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Ursprünglich eine
Bezeichnung für die verschiedenen Mechanismen, durch die in der
polynesischen Gesellschaft soziale Klassen geschaffen und aufrechterhalten
wurden. In der Ägyptologie, wie in vielen Bereichen der Altertumsforschung,
wird der Begriff etwas anders verwandt. Er bezeichnet Phänomene, die die
Grundfesten des Universums bedrohen; durch deren Tabuisierung werden die
Mechanismen geschaffen, die die gesellschaftlichen und metaphysischen
Strukturen bewahren und stärken.
Die Ägypter glaubten, dass der Schöpfer selbst bestimmte Gegenstände,
Menschen und Handlungen mit Tabu belegt hatte, die nur er - oder zuweilen
auch der als Demiurg wirkende König - aufheben konnte. Das altägyptische
Wort für Tabu scheint hwt gewesen zu sein - das ergibt jedenfalls Pierre
Montets Analyse kult-topographischer Listen der Spätzeit (747-332 v. Chr.).
Wären nicht einige Teile des Universums tabuisiert worden, dann - so die
Auffassung - hätte man niemals den Urzustand des Universums zum Zeitpunkt
der Welterschaffung wieder herbeiführen können, denn der Akt der
Welterschaffung setzte ja gerade voraus, dass genau die Grenzen gesetzt und
aufrechterhalten wurden, aus denen Tabus sich herleiteten. Ein Tabu betraf
z. B. den Zutritt zu Kultstätten und Zeremonialbauten wie Tempeln, Gräbern
und Palästen, der nur denjenigen gestattet war, die gewisse
Reinheitsvorschriften (wie z. B. sexuelle Abstinenz) einhielten. Andere
Formen von Tabus bezogen sich auf die Ernährung - so waren etwa
Schweinefleisch, Fisch oder Honig tabu - oder auf bestimmte Handlungen wie
das Auf-dem-Kopf-Stehen (was wohl irgend etwas mit Fäkalien zu tun hatte).
Da die Epagomenen am Ende eines jeden Jahres tabu waren, mussten ihre Namen
auswendig gelernt werden, damit sie keinen schädlichen Einfluss ausübten.
Tabus konnten alle möglichen Bereiche erfassen - Körperöffnungen ebenso wie
Landesgrenzen, aber auch Geschlechtsverkehr oder Geburt. Dabei ist jedoch zu
beachten, dass häufig der geographische oder kulturelle Kontext
entscheidender war als das eigentliche Ereignis oder die Handlung selbst.
Tabus konnten rein ortsgebunden sein und ausschliesslich die Bewohner eines
bestimmten Gebiets unter der Herrschaft einer bestimmten Gottheit betreffen.
Die Siegesstele des Kuschitenkönigs Pije (747-716 v. Chr.) beschreibt die
Unterwerfung der Delta-Fürsten und erwähnt dabei zwei Tabus, nämlich die
Beschneidung und den Verzehr von Fisch: „Sie durften den Palast nicht
betreten, denn sie waren nicht beschnitten und sie assen Fisch - was der
Palast verabscheut. Nur König Nimlot war es gestattet, den Palast zu
betreten, denn er war rein und ass keinen Fisch.“ |