

 

Der typische oberägyptsche Tempel aus der Zeit nach dem Mittleren Reich bestand offensichtlich aus einer Reihe von Prozessionswegen, auf denen der König und seine Priester sich allmählich dem Kultbild in seinem Naos nähern konnten. Diese Prozessionswege dienten auch als Bühne für die religiösen Feste, in deren Verlauf das Götterbild in einer Barke von einem Tempel zum anderen getragen wurde und dabei innerhalb des Tempel-Bereichs Hypostyle, offene Höfe und die als Pylone bekannten monumentalen Torgebäude passierte. Die Dekoration der Aussenwände konzentrierte sich auf das Motiv des „Niederschlagens der Feinde“ (oder wilder Tiere) durch den König - Symbol seiner Schutzfunktion für den Götterkult Die Innenwände waren mit bemalten Reliefs geschmückt, die Aspekte des Kultvollzugs zum Thema hatten: Der König bringt den im Tempel verehrten Göttern Opfergaben dar - Symbol seiner Rolle als Mittler zwischen Göttern und Menschen.
Der Tempel war auch eine in Stein umgesetzte Metapher für den Kosmos und für die Schöpfung: Allmählich ansteigend, führte der Weg durch Haine vorn Pflanzensäulen und unter der Decke mit Sternenbildern oder einer Darstellung der Himmelsgöttin Nut hinauf von den äusseren Grenzen des Kosmos zum Allerheiligsten, dem Symhol der Schöpfung, dem Urhügel, auf dem der Schöpfergott die Welt entstehen liess.
Doch der Tempel war nicht nur ein Abbild des Kosmos und eine immerwährende Bühne für religiöse Feste, Kult und Ritual - die Tempel hatten auch als Wirtschaftsfaktoren eine wichtige Funktion für die Infrastruktur des Landes. Ein Tempel war nicht nur ein Gebäudekomplex, sondern eine bedeutende eigenständige Institution mit einer grossen Belegschaft an Handwerkern, Arbeitern und Priestern und gesicherten Einkünften aus Ländereien und Goldruinen. Der eigentliche Tempel war daher stets von Wirtschaftsgebäuden (Kornspeichern, Schlachthäusern etc.) umgeben; in ihnen wurden die täglichen Opfergaben gelagert und verarbeitet, die irgendwann an das Tempel-Personal zu dessen eigener Versorgung zurückflossen.
Die Tätigkeiten der Tempel-Verwaltung, die man nach modernen Gesichtspunkten in kultische und wirtschaftliche Aufgaben aufteilen könnte, sind einerseits durch Tempel-Reliefs dokumentiert, andererseits in uns erhaltenen Papyrus-Archiven belegt, v. a. aus den Alten Reichs-Totentempeln des Neferirkara (2475-2455 v. Chr.) und des Raneferef (2448-2445 v. Chr.) in Abusir.


 

 

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