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Altes Ägypten, Pharaonen
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Senweseret (griech. Sesostris)

„Geburtsname“ von drei Königen der 12. Dynastie (1985-1795 v. Chr.).
Senweseret I. Cheperkara (1965-1920 v. Chr.) war der 2. König der 12. Dynastie. Er bestieg den Thron nach der Ermordung seines Vaters Amenemhat I. (1985-1955 v. Chr.), mit dem er als Mitregent fast ein Jahrzehnt gemeinsam regiert hatte. Die ungewöhnlichen Umstände seiner Thronbesteigung bilden den Hintergrund für die Geschichte des Sinuhe und die Lehre des Amenemhat. Senweseret I. setzte die Expansionspolitik in Unternubien fort und errichtete eine Garnison in der Festung Buhen. Ganz anders gestaltete er die Beziehungen zu Syrien-Palästina: Hier hatte die Festigung der Handels- und diplomatischen Beziehungen Vorrang vor Territorialgewinnen. Er schützte den Deltaraum und die Oasen der Westlichen Wüste durch eine Reihe von Feldzügen vor libyschen Invasionen.
Schon während der Mitregentschaft mit seinem Vater hatte er ein intensives Bauprogramm zur Erweiterung und Verschönerung der meisten grossen Tempelanlagen begonnen, darunter die Tempel von Karnak und Heliopolis. Seine Pyramidenanlage in el-Lischt in der Nähe von Itjtawi, der neuen Hauptstadt der 12. Dynastie, lag südlich der von Amenemhat I. Zwei farbige Holzfiguren - die eine trägt die Weisse Krone von Oberägypten, die andere die Rote von Unterägypten – fand man in der benachbarten Mastaba des Priesters Imhotep; es könnten Darstellungen von Senweseret I. sein, sie sind aber auch der 13. Dynastie (1795-1650 v. Chr.) zugeschrieben worden.

Senweseret II. Chacheperra (1880-1874 v. Chr.), der 4. König der 12. Dynastie, folgte nach einer Zeit der Mitregentschaft seinem Vater Amenemhat II. (1922-1878 v. Chr.) auf den Thron. Er baute seine Grabanlage in el-Lahun am Rande des Fajjum. Entgegen der bisherigen Sitte liegt der Eingang zu seiner Pyramide nicht mehr auf der Nord-Seite, sondern etwas nach Süden versetzt, unter dem Boden eines Prinzessinnengrabes versteckt, vielleicht weil die bisher übliche Ausrichtung auf die Zirkumpolarsterne weniger wichtig erschien als die Sicherheit des Grabes. Auf eine engere Verbindung zum Osiris-Kult verweisen eine Reihe von Bäumen um die Basis der Pyramide sowie erstmals belegte Kugeln aus Erde, die Korn enthielten. Die von Flinders Petrie 1887-88 ausgegrabene Grabkammer enthielt einen leeren Sarkophag aus rotem Granit. In der Nähe des Taltempels legte Petrie ausserdem die Siedlung Kahun frei; sie war für die Arbeiter und Beamten gebaut worden, die für die Versorgung der Pyramidenanlage und den königlichen Totenkult zuständig waren.
Das in seine Regierungszeit zu datierende Grab des Gaufürsten Chnumhotep II. in Beni Hasan hat die Ankunft einer asiatischen Handelskarawane aufgezeichnet, die offenbar Bleiglanz für die Herstellung von Kosmetika bringt. Dieses Ereignis lässt den Schluss zu, dass Senweseret II. in seiner Aussenpolitik den Handel mit Vorderasien und Nubien ausdehnte. Auf ihn gehen die Anfänge des ehrgeizigen Bewässerungsprojekts für das Fajjum zurück, dank dessen später grosse Flächen Ackerland dazugewonnen werden konnten.

Senweseret III. Chakaura (1874-1855 v. Chr.), der Nachfolger von Senweseret II., sollte Ägyptens Innen- und Aussenpolitik gründlich umgestalten. In der Innenpolitik konzentrierte er sich auf die Umorganisation des Verwaltungssystems. Seit dem Alten Reich (2686-2181 v. Chr.) war die grösste Bedrohung für die Macht des Königs von den Gaufürsten ausgegangen. Ein Wandel in den Begräbnissitten der Führungsschicht (eine Verringerung der in der Provinz angelegten Gräber) könnte bedeuten, dass Senweseret III. deren Befugnisse drastisch beschnitt und viele ihrer angestammten Privilegien aufhob. Es ist nicht geklärt, welche Mittel er anwandte; fest steht jedoch, dass von da an die königlichen Wesire für die gesamte Verwaltung zuständig waren. Es gab drei Wesirate: je eines für den Norden und den Süden und ein drittes für Elephantine und Nord-Nubien. Diese drei Verwaltungsbereiche (waret) wurden jeweils von einem Beamten und einem Stellvertreter geleitet.
In der Regierungszeit der beiden vorangegangenen Könige hatte es wenige militärische Aktivitäten gegeben. Vielleicht waren deswegen die nubischen Stämme allmählich bis zum 2. Katarakt nach Norden vorgedrungen. In seinem 8., 10. und 16. Regierungsjahr ging Senweseret III. militärisch gegen diese Stämme vor und erreichte, dass die Grenze bei Semna, südlich des 2. Katarakts, errichtet werden konnte. Diese Grenze sicherte er durch acht Festungen zwischen Setnna und dem weiter nördlich gelegenen Buhen; es ist aber nicht geklärt, welche der Festungen von Senweseret III. wirklich erbaut und welche nur ausgebaut wurden. Die Verbindung zwischen Elephantine und den Festungen wurde erleichtert durch die Erweiterung eines bereits von Pepi I. (2321 -2287 v. Chr.) gebauten Kanals in der Nähe der Insel Sehel, südlich von Assuan. So fest war Nubien in seiner Hand, dass im Neuen Reich der vergöttlichte Senweseret III. in Nord-Nubien verehrt wurde.
Nach Palästina scheint der König persönlich einen Feldzug geführt und dabei die Stadt Sekmem (wahrscheinlich Schechem im Bergland von Ephraim) eingenonnnen zu hahen. Für Vorderasien ist sonst keine militärische Unternehmung in seiner Regierungszeit belegt. Einblick in die Einstellung gegenüber dem „feindlichen Ausland“ gewähren die sog. Ächtungstexte, von denen in der nubischen Festung Mirgissa sehr viele ausgegraben wurden. In diesen Texten werden die Namen Sekmem, Aschkelon, Byblos und Herusalem erwähnt, aber auch viele der nubischen Stämme, darunter die Kuschiten und die Medjai.

Senweseret III. erbaute im oberägyptischen Medamud einen Tempel für Month, den Kriegsgott; seine Pyramidenanlage errichtete er in Dahschur am südlichen Ende der Nekropole von Memphis. Die Pyramide selbst hat unter den übereifrigen Nachforschungen von Richard Vyse und John Perring Schaden genommen, insbes. die ohnehin schon verwitterte Fassade. 1894-95 unternahm Jacques de Morgan eine sorgfältigere untersuchung und entdeckte grosse Mengen an Schmuck in Gräbern weiblicher Mitglieder der Königsfamilie ganz in der Nähe. Dieter Arnold hat jüngst im Auftrag des New Yorker Metropolitan Museum of Art eine Nachuntersuchung vorgenommen. So schlecht der Zustand des Pyramidenoberbaus ist, so aufsehenerregend sind die unterirdischen Kammern: Die Korridore sind mit feinem weissen Kalkstein verkleidet, Grabkammer und Sarkophag sind aus Granit. Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass Senweseret III. dort je begrabn wurde. 1994 entdeckte man den Sarg und den Schmuck der Königin Neferet, der Gemahlin Senweserets III.
Nach seinem Tod wurden seine Leistungen mit denen seiner Vorgänger Senweserets I. und II. verschmolzen; ausserdem dürfte er in der Antike mit Ramses III. (1279-1213 v. Chr.) verwechselt worden sein – so wurde er in den Augen der Nachwelt schliesslich „Sesostris der Grosse“, der Archetyp des ägyptischen Pharao.


 

 

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