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Altes Ägypten, Pharaonen
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Städte

Ägypten wurde einmal als eine „Hochkultur ohne Städte“ bezeichnet. In den letzten hundert Jahren ist die Zahl der archäologischen Gegenbeweise ständig gewachsen, da mehr Siedlungen vermessen und ausgegraben wurden. In den 70er Jahren des 20 Jh. haben neue Forschangsprogramme in el-Amarna, Elephantine und Tell el-Dab`a dazu geführt, dass die „Siedlungsarchäologie“ zu einer Unterdisziplin der Ägyptologie wurde. Diese langfristigen Ausgrabungen trugen entscheidend dazu bei, aufzuzeigen, wie die geographische Lage sowie die besonderen politischen und sozialen Verhältnisse zur Zeit ihrer Gründung die Entwicklungg ägyptischer Städte beeinflusst haben. So gibt es z. B. die These, der rechtwinklige Rasterplan der meisten erhaltenen Siedlungen aus dem Alten Reich und Mittleren Reich sei ein Hinweis auf ein hohes Mass an staatlicher Kontrolle und Bürokratie, wie etwa im Fall von Kahun.
Städtisches Leben in Ägypten lässt sich zur Zeit am besten an Hand der Entwicklung im Neuen Reich studieren, als die Ausdehnung des ägyptischen Reichs sich in der kosmopolitischen Prägung seiner Grossstädte spiegelte. EI-Amarna, auf halber Höhe zwischen den heutigen Städten Minja und Assiut auf dem Ost-Ufer des Nils gelegen, ist die einzige praktisch vollständige Stadt, die uns aus dem alten Ägypten erhalten ist. Siedlungsspuren sind uns im Bereich der heutigen Städte Memphis und Theben erhalten, die zu ihrer Zeit erheblich grösser gewesen sein dürften, aber el-Amarna ist der einzige ägyptische Ort, wo eine relativ vollständige und repräsentative Auswahl öffentlicher und privater Gebäude freigelegt wurde. An mindestens zehn weiteren Orten wurden bedeutende städtische Siedlungen ausgegraben, die überwiegend in das Neue Reich (1550-1069 v. Chr.) zu datieren sind: Deir el-Ballas, Buhen, Sesebi, Soleb, Amara-West, Deir el-Medina, Malkata, Gurob, Memphis (Kom el-rabia) und Piramesse (Qantir und Tell el-Dab`a). Einige kleinere Zonen von Neuen Reichs-Siedlungen legte man auch an anderen Orten frei, so in Abydos, Medinet Habu, Karnak und Hermopolis Magna (el-Aschmunein), bedeutende Spätzeit-Siedlungen in Tanis, Naukratis und Hermopolis Magna.
Die textlichen und archäologischen Zeugnisse lassen folgenden Schluss zu: Es gab zwar im Neuen Reich offenbar einige Städte mit starker landwirtschaftlicher Prägung (wie die Gau-Hauptstädte Ninsu und Hardai, die eher aus schriftlichen Quellen als durch Ausgrabungen bekannt sind), aber viele Neue Reichs-Städte formierten sich um Kult- oder Verwaltungsbauten. David O'Connor zufolge „ist die Aussage, Ägypten sei eine Hochkultur ohne Städte nur akzeptabel, wenn man den Begriff Stadt extrem eng definiert; bei einer weiter gefassten Definition kann man fraglos davon ausgehen, dass verschiedenartige städtische Siedlungen charakteristisch waren für das alte Ägypten.


 

 

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