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Viele Völker des
Altertums waren gezwungen, ihren Bedarf an Mineralien durch den Handel mit
anderen Kulturen zu decken, die Ägypter dagegen waren gut versorgt mit den
verschiedensten Gesteinsarten, die sie aus den Wüstengebieten zu beiden
Seiten des Niltals bezogen. Der Gesteinsabbau ist in Ägypten erstmals belegt
durch kleine Feuerstein-(Flint-)Steinbrüche aus dem Paläolithikum (um 35 000
v. Chr.). In der prädynastischen Zeit (um 5500-3100 v. Chr.) wurden relativ
kleine Stücke von sehr geschätzten Gesteinsarten wie Schiefer, Basalt,
Brecchie, Kalkstein, Sandstein und Granodiorit abgebaut, aus denen man
Schmink-Paletten, Keulen und Gefässe herstellte. In der frühdynastischen
Zeit (3100-2686 v. Chr.) erreichte die Herstellung von Totenkult-Gefässen -
häufig aus sehr hartem Stein - buchstäblich das Ausmass von
Massenproduktion.
Bis zur Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts gab es Hunderte von
Steinbrüchen, die über die West- und Ost-Wüste, die Sinai-Halbinsel und
Süd-Palästina verstreut lagen und oft extrem weit entfernt waren. Der
Einsatz von Steinen war jedoch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor der
Pharaonenzeit geworden, insbes. seit die Regierungszeit des Djoser mit dem
Bau der Stufenpyramide von Saqqara die neue Ara des monumentalen Steinbaus
eingeläutet hatte, der alles bisher Dagewesene übertraf.
Der Umfang der unter den einzelnen Herrschern der Pharaonenzeit (3100-332 v.
Chr.) durchgeführten Steinbrucharbeiten kann als eine Art Massstab für die
politische Zentralisation und Stabilität gelten. Es gibt sogar einige
ägyptische Könige, die kaum bekannt waren, hätten wir nicht in entlegenen
Gebieten die Felsinschriften, die an ihre Steinbruch-Expeditionen erinnern,
so wie im Fall des Königs der 11. Dynastie, Mentuhotep IV (1992-1985 v.
Chr.), der Expeditionen in das Wach el-Hudi sandte, um Amethyst, und in das
Wadi Hammamat, um Schiefer und Grauwacke zu gewinnen.
Ägyptische Könige versorgten normalerweise ihre loyalen Hofbeamten mit dem
Stein, den diese für ihre Grabanlagen benötigten. Diese Einrichtung scheint
ein wichtiger Faktor in den politischen und persönlichen Bindungen zwischen
dem König und seinen Beamten gewesen zu sein. Das Grab eines Beamten namens
Weni in Abydos beschreibt die Steinbruch-Expeditionen, die er für den König
leitete und erwähnt als Geschenk des Königs einen Sarkophag aus feinem
Kalkstein aus den Steinbrüchen von Tura.
Obwohl die Grösse vieler Expeditionen sie sicherlich zu einem königlichen
Monopol machte, legen archäologische Zeugnisse nahe, dass his zum Ende der
Pharaonenzeit bestimmte Rohstoffe auch immer wieder privat ausgebeutet
wurden, vielleicht im Gefolge der grösseren Expeditionen. Solche Zeugnisse
existieren in den Travertin- („äyptisch Alabaster-“) Steinbrüchen von Umm
el-Sawwan und den Galenit-(Bleiglanz-)Minen von Gebel el-Zeit. |