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Epoche der ägyptischen
Geschichte von der 25. bis zur- 31. Dynastie, d. h. vom Ende der 3.
Zwischenzeit (1069-747 v. Chr.) bis zur Ankunft Alexanders der Grossen (332
v. Chr.). Die 3. Zwischenzeit war geprägt von der gleichzeitigen Herrschaft
mehrerer Dynastien, die vom Delta bzw. der Thebais aus regierten. Dem 2.
Herrscher der kuschitischen 25. Dynastie, Schabaka (716-702 v. Chr.), gelang
es jedoch, den nubischen Einfluss über die Thebais hinaus nach Norden
auszudehnen: Er eroberte Unterägypten und verlegte das Verwaltungszentrum
von Theben zurück nach Memphis.
Die Könige der 25. Dynastie herrschten nun zwar über ein grösseres Gebiet
als in der vorhergehenden Epoche, der Staat scheint damals aber nicht
wirklich wiedervereinigt gewesen zu sein, denn die lokalen Herrscher konnten
sich ein erhebliches Mass an Unabhängigkeit bewahren. Trotzdem bildeten die
beiden Königreiche Ägypten und Nubien zusammen ein gewaltiges Reich, das nur
einen Rivalen hatte: das aufsteigende Reich der assyrischen Herrscher. Die
ägyptischen Könige versuchten, dem Vordringen der Assyrer in die Levante
Einhalt zu gebieten, indem sie sich mit einigen palästinischen Fürsten
verbündeten. Aber es gelang ihnen weder, die Assyrer zu besiegen, noch auf
die Dauer die Gefahr für sich selbst abzuwenden: 674 v. Chr. unternahm
Asarhaddon (681-669 v. Chr.) einen ersten Invasionsversuch. Der Angriff
scheiterte; 671 v. Chr. war er zwar erfolgreicher, vermochte aber die
Opposition nicht ganz auszuschalten. Dies ermöglichte es dem ägyptischen
Könige Taharka (690-664 v. Chr.), der zunächst nach Nubien geflohen war,
Memphis zurückzuerobern. Als aber die Assyrer ein drittes Mal angriffen,
jetzt unter Assurbanipal (669-627 v. Chr.), wurden sie von zwei lokalen
Fürsten aus Sais – Nekau I. (672-664 v. Chr.) und seinem Sohn Psammetich I.
- unterstützt und konnten ihre Herrschaft über ganz Ägypten ausdehnen. Die
Assyrer zogen sich erneut zurück und setzten Nekau I. als Statthalter ein,
der während der Rückeroberung Ägyptens durch Tanwetamani (664-656 v. Chr.),
dem Nachfolger Taharkas, getötet wurde. Diese ständigen Angriffe auf ihre
Herrschaft veranlassten die Assyrer zu heftigen Vergeltungsmassnahmen:
Assurbanipal kehrte um 663 v. Chr. nach Ägypten zurück, verwüstete weite
Strecken des Landes und zwang Tanwetamani zur Flucht nach Nubien. Das
bedeutete aber noch nicht das Ende der Unabhängigkeit Ägyptens: Eine
Rebellion in Babylonien bewirkte Assurbanipals Rückzug, und da auch
Tanwetamani fern war, konnte sich Nekaus Sohn, Psammetich I., selbst zum
König ernennen und damit die 26. Dynastie (664-525 v. Chr) begründen.
Psammetich war ein scharfsinniger Herrscher, der versuchte, so etwas wie
Nationalgefühl zu wecken, während er gleichzeitig ausländische Söldner, v.
a. Griechen und Karer, einsetzte, um jene Herrscher zu unterdrücken, die ihm
gefährlich werden konnten. Ab dieser Zeit wurde Ägypten zunehmend in den
Bannkreis der griechischen Welt gezogen. Im späteren Verlauf der 26.
Dynastie wurde eine griechische Handelskolonie - Naukratis - gegründet, die
der griechische Schriftsteller Herodot König Amasis (570-526 v. Chr.)
zuschreibt (es gilt aber als wahrscheinlicher, dass Amasis nur eine Reihe
bereits bestehender griechischer Siedlungen ausbaute). Die Aussenpolitik der
26. Dynastie hatte sich v. a. auf die Wahrung eines Gleichgewichts zwischen
den Mächten konzentriert, doch als Amasis' Sohn Psammetich III. (526-525 v.
Chr.) die Thronfolge antrat, war Persien die beherrschende Macht geworden.
525 v. Chr. fiel Kambyses (525-522 v. Chr.) in Ägypten ein und gründete die
27., die persische Dynastie (525--104 v. Chr.). Er war anscheinend kein
beliebter Herrscher; sein Nachfolger Dareios l. (522-486 v. Chr.) dagegen
begann grössere Bauvorhaben und vollendete sogar Bauten, die unter den
Saitenherrschern begonnen worden waren. Vielleicht von den Siegen der
Griechen über die Perser inspiriert, zeigten sich auch die Ägypter
rebellisch und wurden von den Griechen dabei militärisch unterstützt.
404 v. Chr. erreichten die Unruhen ihren Höhepunkt in der Revolte des
Amyrtaios von Sais; die Perser wurden vertrieben, zunächst nur aus dem
Delta, dann, innerhalb von vier Jahren, aus ganz Ägypten. Doch Amyrtaios
(404-399 v. Chr.) sollte der einzige König der 28. Dynastie bleiben: 399 v.
Chr. entriss ihm Nepherites I. (altägyptisch Nefaarud, 399-393 v. Chr.) den
Thron. Dieser regierte von Mendes aus, einer anderen Stadt im Delta. Er und
seine Nachfolger, die Herrscher der 29. Dynastie (399-380 v. Chr.),
verdankten ihre militärische Stärke ausländischen Söldnern, mit deren Hilfe
sie weitere persische Invasionen abwehren konnten. Schliesslich wurden sie
selbst verdrängt von den Königen der 30. Dynastie, die mit Nektanebos I.
(380-362 v. Chr.) begann. Diese neue Dynastie setzte die „nationalistische“
Linie der 25. und 26. Dynastie fort; ihre Könige nahmen die Bautätigkeit
wieder auf und bemühten sich um die Wiederbelebung traditioneller Kulte. Zu
besonderer Bedeutung gelangten in dieser Zeit die Kulte der heiligen Tiere;
möglicherweise wurden diese Tierbestattungen und -friedhöfe, die ganze
Gewerbe und Priesterschaffen beschäftigten, zu einem wichtigen
Wirtschaftsfaktor.
Persische Wiedereroberungsversuche konnten bis zum Jahr 343 v. Chr.
abgewehrt werden, als Nektanebos II. (360-343 v. Chr.), der letzte
ägyptische Pharao, von Artaxerxes III. Ochos (343-338 v. Chr.) geschlagen
wurde, der die 31. Dynastie bzw. die zweite Perserherrschaft (343-332 v.
Chr.) begründete. Diese kurze zweite Phase persischer Herrschaft war
besonders verhasst; wahrscheinlich setzte man deswegen den siegreichen
Heeren Alexanders des Grossen (332-323 v. Chr.) wenig Widerstand entgegen.
Mit der Eroberung durch die Makedonen und unter der Herrschaft ihrer
Nachfolger, der Ptolemäer, wurde Ägypten voll in die
hellenistisch-mediterrane Welt integriert. |