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Altes Ägypten, Pharaonen
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Sexualität

Bis vor relativ kurzer Zeit ging man davon aus, dass die Haltung der Ägypter zur Sexualität eher naiv oder zurückhaltend war. Heute ist man der Meinung, dass die Ansichten der Ägypter über Sexualverhalten wohl unverkrampft und offen waren. Wie die meisten Gesellschaften hatten auch sie eine Sexualethik, die sich auf bestimmte Bereiche der Sexualität bezog: Ehebruch war ein Vergehen, Sexualverkehr in heiligen Bezirken verboten. Im grossen und ganzen aber war ihre Einstellung ausgesprochen pragmatisch und keineswegs prüde.
Sexualität und Fruchtbarkeit hatten eine grosse Bedeutung im religiösen Bereich. Der ithyphallische Gott Min war ein beliebtes Symbol für Fruchtbarkeit; ihm wurde Lattich dargebracht, angeblich, weil man den weissen Saft der Pflanze mit dem männlichen Samen gleichsetzte. Den Ägyptern war bewusst, dass der Same der männliche Beitrag zur Empfängnis war; sie waren allerdings auch der Ansicht, dass der Same aus den Knochen des Mannes kam und für das Knochengerüst des Kindes sorgte, während die Frau für die Weichteile des Säuglings zuständig war. Über die Empfängnisverhütung wissen wir aus den „Medizinischen Papyri“, dass Arzneien verschrieben wurden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.
Spätestens seit der Badari-Zeit (um 5500-4000 v. Chr.) wurden kleine Frauenfiguren aus Ton, Holz, Elfenbein oder Stein der Grabausstattung beigegeben. Sie waren häufig stark stilisiert und ihre Geschlechtsmerkmale deutlich hervorgehoben. Die Deutung dieser verschiedenen „Fruchtbarkeitsfiguren“ hat sich als extrem schwierig erwiesen. Zwei Interpretationen sorgen bis heute für Verwirrung: Einerseits wurden einige Figuren von ihren Ausgräbern als „Puppen“ bezeichnet und daher fälschlich als Spielzeug angesehen; andererseits klassifizierten die Gelehrten, wenn sie ihre sexuelle Bedeutung erkannt hatten, sie automatisch als „Beischläferinnen“, als seien sie für das posthume sexuelle Vergnügen des Verstorbenen bestimmt gewesen; dabei hatte man sie sowohl in Gräbern von Frauen als auch von Männern gefunden.
Die meisten Ägyptologen sind inzwischen der Meinung, die weiblichen Grabfiguren hätten die Funktion gehabt, die sexuellen Aspekte von Regeneration und Wiedergeburt zu betonen und zu symbolisieren. Es gibt eine Reihe von Sonderarten wie die nach ihrer Form „Paddel“-Puppen genannten hölzernen Figuren, die v. a. in thebanischen Gräbern der 11. Dynastie gefunden wurden. Eine weitere, im Mittleren Reich sehr verbreitete Gruppe aus Ton oder Fayence war oft von den Knien an verstümmelt; diese Figuren wurden sowohl in Gräbern wie in Häusern gefunden und häufig irreführend als „Konkubinen der Toten“ bezeichnet.
Aus den Medizinischen Papyri geht hervor, dass die Ärzte mit den männlichen Geschlechtsorganen vertraut waren, sich aber mit den weiblichen Genitalien weniger gut auskannten. Die Hieroglyphe, die die weiblichen Genitalien darstellt, wurde oft für das Wort „Frau“ gebraucht, während der erigierte Penis „männlich“ oder „Ehemann“ bedeuten konnte. Wurden die beiden Hieroglyphen übereinandergesetzt, konnte „Geschlechtsverkehr“ gemeint sein. In Tempel- und Grabkunst wurde der Geschlechtsakt häufig dargestellt oder auf ihn angespielt. Im Hathor-Tempel von Dendera z.B. ist Isis - im Rahmen des Osiris-Mythos - als Weihe auf den Phallus des mumifizierten Osiris dargestellt. Ebenso konnte der Sarg mit der Himmelgöttin Nut gleichgesetzt werden, so als kehre der Verstorbene in ihren Leib zurück und erwarte dort die Wiedergeburt.
Homosexualität war nicht unbekannt, wurde aber eher missbilligt, wie die versuchte Vergewaltigung des Horus durch seinen Gegner Seth zeigt. Der griechische Historiker Herodot erwähnt zwar Sodomie; es ist aber fraglich, ob seine Berichterstattung in diesem Punkt zuverlässig ist - er könnte mythologische Bezüge und rituelle Handlungen als Sexualpraktiken missverstanden haben.


 

 

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