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Fabeltier, meist mit
Löwenleib und Menschenkopf, oft mit dem Nemes-Kopftuch dargestellt wie der
Grosse Sphinx von Gisa. Sphinx-Skulpturen konnten auch widderköpfig (Criosphingen)
oder falkenküpfig (Hierakosphingen) sein. Ein ungewöhnliches Beispiel ist
ein Sphinx aus dem Totentempel Amenhoteps III. (1390- 1352 v. Chr.), der
einen Krokodilschwanz hat - vermutlich in Anlehnung an eine Tiergestalt, die
zu einem der ägyptischen Sternbilder gehört. Frauen sind selten als Sphinx
dargestellt, und selbst Königin Hatschepsut (1473-1458 v. Chr.) liess sich
als Sphinx lieber in ihrer männlichen Rolle als König abbilden.
Das altgriechische Wort sphinx bedeutet „Erdrosselnder“; man vermutet den
Ursprung des Wortes Sphinx aber auch in dem ägyptischen Begriff schesp anch
(„lebendes Abbild“), der als Beiname des Sphinx auftaucht. Der ägyptische
Sphinx, der sowohl mit dem König als auch mit dem Sonnengott gleichgesetzt
wurde, war eindeutig sehr verschieden von der böswilligen weiblichen Sphinx
der griechischen Mythologie in den Geschichten von Ödipus und Perseus.
Selbst wenn ägyptische Sphingen beim Niedertrampeln ausländischer Feinde
abgebildet sind, wie auf einem Schild aus dem Grab des Tutanchamun, sah man
in diesem Gemetzel nichts weiter als einen Aspekt der archetypischen Rolle
des Königs. Das Thema war v.a. bei Schmuck beliebt: Das Pektoral der Mereret
(12. Dynastie) aus Dahschur zeigt, wie zwei falkenköpfige Sphingen die
Feinde des Königs zermalmen.
Den Kopf einer Statue des Djedefra (2566-2558 v. Chr.), der in seinem
Pyramidenkomplex in Abu Roasch entdeckt wurde, hält man für das älteste
erhaltene Sphinx-Fragment (heute im Louvre). Aus der gleichen Anlage stammt
die Statuette eines kleinen Sandstein-Sphinx. Das bekannteste Beispiel ist
jedoch nach wie vor der Grosse Sphinx von Gisa neben dem Aufweg zur Pyramide
des Chephren (2558-2532 v. Chr.). Mit einer Länge von 73 m und einer
maximalen Höhe von 20 m wurde er aus einem gewachsenen Felsblock vor Ort
gehauen, der nach den Steinbrucharbeiten stehengeblieben war. Das Gesicht
stellt wahrscheinlich Chephren selbst dar, obwohl man auch seinen Vorgänger
Djedefra als Vorbild vermutet hat. Viele Male war der Sphinx im Sand
versunken und wieder davon befreit worden; der berühmteste Fall ist auf der
„Traumstele“ aufgezeichnet, die Thutmosis IV. (14001390 v. Chr.) vor dem
Sphinx aufgestellt hat. Sie berichtet, dass der Sphinx Thutmosis im Traum
versprochen habe, er werde König, wenn er ihn, den Sphinx, vom Sand befreie.
ln den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Grosse Sphinx von dem
amerikanischen Archäologen Mark Lehner eingehend untersucht. Er kam zu dem
Schluss, dass im Neuen Reich eine Standfigur eines Königs zwischen den
Pranken des Sphinx aufgestellt wurde. Schon während der 18. Dynastie
(1550-1295 v. Chr.) hat man an dem Sphinx Ausbesserungsarbeiten mit
Sandsteinverkleidungen vorgenommen. Heute wächst die Sorge um den
zunehmenden Verfall des Monuments: verlorengegangen sind Nase, Uräus und
Götterbart (Fragnente im Britischen Museum und im Ägyptischen Museum Kairo).
Inzwischen sind Erosion und steigendes Grundwasser zum Problem geworden, und
die Anlage wird gegenwärtig auf Umweltschäden hin überwacht.
Unmittelbar vor dem Sphinx befindet sich ein unvollendeter Tempel aus der 4.
Dynastie - anscheinend aus dem gleichen Stein wie der Sphinx selbst. Er war
vermutlich den drei Erscheinungsformen der Sonne geweiht: Chepri am Morgen,
Ra am Mittag und Atum am Abend. Im Neuen Reich wurde der Sphinx mit
Horemachet („Horus-im-Horizont“) gleichgesetzt und ein neuer, Horemachet
geweihter Tempel nördlich des früheren Baus errichtet, der damals vollkommen
im Sand versunken gewesen sein dürfte. Dieser Neue Reichs-Tempel war auch
dem Kult des Hauron, eines kanaanäischen Wüstengottes, geweiht, der
vielleicht u. a. deswegen mit dem Sphinx assoziiert wurde, weil dieser von
Wüstensand bedeckt war.
Spätestens seit dem Neuen Reich säumten Sphinx-Alleen die Prozessionswege zu
vielen Tempeln, so auch die von Karnak und Luxor. Der Haupteingang zum
Amun-Tempel von Karnak ist von Reihen von Crio-Sphinxen flankiert, während
man sich dem Pylon des Luxor-Tempels über eine Allee menschenköpfiger
Sphinxen nähert, die die Kartuschen von Nektanebos I. (380-362 v. Chr., 30.
Dynastie) tragen. |